Ausstellung auf Rügen : Speers „zweite Karriere“

Tafeln zum Wirken von Hitlers Architekten und Rüstungsminister Albert Speer sind in der Sonderausstellung zu sehen.
Tafeln zum Wirken von Hitlers Architekten und Rüstungsminister Albert Speer sind in der Sonderausstellung zu sehen.

Schau in Prora beleuchtet Lebensweg des Hitler-Vertrauten nach der Haft

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18. Mai 2018, 12:00 Uhr

Er war Hitlers Architekt und Rüstungsminister im Zweiten Weltkrieg sowie später ein gefragter Zeitzeuge: Albert Speer. Eine Ausstellung im Dokumentationszentrum in Prora (Insel Rügen) beleuchtet seit gestern Speers „zweite Karriere“ in der Bundesrepublik. Nach seiner Haftentlassung im Jahr 1966 galt er als geläuterter Zeitzeuge des Nationalsozialismus. Die Ausstellung wurde vom Nürnberger Dokumentationszentrum Reichstagsgelände mit Unterstützung des Instituts für Zeitgeschichte München-Berlin erarbeitet und dort bereits gezeigt.

Speer (1905-1981) war in der NS-Zeit als Architekt verantwortlich für Großprojekte wie das Reichsparteitagsgelände in Nürnberg und die Umgestaltung Berlins. 1942 wurde er Rüstungsminister. 1946 verurteilten ihn die Alliierten im Nürnberger Prozess zu 20 Jahren Haft.

Nach seiner Entlassung habe Speer durch zahlreiche Interviews und Publikationen seine bei Kriegsende entworfene und weiter ausformulierte Legende in die Öffentlichkeit tragen können, wie die Ausstellungsmacher mitteilten. So habe er immer wieder deutlich machen wollen, nichts von den NS-Verbrechen gewusst zu haben und unbeteiligt in Krieg und Judenmord hineingeraten zu sein. Aktiv gestaltete er seine Selbstinszenierung als unpolitischer Technokrat und fehlgeleiteter Idealist.

Am Beispiel Speers soll der Umgang der Deutschen mit ihrer Vergangenheit sichtbar gemacht werden. Mit unkritischer Bereitwilligkeit seien Historiker, Publizisten und auch die deutsche Öffentlichkeit der Erinnerungsmanipulation des „guten Nazis“ gefolgt.

Dies sei auch deswegen möglich gewesen, weil er eine Entlastung für jene geboten habe, die sich selbst im Nationalsozialismus engagiert hatten. Die Ausstellung ist bis Ende August in Prora zu sehen.

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