Arne Gericke : Spitzenvater verlässt Familienpartei

Arne Gericke (M.) musiziert mit seinen Kindern im heimischen Tessin
Arne Gericke (M.) musiziert mit seinen Kindern im heimischen Tessin

Europaabgeordneter Arne Gericke wechselt zu den Freien Wählern und behält sein Mandat in Straßburg

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10. Mai 2017, 05:00 Uhr

Streit kommt in den besten Familien vor. Doch für den Europaabgeordneten Arne Gericke aus Tessin (Landkreis Rostock) gibt es kein Zurück mehr. Er verlässt die Familienpartei, für die er seit 2014 im Europäischen Parlament in Straßburg sitzt und die er viele Jahre als Bundesvorsitzender führte. „Es gab Zwistigkeiten mit der aktuellen Parteiführung“, sagte Gericke gestern in Schwerin. Von Misstrauen und mangelnder Professionalität ist die Rede. Außerdem könne die kleine Partei mit bundesweit nur 600 Mitgliedern kaum politische Inhalte in die Öffentlichkeit tragen, sagte der 52-Jährige. Am Wochenende habe er der Parteispitze seinen Austritt telefonisch mitgeteilt. Gericke, der vor fünf Jahren vom Bundesfamilienministerium und der Großbäckerei Mestemacher als „Spitzenvater 2012“ ausgezeichnet wurde, und seine Familienpartei gehen künftig getrennte Wege.

Parteilos bleibt der gebürtige Hamburger allerdings nicht. Gericke wechselt zu den Freien Wählern (FW). Sein Mandat in Straßburg will er behalten. Damit verdoppelt sich die Zahl der Sitze der Freien Wähler im Europaparlament. Mit der FW-Einzelabgeordneten Ulrike Müller aus Bayern habe er bisher gut kooperiert, sagte Gericke.

Auch bleibt er im Straßburger Parlament trotz des Parteiwechsels weiterhin Mitglied der Fraktion der Europäischen Konservativen und Reformer (EKR), der auch die britischen Tories und die polnische Partei Recht und Gerechtigkeit (PiS) angehören. „Familienpolitik wird auch bei den Freien Wählern mein politisches Kernthema bleiben“, sagte Gericke, der Vater von sieben Kindern ist – von vier leiblichen und drei Pflegekindern, deren Eltern nicht mehr leben. Der gelernte Groß- und Außenhandelskaufmann war von 1994 bis 2004 Heimleiter eines Seniorenzentrums in der Warbelstadt Gnoien und danach freiberuflicher Seelsorger. Das Mandat in Straßburg wurde möglich, weil es im Europaparlament keine Fünf-Prozent-Hürde gibt.

Für Schlagzeilen als EU-Abgeordneter sorgte Gericke, als er im vergangenen Jahr für den Rausschmiss der beiden AfD-Europaabgeordneten Beatrix von Storch und Marcus Pretzell aus der Fraktion der EKR sorgte. Ursprünglich war die AfD 2014 mit sieben Abgeordneten ins EU-Parlament eingezogen. Nach der Spaltung und der Gründung von Bernd Luckes
„Allianz für Fortschritt und
Aufbruch“ im Jahre 2015 wird die AfD nur noch durch von Storch und Pretzell im EU-Parlament vertreten. Anfang 2016 hatte von Storch erklärt, dass sie es für gerechtfertigt halte, auch Frauen und Kinder mit Waffengewalt an einem illegalen Grenzübertritt zu hindern. Danach hatte Gericke den Ausschluss der beiden Deutschen aus der Fraktion beantragt, der anschließend auch beschlossen wurde.

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