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Dirk Friedriszik : SPD-Abgeordneter hat doch gelogen

vom
Aus der Onlineredaktion

Friedriszik hat sich aktiv der AfD angeboten, Entschuldigung für Falschaussagen

von
erstellt am 24.Mär.2017 | 20:55 Uhr

Nun also doch: Der Ludwigsluster SPD-Landtagsabgeordnete Dirk Friedriszik hat sich im Jahr 2013 der AfD angeboten, für sie in der Kommunalpolitik aktiv zu werden. Ob er dafür AfD-Mitglied geworden ist, daran will sich der 45-Jährige heute nicht mehr erinnern. Auf alle Fälle hat er seine Mitgliedschaft aktiv per Schreiben an den Parteivorstand in Berlin im November 2013 gekündigt. Noch vor drei Tagen hatte der Abgeordnete bestritten, jemals für die Partei aktiv gewesen zu sein. „Ich bin von der AfD so weit entfernt, wie die Erde vom Mond“, sagte er unserer Zeitung.

Gestern morgen die Kehrtwende: „Ich möchte mich bei Ihnen entschuldigen. Ich habe Angst gehabt vor den Auswirkungen. Meine Überzeugung ist und bleibt sozialdemokratisch. Ich habe den Fehler gemacht, dass ich nicht sofort reinen Tisch gemacht habe“, sagte er im Telefonat mit unserer Redaktion. Was war geschehen? Ein Zeuge aus der damaligen AfD-Spitze hatte unserer Zeitung die Mitgliedschaft Friedrisziks bestätigt. Der NDR hatte zudem über eine E-Mail berichtet, in der der Berufssoldat 2013 dem AfD-Landesverband anbot, bei der Kommunalwahl für die Stadtvertretung an seinem Wohnort Ludwigslust zu kandidieren. Mehrfach. Nur die AfD hat nicht reagiert.

Vorgestern kam es schließlich zum Krisengespräch zwischen SPD-Landeschef Erwin Sellering und dem Abgeordneten: „Er gab mir den Rat, klipp und klar zu erklären, wie es war.“ Daraufhin gab Friedriszik untenstehende Erklärung ab. Dennoch geht der SPD-Mann nach eigenen Aussagen davon aus, dass er denunziert wurde.

Ein Sprecher der SPD-Fraktion sagte gestern: „Niemand wird Herrn Friedriszik einen Strick daraus drehen, dass er sich bei anderen Parteien umgesehen hat. Aber wird sind nicht glücklich darüber, dass er nicht gleich die volle Wahrheit gesagt hat.“

Friedriszik ist Vorsitzender des Rechtsausschusses – und will es bleiben: „Ich werde an meinem Vorsitz im Rechtsausschuss festhalten. Das ist ein besonderer Ausschuss, in dem ja auch wichtige Wahlprüfungen stattfinden. Das bin ich den Wählern schuldig, dass sie in diesem wichtigen Amt Verlässlichkeit erwarten können.“

Simone Oldenburg, Vorsitzende der Linksfraktion, hat da Bedenken: „Vorpreschen mit der Unwahrheit, das finde ich bedenklich. Wir Politiker müssen Vorbild sein. Ich erwarte von der SPD, dass sie für sich Konsequenzen zieht.“ Erste Rufe nach einem Rücktritt von Friedriszik vom Ausschussvorsitz gibt es bereits.  
 

Erklärung: Nie AfD-Funktionäre getroffen

„Anfang 2013 habe ich mich zunächst beruflich, dann auch privat für die AfD interessiert. Die AfD war damals eine ganz andere Partei als heute. Das war eine Zeit, in der ich sehr ernsthaft darüber nachgedacht habe, für das Stadtparlament in Ludwigslust zu kandidieren. Ich habe mich auf einer AfD-Internetseite für einen Newsletter eingetragen und dafür meine persönlichen Daten angegeben. Ich weiß nicht mehr, ob ich einen Button  „Mitglied werden“ geklickt habe. Ich erhielt regelmäßig Informationen der Partei und habe sogar erwogen, mich dort kommunalpolitisch zu engagieren. Das habe ich auch per Mail angeboten. Ich habe mich in diesem Zusammenhang  jedoch nie persönlich mit AfD-Funktionären getroffen oder an Parteiveranstaltungen teilgenommen. Parteibeiträge habe ich nicht bezahlt. Ende 2013 entschied ich mich, unter die Sache einen Strich zu ziehen.  Der Weg, den die AfD seither gegangen ist, zeigt mir, dass dieser Schritt der richtige war. Ich stehe aus tiefster Überzeugung zur SPD, der ich mein ganzes Engagement widme.“
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