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Serie: Jung in MV : Spielen für eine gute Zukunft

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Schweriner Studentin Clara Beck engagiert sich für Flüchtlingskinder

svz.de von
erstellt am 16.Feb.2017 | 12:00 Uhr

Ende der 80er war der Norden der DDR das Gebiet mit der jüngsten Bevölkerung. Seit der Wende aber hat sich diese Statistik komplett umgekehrt. In unserer Serie wollen wir zeigen, dass es junge Menschen gibt, die sich bewusst für den Nordosten entscheiden. Die hier Chancen sehen, die andere nicht gesehen haben.

Kaum hatte sie die schriftlichen Abitur-Prüfungen absolviert, suchte Clara Beck nach einer Aufgabe. Und fand sie im Spiel mit den jüngsten Flüchtlingen, die in ihre Heimatstadt Schwerin gekommen waren.

Schon während ihrer Schulzeit an der Ecolea wurden Blicke über die Grenzen Deutschlands hinaus für Clara normal. So wurde aus dem zurückhaltenden Mädchen eine offene, flexible Schülerin. „Wir hatten häufig Auslandsreisen – dadurch habe ich gelernt, in der Fremde allein klarzukommen, mich in die Gastfamilie einzufügen und in einer fremden Sprache zu kommunizieren. Und ich habe erlebt, wie man sich fühlt, wenn alles fremd ist.“

Fast wäre sie Zahnärztin geworden, aber dann merkte sie, dass ihr eine soziale Arbeit viel mehr Spaß macht. Also beschloss sie, Lehrerin zu werden und studiert seit einigen Monaten in Rostock Philosophie und Englisch auf Lehramt.

Doch zwischen den Abschlussprüfungen wollte sie etwas Sinnvolles tun – in einer Zeit, als die Zahl der ankommenden Flüchtlinge immer noch sehr hoch war. Claus Oellerking, der Asylsuchenden in Schwerin besonders aktiv hilft, motivierte die 18-Jährige, ehrenamtlich in der Flüchtlingshilfe zu arbeiten. „Es gab viele Kinder, die noch keinen Platz in einer Kita oder Schule hatte“, erzählt Clara. „Sie kamen aus Syrien, Afghanistan, Äthiopien oder dem Kosovo. Wir haben sie tagsüber betreut und versucht, ihnen zu zeigen, wie man Kontakte knüpft und miteinander klarkommt.“

Es herrschte keineswegs immer Frieden unter den Drei- bis Achtjährigen. So vieles mussten die Kinder lernen: die deutsche Sprache, andere Gepflogenheiten, manche auch Respekt gegenüber Mädchen und Frauen. In den Räumen der Marienkirche auf dem Großen Dreesch gab es Räume und einen Spielplatz. Vier- oder fünfmal pro Woche war Clara mehrere Stunden dort, hat mit den Kindern gespielt, gesungen, getanzt, gepuzzelt, gemalt, vorgelesen. Spielerisch lernten sie Deutsch, aber in vielen Situationen zeigte sich, dass sie schlimme Erlebnisse hinter sich haben. Manche waren extrem zurückgezogen, weinten schnell, andere waren auffallend aggressiv. „Wenn es Konflikte gab, wurde beleidigt, getreten, geschubst oder mit dem Roller geworfen – mehr als bei deutschen Kindern. Sie machen nach, was sie erlebt haben; manche waren mental immer noch dort, woher sie gekommen waren. Ich bin froh, dass wir ihnen hier eine Umgebung bieten können, in der sie wieder Kind sein können.“ Und die Eltern wussten ihre Kinder gut aufgehoben.

Eine Sechsjährige aus Syrien ist Clara in dieser Zeit besonders ans Herz gewachsen – und umgekehrt. Immer, wenn sie in Schwerin ist, besucht sie die Kleine und deren Familie, eine Mutter mit zwei weiteren Kindern. „Ich habe versucht, ihnen beim Deutschlernen zu helfen, bin mit ihnen in die Stadt gefahren. Und ich habe ihr Vertrauen gewonnen – wir sind froh, dass wir uns kennengelernt haben.“

Die Studentin weiß, dass viele Deutsche, die Flüchtlingen helfen, nicht gern darüber reden. „Ich glaube, sie haben Angst, angefeindet zu werden. Ich stehe aber dazu, und es gibt so viele Menschen, denen wir helfen können, die so dankbar sind – darauf bin ich stolz. Und wenn ich in ein fremdes Land flüchten müsste, würde ich mir auch Hilfe erhoffen. Auch das war für mich ein Grund, mitzumachen.“

 

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