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SPD-Politiker aus Kröpelin würdigt Hitler-Besuch

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erstellt am 09.Okt.2012 | 09:15 Uhr

Schwerin/Kröpelin | Eine Internetseite des sozialdemokratischen Ortsvereins Rerik-Salzhaff-Kröpelin sorgt für Empörung und heftige Kritik in der Landespolitik. Der SPD-Politiker Thomas Wendt, Mitglied des Kreistages im Landkreis Rostock, würdigt auf der Startseite des Internetauftritts den Besuch der faschistischen Diktatoren Adolf Hitler und Benito Mussolini 1937 in der Kleinstadt als "eines der bedeutendsten Ereignisse" der Stadtgeschichte. Bilder auf der Seite zeigen ausnahmslos Hitler im Auto und jubelnde Menschen. Im Text heißt es dazu kommentarlos: "Auf dem Transparent erkennt man wenige Einzelbilder später: ,Wir grüssen die Retter der europäischen Kultur Mussolini und Hitler". Am Ende des Beitrages werden ältere Einwohner Kröpelins aufgefordert, über ihre Erlebnisse und Erinnerungen an den Führerauftritt zu berichten.

Hitler besuchte im September 1937 die Stadt während des bis dahin größten Manövers der deutschen Wehrmacht, das direkt der Vorbereitung auf den Weltkrieg diente. Der Nazi-Führer kam mit einem Sonderzug nach Kröpelin, um mit einem Auto zur Flak-Schule auf die Halbinsel Wustrow weiter zu fahren.

Die Veröffentlichung auf der SPD-Seite nannte der Historiker Andreas Wagner von Politische Memoriale e. V. gegenüber unserer Redaktion "einen unreflektierten und verharmlosenden Umgang mit der NS-Geschichte". In der Landespolitik schlagen die Wellen hoch. "Ich bin fassungslos über diese verharmlosende Sicht des SPD-Stadtvertreters auf die Schreckenszeit des Nationalsozialismus in Kröpelin", sagte der Parlamentarische Geschäftsführer der bündnisgrünen Landtagsfraktion, Johann-Georg Jaeger. Ähnlich äußerte sich die CDU. "Einen fast schon jubelhaften Bericht über ein Stück Propaganda aus der Nazizeit ohne historische Einordnung oder Kommentierung auf einer Internetplattform einer demokratischen Partei zu finden, ist bedenklich", meinte Marc Reinhardt von der CDU-Fraktion. Peter Ritter, innenpolitischer Sprecher der Linksfraktion, forderte, "dass Aufklärung und politische Bildung auch auf der kommunalen Ebene dringend verstärkt werden müssen."

Die SPD selbst forderte Konsequenzen vom eigenen Ortsverein. "Der Bericht muss unverzüglich von der Homepage entfernt werden", so Fraktionsvorsitzender Norbert Nieszery. Heimattümelei zu einem ausgesprochen abstoßenden historischen Anlass habe auf einer SPD-Internetseite nichts zu suchen.

Autor Wendt räumte gegenüber unserer Redaktion Fehler ein. Der Beitrag sei "vielleicht missverständlich" gewesen, sagte er. Ihm gehe es um die Stadtgeschichte, die solche Ereignisse nicht ausblenden dürfe.

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