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Mecklenburg-Vorpommern

23. Oktober 2017 | 21:09 Uhr

Knausrige Banker : Sparkassen horten Gewinne

vom
Aus der Onlineredaktion

Nur drei von neun Geldhäusern in MV beteiligen die Eigentümer in Städten und Landkreisen am Erfolg

svz.de von
erstellt am 16.Mai.2017 | 05:00 Uhr

Knausrige Banker: Sie fahren Millionen-Gewinne ein, beteiligen die Eigentümer ihrer Geldhäuser aber kaum am wirtschaftlichen Erfolg. Nur drei von neun Sparkassen in Mecklenburg-Vorpommern haben in den vergangenen Jahren an ihre kommunalen Träger Gewinnanteile überwiesen. Lediglich die Sparkassen Mecklenburg-Strelitz, Neubrandenburg-Demmin und die Müritz-Sparkasse zahlten ihren beteiligten Städten und Landkreisen seit 2012 jährlich zusammen etwa eine Million Euro – insgesamt 4,03 Millionen Euro, ermittelte das Finanzministerium in Schwerin. Etwa die Hälfte schüttete allein Neubrandenburg-Demmin an die Träger im Landkreis Mecklenburgische Seenplatte und bei der Stadt Neubrandenburg aus. Die großen Sparkassen in Rostock, Schwerin und Vorpommern mit den höchsten Bilanzgewinnen horteten hingegen ihre Erträge und ließen ihre Träger abblitzen.

Millionenerträge bei den Sparkassen, Millionenschulden bei den Eigentümern: Angesichts klammer Kassen werden in den Kommunen Stimmen laut, einen Teil der Gewinne den öffentlichen Haushalten zu überweisen. Es gehe nicht darum, den Sparkassen das Geld wegzunehmen, fordert Waldemar Okon, Grünen-Fraktionschef im Kreistag Vorpommern-Greifswald mehr Sparkassen-Engagement: „Städte und Gemeinde sind klamm, da kann eine Gewinnbeteiligung nicht schaden.“

Die Sparkassen wollen davon nichts wissen: In der Regel entscheiden sich Vorstände und die mit Kommunalpolitikern besetzten Verwaltungsräte in trauter Einigkeit gegen Gewinnausschüttungen.

Einer Studie der Bundesbank zufolge gaben im Jahr 2012 bundesweit nur 140 von insgesamt 418 Sparkassen Gewinne ab. Rund fünf Millionen Euro Bilanzgewinn fuhr beispielsweise die Sparkasse Mecklenburg-Schwerin jeweils in den vergangenen beiden Jahren ein, teilte das Geldhaus mit. Ausschüttungen für 2016 hat der Verwaltungsrat jedoch abgelehnt.

Die Sparkasse nutze ihren Gewinn vor allem, um ihre Eigenkapitalbasis zu stärken, stellte Ilka Köhler vom Sparkassen-Vorstand klar: „Dies tut sie im Rahmen ihrer auf Stabilität, Solidität und Verlässlichkeit gründenden Geschäftspolitik sowie der gesetzlichen Anforderungen“, so das Geldhaus. Das gleiche Bild auch bei der Ostseesparkasse Rostock (Ospa): Bei einem Gewinn von fünf Millionen Euro habe sich der Verwaltungsrat für 2016 gegen Ausschüttungen entschieden, teilte die Ospa mit. Angesichts der deutlich gestiegenen Anforderungen an Banken und Sparkassen seien die Gewinne ins Eigenkapital gesteckt worden. Zudem müsse die Ospa ihr „sehr kundenorientiertes Geschäftsmodell mit einem überdurchschnittlichen Wachstum“ mit Eigenkapital unterlegen. Auftrag und Geschäftsziel der Sparkassen habe auch nie darin bestanden, Ausschüttungen für die Träger zu erwirtschaften, argumentieren die Geldhäuser und ziehen sich mit oft öffentlichkeitswirksam übergebenen Geldspenden aus der Affäre. 1,4 Millionen Euro steckten beispielsweise die Sparkasse Mecklenburg-Schwerin und ihre beiden Stiftungen in Projekte in der Region.

Trotz der Millionen-Spenden, die Sparkassen in MV schießen zu Lasten ihrer Träger über das Ziel hinaus: So erfüllen alle Sparkassen in MV die gültigen Quoten der Eigenkapital- und Liquiditätsregeln Basel III – zwischen 13,9 Prozent bei der Ostseesparkasse Rostock und 29,2 Prozent bei der Sparkasse Uecker-Randow, bestätigte das Finanzministerium auf eine parlamentarische Anfrage der AfD-Landtagsfraktion. In allen Fällen wurde die staatlich vorgegebene und erst ab 2019 zu erreichende Eigenkapitalquote von 10,5 Prozent teilweise sogar deutlich übertroffen. Mit knapp 30 Prozent hat die Sparkasse Uecker-Randow das meiste Geld auf der hohen Kante und kann die höchste Gesamtkapitalquote in MV nachweisen, ohne auch nur einen Cent an den Träger der Bank, den Landkreis Vorpommern-Greifswald, auszuschütten, geht aus dem Eigenkapital-Ranking des Finanzministeriums hervor. Verkehrte Welt: Dabei kann der Landkreis mit einem Schuldenberg von mehr als 160 Millionen Euro jeden Cent gut gebrauchen. Änderungen sind vorerst nicht in Sicht: Die Niedrigzinsphase, die Preis-Regulierung sowie die wachsende Online-Nutzung durch Kunden stellten die Ospa vor große Herausforderungen. „Alles gute Gründe, das Eigenkapital weiter zu stärken“, meinte Ospa-Sprecherin Katrin Stüdemann. Und auch in Schwerin heißt es: „Der Aufbau des Eigenkapitals ist wichtig, um weiterhin ein Kreditwachstum zu ermöglichen und die Kreditversorgung sicherzustellen. “ 

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