Generationswechsel : SPD in MV setzt auf junge Politiker

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Alle Landratskandidaten unter 46 Jahren. Durchschnittsalter der Fraktion um 12 Jahre gesunken

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19. Januar 2018, 05:00 Uhr

Generationswechsel in der SPD: Bei den bevorstehenden Landratswahlen schicken die Kreisverbände Kandidaten zwischen 33 und 46 Jahren ins Rennen, und damit deutlich jüngere Bewerber als die Konkurrenz. Der jüngste Kandidat, der Grabower Bürgermeister Stefan Sternberg in Ludwigslust-Parchim, ist sogar 25 Jahre jünger als sein Wettbewerber von der CDU, Klaus-Michael Glaser.

In Vorpommern Greifswald tritt die 41-jährige Soziologin Monique Wölk für die SPD an. In Vorpommern-Rügen bewirbt sich der 45-iährige Stefan Kerth, der seit elf Jahren Bürgermeister von Barth ist. SPD-Landeschefin, Ministerpräsidentin Manuela Schwesig: „Mein Ziel ist es, über die Kommunalwahl die Basis der SPD zu stärken.“

Die Verjüngungskur in der Landes-SPD hat vor zehn Jahren begonnen und zeigt Früchte. Zwei der vier amtierenden Landräte bzw. Oberbürgermeister mit SPD-Parteibuch sind unter 40 Jahre alt: Rico Badenschier (39) in Schwerin und Sebastian Constien (38), Landrat in Güstrow.

Dem größten Kreisverband, Ludwigslust-Parchim, steht bereits in der zweiten Amtszeit der 27-jährige Pascal Winkler vor. Nadine Julitz, ebenfalls 27, ist in der Seenplatte Kreischefin. Stefanie Drese (41) ist seit zehn Jahren Kreischefin, inzwischen im fusionierenden Verband Mittleres Mecklenburg. Bis auf Landwirtschaftsminister Till Backhaus sind alle Minister teilweise deutlich jünger als 45 Jahre.

Verjüngungskur auch in der Landtagsfraktion. Das Durchschnittsalter der Abgeordneten sank in den letzten zehn Jahren von 62 auf 49 Jahre. Damit liegt die SPD knapp hinter der Linksfraktion, aber deutlich vor CDU oder AfD. Die Sozialdemokraten stellen die beiden jüngsten Abgeordneten.

Junge Leute ziehen junge Leute nach. Die MV-SPD verzeichnete im vergangenen Jahr 350 Eintritte, so viel wie lange nicht mehr. Im Saldo stand am Jahresende ein Plus von 200 Mitgliedern. Bei der CDU musste bei 165 Neueintritten ein Minus von 28 Mitgliedern hingenommen werden, bei der Linken ein Minus von 128. Dennoch bleibt die CDU mit 5200 Mitgliedern die größte und die Linke die zweitgrößte Partei in MV (3725). Auch Grüne (662) und AfD (640 Mitglieder) hatten geringe Zuwächse.

Heute Abend trifft sich die SPD-Spitze, Vorstand, Fraktion und Parteirat, in Güstrow, um sich vor dem GroKo-Parteitag am Sonntag in Bonn eine Meinung zum weiteren Vorgehen zu bilden. Eine förmliche Abstimmung soll es nicht geben.

Kommentar von Max-Stefan Koslik: Nachdenken angesagt

Als die SPD-Landesvorsitzende Manuela Schwesig Anfang Juli letzten Jahres in ihrer Regierungserklärung als Ministerpräsidentin einen Generationswechsel in der Landespolitik ankündigte und die 30- und 40-Jährigen ihrer Generation aufforderte, Verantwortung zu übernehmen, haben viele im Landtag das als politische Lyrik abgebucht.

Klar, 43-jährig, junge Frau, zwei kleine Kinder, zu dem Zeitpunkt jüngste Ministerpräsidentin in Deutschland... Aber was hat das mit den Glawes (Wirtschaftsminister Harry Glawe,CDU), Caffiers (Innenminister Lorenz Caffier, CDU) oder Backhaus' (Agrarminister Till Backhaus, SPD) zu tun, die in Parlament, Regierung und ihren Parteien immer noch die ganz großen Nummern sind?

Falsch gedacht. Während man bei der Linken den langjährigen Fraktionschef, früheren Minister und Landeschef, Helmut Holter, aus dem Amt schubsen musste, um jetzt u.a. mit Torsten Koplin eine Landesspitze zu präsentieren, die kaum als Generationswechsel bezeichnet werden kann; während sich bei der CDU Alt-Minister ans Amt klammern und Fraktionschef Vincent Kokert als CDU-Landeschef zum Jagen getragen werden musste, ist bei der SPD die nächste Generation längst im Amt. Junge Politiker mit neuen Ideen, anderem Herangehen, mit neuem Schwung. Das ist vielleicht auch einmal unbequem, wie die jetzige Diskussion um die GroKo zeigt. Aber dafür hat die Partei später kein Problem, wenn die Frage steht, wer es denn nun machen soll....

Schwesig will die kommenden Kommunalwahlen dazu nutzen, die SPD an der Basis zu stärken. Nur wenn die Basis stark ist, ist man auch im Land stark. Inzwischen dürfte bei der politischen Konkurrenz das Nachdenken eingesetzt haben.

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