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Mecklenburg-Vorpommern

24. November 2017 | 19:24 Uhr

Brüssel : Spitzenvater mischt Europa auf

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Arne Gericke aus Tessin zieht als einziger Abgeordneter der Familien-Partei ins Europaparlament ein

svz.de von
erstellt am 27.Mai.2014 | 12:00 Uhr

Das Abenteuer Brüssel begann um 17 Uhr. In dem Flieger, der gestern um diese Zeit aus Berlin nach Belgien startete, saß mit Arne Gericke der einzige Abgeordnete, der die Familien-Partei künftig im Europaparlament vertreten wird.

Aus Tessin bei Rostock in die Welt – für Arne Gericke schließt sich damit in gewissem Sinne ein Kreis. Denn er wurde zwar 1964 in Hamburg geboren, verbrachte aber zusammen mit seinen Eltern den Großteil seiner Kindheit in Papua-Neuguinea. Auch in Tschechien hat er einige Zeit gelebt und gearbeitet. Noch vor der Wende lernte Gericke seine spätere Frau kennen, die aus Mecklenburg stammt. Hier gründete er mit ihr eine Familie, zu der heute sieben Kinder im Alter zwischen elf und 22 Jahren gehören – genau genommen sind es vier leibliche und drei Pflegekinder, Geschwister, deren Eltern nicht mehr leben. „Aber wir machen da keinen Unterschied“, betont Arne Gericke. Seine Arbeit als Leiter eines Seniorenzentrums gab er auf und arbeitet seit 2004 selbstständig als Redner und Seelsorger – um mehr Zeit für die Familie zu haben. Auch deshalb wurde Arne Gericke vor knapp zwei Jahren vom Bundesfamilienministerium zu Deutschlands Spitzenvater gekürt.

Seit Anfang 2006 engagiert sich der Tessiner in der Familien-Partei, noch im selben Jahr wurde er zu deren Bundesvorsitzenden gewählt. Mittlerweile ist Arne Gericke „nur noch “ stellvertretender Bundesvorsitzender und Landesvorsitzender in MV – „mehr geht nicht, wenn ich mich auf Europa konzentrieren und meine Familie trotzdem nicht zu sehr vernachlässigen will.“ Überhaupt habe er sich der Familie wegen lange mit der Spitzenkandidatur schwergetan. „Aber ich will etwas für Familien bewegen – und dazu muss ich mich von zu Hause wegbewegen.“

Gestern durfte einer seiner sechs Söhne mit nach Brüssel fliegen. Er habe Tickets und Hotel schon längere Zeit im Voraus gebucht, verriet Gericke. Denn nachdem das Bundesverfassungsgericht die Prozenthürde bei der Europawahl für verfassungswidrig erklärt hatte, sei angesichts der Ergebnisse der letzten Wahlen schon klar gewesen, dass zumindest er als Spitzenkandidat den Einzug ins Europaparlament schaffen würde.

Jetzt, nach der Wahl, will Arne Gericke in Brüssel auf die Suche nach Verbündeten gehen. Schon heute wird er dazu erste Gespräche führen. Zeitweise sei darüber diskutiert worden, eine eigene Fraktion aus allen kleinen Parteien zu bilden, die es neu ins Europaparlament schaffen – aber das sei schon allein deshalb nicht möglich, weil dann auch Rechtsextreme dazugehörten. Dazu käme, dass familienpolitische Standpunkte sehr weit auseinandergingen. „Es gibt einfach niemanden, der Familienpolitik so authentisch vertritt wie wir“, betont Gericke. Aber es gebe in jeder Fraktion Menschen, denen Familien besonders am Herzen lägen, mit ihnen wolle er künftig kooperieren.

Vor allem ihnen muss er auch die Ziele der Familien-Partei nahebringen: ein sozialversicherungspflichtiges Erziehungsgehalt beispielsweise, oder die Einführung eines Familienwahlrechts, das die Eltern im Namen ihrer Kinder wahrnehmen. Ihm persönlich liegen auch der Verbraucherschutz und eine familienfreundliche Wirtschaft am Herzen, betont Arne Gericke. Hier gebe es noch viel zu tun.

Seine Frau zum Beispiel sei nach mehrjähriger Erziehungszeit wieder in ihren Beruf als Krankenschwester zurückgekehrt und schon nach kurzer Zeit zur Pflegedienstleiterin aufgestiegen – „weil ihr Arbeitgeber erkannt hat, dass eine Mutter von sieben Kindern über beste Managerfähigkeiten verfügt“. Leider seien solche Arbeitgeber noch viel zu selten. „Da muss sich etwas ändern.“

 

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