Wirtschaft : Spediteure legen Mautkosten um

Eine von insgesamt 35 Kontrollsäulen in MV:  Maut-Überwachung an der B  106 nach Schwerin
Eine von insgesamt 35 Kontrollsäulen in MV: Maut-Überwachung an der B 106 nach Schwerin

Verbraucher in MV müssen mit höheren Preisen rechnen. Im Nordosten entsteht neues Netz aus 35 Kontrollsäulen an Bundesstraßen

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17. Januar 2018, 05:00 Uhr

Wegegeld im Straßennetz: Der Bund dehnt das Mautnetz für den Lkw-Verkehr auf alle Bundesstraßen aus. Bis Mitte des Jahres sollen dazu in Mecklenburg-Vorpommern weitere 35 Kontrollsäulen entlang der Bundesstraßen errichtet werden, teilte die vom Bund mit der Mauterfassung beauftragte Betreiberfirma Toll Collect mit. Die Standortplanung erfolge derzeit in Abstimmung mit dem Land, erklärte Toll-Collect-Sprecherin Claudia Steen. Nach dem Betrieb einer Testsäule an der Ortsumgehung Schwerin an der B 106 sollen künftig u. a. an der B 321 zwischen Parchim und Crivitz sowie an der B 5 nahe Redefin neue Säulen errichtet werden. Die Kontrollpunkte würden in den kommenden Monaten zügig eingerichtet. Bundesweit will Toll Collect 621 Kontrollsäulen installieren.

Der Bund macht Kasse: Nach der vierten Änderung des Bundesfernstraßenmautgesetzes wird ab 1. Juli 2018 für alle Transporter ab 7,5 Tonnen bundesweit auf dann 40 000 Kilometer Bundesstraße die Benutzungsabgabe fällig. Derzeit sind bundesweit insgesamt 15 000 Kilometer auf Autobahnen und bestimmten Bundesstraßen gebührenpflichtig. In MV wird damit künftig für jeden vierten Kilometer des 10 000 Kilometer langen Straßennetzes Maut erhoben. Bislang kassierte der Bund nur auf 554 Kilometer Autobahn und auf 55 Kilometer der Bundesstraßen 96, 102, 104, 105, 106 und 197 nahe Schwerin, Rostock, Neubrandenburg und am Rügenzubringer vor Stralsund.

Höhere Kosten für Verbraucher: Der neue Wegezoll auf Bundesstraßen setzt das Verkehrsgewerbe in MV indes in Zeiten knapper Margen unter Druck. Der Bund kalkuliert die Regierung mit Mehreinnahmen von bis zu zwei Milliarden Euro pro Jahr und 130 000 neuen mautpflichtigen Fahrzeugen. Die Maut auf allen Bundesstraßen belaste zusätzlich vor allem den Verteilerverkehr, erklärte Norbert Voigt, Chef des Landesverbandes des Verkehrsgewerbes. Ein Flächenland wie Mecklenburg-Vorpommern mit langen Transportwegen sei davon stärker betroffen. Die Unternehmen im Nordosten seien im Vergleich zu anderen Regionen schlechtergestellt, da sie deutlich mehr Maut-Kilometer in Rechnung gestellt bekämen. Gleichzeitig müsse die Branche aber mit niedrigeren Preisen auskommen als in anderen Bundesländern üblich. Die Verbraucher werden den Kostendruck zu spüren bekommen: Auf sie kommen höhere Preise zu. Die Transportunternehmen seien gezwungen, die Mautkosten an ihre Kunden weiterzureichen. Derzeit liefen entsprechende Preisverhandlungen mit den Kunden. „Die Maut wird alle treffen“, sagte Voigt: „Einer muss die Zeche zahlen. Wer die höheren Kosten nicht weiterreichen kann, wird sich verabschieden müssen.“ Und es wird noch mehr: Die Branche gehe davon aus, dass im kommenden Jahr die Mautsätze noch einmal erhöht werden, fürchtet Voigt.

Die fast vier Meter hohen Säulen sorgen indes auch bei Autofahrern für Verunsicherung: Nach den Erfahrungen an den Testsäulen gehen Fahrer regelmäßig vor den Kontrollstellen auf die Bremse, da sie die Säulen auf den ersten Blick für einen Blitzer halten. Maut-Betreiber Toll Collect gibt Entwarnung: Die Kontrollsäulen würden nur vorbeifahrende mautpflichtige Fahrzeuge überprüfen, erklärte Sprecherin Steen. Dazu würden nur Daten von Fahrzeugen weitergeleitet, bei denen der Verdacht besteht, dass die Maut nicht oder nicht richtig bezahlt worden sei. Alle anderen Daten würden noch in der Säule vor Ort gelöscht, versicherte Steen. Und: „Geblitzt wird auf jeden Fall nicht.“

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