zur Navigation springen

Mecklenburg-Vorpommern hat sieben Sterneköche : Spitzenküche: Von deftig zu fein

vom

Deftig, kaum Gemüse und irgendwas mit Fisch - die Küche im Nordosten hatte in der Vergangenheit nicht unbedingt ein Feinschmeckerimage. Inzwischen zaubern in MV sieben Sterneköche Delikatessen auf die Teller ihrer Gäste.

svz.de von
erstellt am 07.Mär.2012 | 08:52 Uhr

Rostock | Deftig, kaum Gemüse und irgendwas mit Fisch - die Küche im Nordosten hatte nicht unbedingt ein Feinschmeckerimage in der Vergangenheit. Doch inzwischen zaubern in Mecklenburg-Vorpommern sieben Sterneköche Delikatessen auf die Teller ihrer Gäste. Damit liegt das Land an der Spitze der neuen Bundesländer. Dem Landesverband des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga) und dem Tourismusverband Mecklenburg-Vorpommern zufolge ist das ein Zeichen für einen Wandel.

Das Markenzeichen vieler Köche in Mecklenburg-Vorpommern: Moderne Küche mit Zutaten aus der Region. Dafür arbeiteten sie intensiv mit den Landwirten und der Ernährungswirtschaft zusammen und bildeten regionale Netzwerke, sagt der Sprecher des Tourismusverbandes Mecklenburg-Vorpommern, Tobias Woitendorf.

Ein Beispiel ist die Yachthafenresidenz Hohe Düne in Rostock mit ihrem Sternekoch Tillmann Hahn. Hahn, der ursprünglich aus Darmstadt stammt, blieb unter anderem wegen der guten Zusammenarbeit mit den Landwirten im Nordosten. "Es ist natürlich ein Unterschied, ob ich so ein Produkt nur als Produkt sehe oder ob ich die Person kenne, die dahinter steckt", sagt er. "Dann wird das Produkt zu einer Geschichte, die ich auch meinen Gästen weitergeben kann."

Er habe schnell Kontakt zu den Landwirten aufgenommen und könne so sogar selbst beeinflussen, was sie produzierten. Gutes Rindfleisch sei beispielsweise schwer zu bekommen in der Schweinefleischnation Deutschland, sagt Hahn. Doch in Mecklenburg-Vorpommern stellte er fest: "Es gibt gutes Rindfleisch in Deutschland in Bioqualität von kleinen und mittleren Erzeugern." Ein Koch müsse aber dem Landwirt garantieren, dass er einen Abnehmer für einen Ochsen habe, wenn er diesen mehrere Jahre auf seine Weide stellen solle.

Ein anderes Beispiel ist das Restaurant von Sternekoch Ronny Siewert im Grand Hotel in Heiligendamm. "Unsere Schiene ist, die regionalen und die edlen Produkte in den Menüs zusammenzufassen", erklärt er. Zwar könne man Gourmetrestaurants und die typische Landesküche nicht miteinander vergleichen, da es sich um völlig unterschiedliche Konzepte handele. Doch auch er glaubt, dass sich die feine Küche weiterentwickelt hat.

Dass immer mehr Gourmetrestaurants im Nordosten eröffneten, sei an der Zeit, sagt Siewert. "Das befruchtet ja auch im Prinzip das komplette Bundesland." Und obwohl das Grand Hotel vergangene Woche Insolvenz anmelden musste, sehe er auch der Zukunft seines eigenen Restaurants in den nächsten Monaten recht zuversichtlich entgegen.

Mit den südlichen Bundesländern kann Mecklenburg-Vorpommern zwar nicht mithalten, was die Anzahl der Sterneköche betrifft. Baden-Württemberg hat beispielsweise 58 Sternerestaurants. Hahn und Woitendorf glauben jedoch, dass ein gewisser Aufholprozess im Gange ist. "Vor 20 Jahren, nach der Wende, gab es so etwas gar nicht", sagt Hahn. Eine solche Entwicklung brauche Zeit.

Trotzdem könne der Imagewandel der norddeutschen Küche auch den Tourismus ankurbeln, glaubt Woitendorf. Die Mehrzahl der Touristen lege Wert auf eine gute, regionale Küche. Dies sei zwar sicher nicht der Hauptgrund, wegen dem man sich für ein Reiseziel entscheide. "Es kann aber das Zünglein an der Waage sein", sagt Woitendorf.

Dass Touristen, die sich nicht für Gourmetrestaurants interessierten, von der wachsenden Zahl solcher Gaststätten abschrecken lassen könnten, glauben der Tourismusverband und der Dehoga nicht. "Das sind völlig unterschiedliche Segmente. Der eine fährt Porsche, der andere einen Golf, aber beide nutzen die gleiche Straße und sind zufrieden", sagt Dehoga-Sprecher Uwe Barsewitz. "Im Gegenteil - das ergänzt sich dann auch."

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen