Grafiker Roland Beier : Spaß mit „Weißem Gold“

Roland Beier mit zwei seiner Porzellanarbeiten Fotos: Schipke
1 von 2
Roland Beier mit zwei seiner Porzellanarbeiten Fotos: Schipke

Der Grafiker Roland Beier, bekannt durch den kleinen Marx, ist vom Porzellan-Virus infiziert – in den Genen hatte er „Meißner“ bereits

23-11368278_23-66108191_1416392711.JPG von
24. Juni 2015, 12:00 Uhr

Im „profanen“ – weltlichen und trotzdem wertgeschätztem – „Meißner“ samt Blümchenmuster steckt der Schlüssel zu den neuen filigranen wie dekorativen Objekten aus dem Berlin-Karolinenhofer Atelier von Roland Beier. Also spülmaschinenfest seien seine neueren Arbeiten aus dem „Weißen Gold“ keinesfalls, räumt der 1955 in Meißen in einen Porzellanhaushalt geborene Künstler augenzwinkernd ein.

Als der Meditationsmeister und buddhistische Mönch Thich Nhat Hanh über das Meditative am Geschirrspülen nachdachte, könnte er glatt Beiers Porzellanobjekte im Hinter-Sinn gehabt haben, hätte er Kenntnis von ihnen. Der weise Vietnamese schrieb: „Geschirr spülen ist wie einen kleinen Buddha baden. Das Profane ist das Heilige. Der Geist des Alltags ist der Geist Buddhas.“

Dass der in erster Instanz als Grafiker und Illustrator bekannte Künstler reichlich Humor hat, erwies sich bereits in den frühen Neubrandenburger Jahren. Mecklenburg verließ er in der Wendezeit Richtung Berlin – der Arbeit nach, wie viele. In dieser hochpolitischen Zeit zeichnete Beier seine legendäre Marx-Karikatur „Tut mir leid Jungs! War halt nur so ’ne Idee…“. Die war für die erste Westausgabe des „Eulenspiegels“ gerade gut genug und machte Roland Beier im Prinzip weltweit berühmt.

Er selbst fühlt sich längst von seinem eigenen marxschen Geniestreich-One-Hit-Wonder verfolgt. Spätestens als der Berliner Journalist Andreas Kurtz in einer Berliner Zeitung über Beier formulierte: „So ein großes Werk hat sein kleines Atelier nie wieder verlassen…“, musste der hochkreative und scheinbar ruhelose Beier sich neue Beschäftigungen und Herausforderungen suchen.

Seine Brotarbeit besteht seit der Wende längst im Bebildern von Schulbüchern großer und bekannter Verlage. Er zeichnet mit so knappen wie treffenden Strichen Weltgeschichte in Ethik- und Religionsbücher, illustriert scheinbar antiquiertes Latein für Klasse 10 bis 12 mit frischen Zeichnungen oder bebildert Englisch-Vokabelhefte reihenweise, macht Fremdsprache bildhaft einprägsam.

Bei dieser Arbeit ist er allerdings selbst intensiv auch mit dem Buddhismus in Kontakt gekommen. Zweite asiatische Zutat zu seinem zerbrechlichen Objekt-Werk, das er jetzt in der alten Heimat zeigen wird, waren seine familiären Wurzeln in der Meißner Manufaktur mit den blauen Schwertern. Großvater und Mutter verschönten einst als Porzellanmaler in der „Manu“ zu Meißen wertvolles Porzellan mit virtuosen Blumenbuketts.

Eine Reise nach Japan 2009 und das Jubiläum 300 Jahre europäisches „Weißes Gold“ in Meißen 2010 fehlten noch, um Roland Beier endgültig mit dem Porzellanvirus wieder zu infizieren, der ihm schließlich in den Genen gesteckt haben musste. Zuerst sollte es zu genanntem Anlass im Meißner Kunstverein ein angedachter Comic über die kunstvolle Alchemie Böttgers für August den Starken werden.

Aber dann – just in der neuzeitlichen Finanzkrise – sah er Goldbarren im TV und die Assoziation zur sächsisch-königlichen Wertschöpfung anno 1700 und … das wars dann: Weißes Gold. 200 weiße porzellanene Barren wurden der Kreativstreich Beiers zusammen mit dem Dresdner Künstlerfreund Kay Leonhardt zum Thema.

Doch nun begann das Experiment mit Material, Farbe, Form erst richtig. Porzellan sei viel, viel schwieriger als etwa Keramik, denn die Porzellanmasse hat ein „Gedächtnis“, weiß Beier heute. Und: „Für mich schloss sich ein künstlerischer Lebenskreis. Ich trete in großväterliche Fußstapfen und schaffe doch Unikate mit meiner eigenen Handschrift“, sagt er.

In Freiberg und der dortigen Porzellan GmbH fand er einen Partner, der ihn mit dem weißen Stoff ganz nach Künstlerwunsch versorgt. Inzwischen stehen Vasen und Teller, die zwar nicht spülmaschinenfest, umso mehr aber inspirierende, dekorierende und fantasieanregende Gegenstände sind und immer etwas „gegen den Strich“, gegen Glanz und Gloria des Porzellans „bemalt“ sind. Im Lager des Geschirr-Produzenten stieß er zum Beispiel auf eingestaubte Dosen, denen er mit leichter Hand eine künstlerische Wiedergeburt verschaffte. „Für mich eine Plattform zum Spielen“, sagt er fast zu bescheiden.

Alles demnächst zu begutachten: Roland Beier stellt bis 18. Juli Malerei, Grafik und Porzellanobjekte in der Dorfkirche Zachow bei Burg Stargard aus.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen