Forschung MV : Spiralwirbel in der Ostsee entdeckt

Aus der Luft spüren die Forscher Meereswirbel auf, um sie dann genauer zu erforschen.
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Aus der Luft spüren die Forscher Meereswirbel auf, um sie dann genauer zu erforschen.

Bei der weltweit ersten Zeppelin-Expedition erforschen Experten Strömungen in der Ostsee.

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26. Juni 2016, 21:00 Uhr

Auf ihrer Zeppelin-Expedition „Uhrwerk Ozean“ haben Meeresforscher unter Leitung des Helmholtz-Zentrums für Küstenforschung Geesthacht in der Ostsee erste Meereswirbel entdeckt und vermessen. Südlich der dänischen Insel Bornholm sei ein Spiralwirbel mit einem Durchmesser von drei Kilometer aufgespürt und über sechs Stunden bis zu seinem Zerfall verfolgt worden, sagte der Expeditionsleiter Burkard Baschek der Deutschen Presse-Agentur. Ein weiterer, etwa 15 Kilometer großer Wirbel habe gezeigt, wie sich an den Rändern verschiedener Wassermassen scharfe Bänder von Cyanobakterien (Blaualgen) abzeichnen.

Die Wissenschaftler vermuten, dass die kleinen Meereswirbel - wie sie unter anderem in der Ostsee vorkommen - einen nicht unerheblichen Einfluss auf den Energietransport und die Mikroalgenproduktion in den Weltmeeren haben.

„Wir haben eine neue Intensität der Daten, die zum besseren Verständnis über den Zusammenhang der Meeresströmungen und die Auswirkungen auf die Mikroalgenproduktion beitragen können“, sagte Baschek.

40 Ozeanographen aus Deutschland und den USA suchen seit einer Woche mit Zeppelin und Flugzeug nach Meereswirbeln in der Ostsee. Sind aus der Luft die Wirbel ins Visier genommen, bringen Forschungsschiffe Messgeräte wie unbemannte Tauchroboter und automatische Messboxen aus, um die Wirbel zu vermessen. Zum Einsatz kam auch ein Schnellboot, dass eine Schleppkette mit hoher Geschwindigkeit durch den Wirbel zog. Sensoren erfassen dabei die Energie und Mikroalgen in der Strömung.

Aus der Luft spüren die Forscher Meereswirbel auf, um sie dann genauer zu erforschen.
dpa

Aus der Luft spüren die Forscher Meereswirbel auf, um sie dann genauer zu erforschen.

 

Auf ihrer Expedition nehmen die Forscher vor allem die „kleinen“, relativ instabilen Wirbel mit bis zu zehn Kilometern Durchmesser und Fronten in den Blick, die als Vorstufen solcher Wirbel gelten. Im Gegensatz zu den großen Strömungen seien diese Wirbel bislang kaum untersucht. Vor Jahren hatten Forscher um Baschek vor der kalifornischen Küste bereits ähnliche Mini-Wirbel beobachtet. Doch erstmals konnten nun durch den Einsatz des Zeppelins diese Strömungen bis zu ihrem Zerfall beobachtet und auch Turbulenzen vermessen werden, wie der Wissenschaftler sagte. Auch wurden erstmals biochemische Messungen vorgenommen. „Wir haben bereits jetzt vielversprechende Daten, die wir nun auswerten müssen“, sagte der Direktor des Instituts für Küstenforschung, Baschek.

Die Wissenschaftler vermuten, dass die kleinen Meereswirbel - wie sie unter anderem in der Ostsee vorkommen - einen nicht unerheblichen Einfluss auf den Energietransport und die Mikroalgenproduktion in den Weltmeeren haben.

Bei der Expedition spielte den Wissenschaftlern das stabile Sommerwetter in die Hände. „Wir haben großes Glück, dass die Wetterlage sehr ruhig ist“, sagte Baschek. So habe man an dem drei Kilometer großen Spiralwirbel über sechs Stunden beobachten können, wie die Spiralarme immer breiter wurden und der Wirbel an Energie verlor. An dem mittelgroßen Wirbel, der rund 30 Kilometer südlich von Bornholm entdeckt wurde, konnte beobachtet werden, wie sich entlang von scharfen Fronten Cyanobakterien anordnen, sagte Baschek.„Innerhalb von vier Stunden haben wir gesehen, wie sich die Front immer weiter abgeschwächt hat, während sich die Wassermassen auf beiden Seiten der Front miteinander vermischt haben.“ Die Messungen in einem Wirbel hätten auch gezeigt, dass das Zentrum kälter ist als die Ränder. Im Inneren der Strömungen wird - so die Vermutungen der Wissenschaftler - kaltes, nährstoffreiches Wasser an die Oberfläche gedrückt, was wiederum das Wachstum von Mikroalgen fördern könnte. Gesichtet und vermessen wurde auch eine acht Kilometer lange Front an der Südostspitze Bornholms. Fronten - als Vorstufe der Wirbel - bildeten sich, wenn Wassermassen unterschiedlicher Temperatur oder Dichte aufeinandertreffen.

Bis Montag werden die Forscher noch zweimal mit dem Zeppelin auf Wirbel-Jagd in der Ostsee gehen. Danach beginnt die trockene wissenschaftliche Arbeit in den Laboren und an Rechnern. Wasserproben müssen analysiert, Messdaten bewertet und miteinander in Beziehung gesetzt werden. Die Auswertung werde Wochen, wenn nicht gar Jahre dauern, sagte Baschek.

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