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Kriminalität MV : Spektakuläre, unaufgeklärte Tötungsverbrechen

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erstellt am 29.Mär.2012 | 10:02 Uhr

Christin Malchow
2007, Kröpelin. Auch fünf Jahre nach dem Mord an der 36-jährigen Krankenschwester Christin Malchow in einem Waldstück bei Kröpelin (Landkreis Rostock) tappt die Polizei bei der Fahndung nach dem Täter im Dunkeln. „Wir haben bis heute kein zählbares Ergebnis“, sagt Jana Sprank, Sprecherin des Polizeipräsidiums Rostock. Am 18. Juli 2007 holte die Krankenschwester ihren damals fünfjähriger Sohn vom Kindergarten ab. Die beiden fuhren am Rande eines Waldstücks, als sie am hellichten Tag von einem Unbekannten überfallen wurden. Die Frau wurde durch Schläge mit einem Ast so schwer verletzt, dass sie am folgenden Tag starb. Ihr Sohn überlebte mit schweren Verletzungen.

Mit viel Aufwand ermittelte die Polizei, bildete die Sonderkommission „Christin“ und führte Massen-DNA-Tests durch. 6500 Männer, die in der Umgebung des Tatorts leben, mussten ihre Speichelprobe abgeben. Insgesamt wurden 725 Hinweise aus der Bevölkerung von der Polizei bearbeitet. Für sachdienliche Hinweise wurde eine Belohnung von 5000 Euro ausgesetzt.

Anne Stefan
1993, Neustrelitz. Die 21-jährige Anne Stefan aus Dresden wollte allein mit dem Fahrrad in mehreren Etappen von Oranienburg an die Ostseeküste fahren. Die junge Frau wollte dabei über ihre Beziehung zu ihrem Freund nachdenken. Die erste Etappe von Oranienburg nach Rheinsberg verlief ohne Zwischenfälle. Am zweiten Tag - dem Tattag - fuhr die Krankenschwester vom Campingplatz Bikowsee bei Rheinsberg über Wesenberg und Neustrelitz in Richtung Burg-Stargart. Die Radlerin bevorzugte Wegstrecken weitab der Fernverkehrsstraßen. Beim Zwischenstopp in Neustrelitz führte sie noch ein letztes Telefongespräch mit ihrem Freund. "Die Frau verschwand am 20. Juli 1993 bei Blankensee ", sagt Madeleine Camin, Sprecherin des Polizeipräsidiums Neubrandenburg.

Wanderer fanden zwei Monate später das Fahrrad der Gesuchten unter Sträuchern versteckt. Entdeckt wurden die skelettierten Überresten von Anne Stefan erst am 19. März 1994 in einem Waldgebiet zwischen Blankensee und Godenswege. "Das Spurenaufkommen war aufgrund von zwischenzeitlichen Witterungseinflüssen minimal", so die Polizeisprecherin. Die Tat blieb bis heute im Dunkeln.

Sandra Reissig
2006, Greifswald. Sandra Reisig war eine alleinerziehende Mutter. Die 33-Jährige jobbte in der Tankstelle nahe des Greifswalder Einkaufscenters Elisenpark. Wenn sie Zeit hatte, suchte sie im Internet einen Partner und Vater für die beiden Kinder. Ihr Nickname war „mama_94_01“. Am 27. April 2006 stand sie wieder hinter dem Verkaufstresen ihrer Tankstelle. 20.30 Uhr bedient sie den letzten Kunden. Danach wird sie nicht mehr lebend gesehen.


Sandra Reisig verschwindet aus dem Verkaufsraum, ihre Handtasche mit Geld und Handy blieben zurück. Am Tag darauf wurde die junge Frau erstochen und mit KO-Tropfen im Magen im Ryck im Bereich Hafenstraße, auf Höhe des Greifswalder Rudervereins gefunden. Von elf Messerstichen und schweren Schlagverletzungen im Gesicht sprach die Polizei. Später kritisierte eine Lokalzeitung, Mutter und die beiden kleinen Kinder der Frau hätten die Todesnachricht aus dem Radio erfahren. Die Ermittler gingen entsprechend der Spurenlage immer von zwei Tätern aus. Hinweise führten zu einem Paar von der Insel Rügen. Die Beweise reichten allerdings nicht.

Anja Lutter
Tramperin erstochen1992, Rostock. Anja Lutter besuchte das Rostocker Abendgymnasium. Am 24. November 1992 war der Unterricht gegen 20.15 Uhr vorbei. Die 20-Jährige verabschiedete sich von den Mitschülern und machte sich auf den Heimweg. Es war naßkalt und neblig. Die junge, selbstbewusste Prau musste nach Dummerstorf, wo sie bei den Eltern wohnte. Sie wollte die 15 Kilometer bis nach Hause trampen, obwohl Freunde und Verwandte immer wieder eindringlich gewarnt hatten.


Zeugen gaben damals an, dass sie an jenem Abend in der Neubrandenburger Straße (das ist die südliche Ausfallstraße in Richtung Güstrow) an Anja Lutter vorbeigefahren sind. Sie habe an einem hellen Trabant 601 gestanden und sich mit dem Fahrer unterhalten. Von da an verlor sich die Spur des Mädchens. Vier Monate später, am 23. März 1993, fanden Arbeiter in einem Wassergraben in der Conventer Niederung bei Börgerende den Körper der Frau, die von hinten mit einem Messer erstochen worden war. Die Spurenausbeute für die Polizei war gering. 2008 wurde der Fall erneut aufgerollt – ohne Erfolg.

Kathrin Jarosch
Leiche nie gefunden1989, Lübz. Einer der ältesten ungelösten Mordfälle: Die 13-jährige Schülerin Kathrin Jarosch wollte am 21. Januar 1989 mit dem Fahrrad vom Hof der Oma in Sandkrug bei Lübz (Landreis Ludwigslust-Parchim) nach Korbow zur Schule fahren. Sie fährt den Weg gewöhnlich nicht alleine, sondern mit der Cousine, die ebenfalls in Sandhof wohnt. Doch an diesem Tag wartet die Cousine vergeblich. Kathrin Jarosch verschwindet auf dem Weg zu ihr. Später wurden ihr Rad nur 700 Meter vom Haus der Oma entfernt gefunden. Später entdeckte die Polizei – verscharrt im Wald – auch Schultasche und Sportbeutel. Alles deutete auf einen Mord hin. Hundertschaften der Volkspolizei mit Suchhunden waren tagelang im Einsatz. Doch die Leiche wurde bis heute nicht gefunden. Ein junger Bursche aus der Region geriet ins Visier der Ermittler. Er war wegen sexueller Belästigung bereits vorbestraft. Doch der Verdacht erhärtete sich letztlich nicht. Polizei und Staatsanwaltschaft ermittelten auch nach dem Fall der Mauer weiter. Die Oma hatte immer gehofft ihre Enkelin wiederzusehen. Die alte Dame wartete bis zu ihrem Tod.

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