Transplantationsmedizin : Spanische Verhältnisse angestrebt

Gründungsveranstaltung  der  Initiative Transplantationsmedizin   gestern   in Rostock
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Gründungsveranstaltung der Initiative Transplantationsmedizin gestern in Rostock

Neu gegründete Initiative Transplantationsmedizin will Organspendebereitschaft im Land wieder steigern. Der Transplantationsbeauftragte der Kliniken sollen besser vernetzt werden.

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11. Dezember 2013, 00:37 Uhr

Spanien muss hierzulande – vom Fußball vielleicht abgesehen – nur selten als Vorbild herhalten. Gestern aber verkündete Mecklenburg-Vorpommerns Ärztekammerpräsident Dr. Andreas Crusius: „Wir müssen hier spanische Verhältnisse schaffen.“ Dort nämlich würden bei der Organspende Zahlen erreicht, von denen man in Deutschland nach Skandalen in mehreren Transplantationszentren nur noch träumen kann: Auf eine Million Einwohner kämen in Spanien 35 Organspender – momentan der Spitzenplatz in Europa. Deutschland dagegen rangiert bei der Zahl der durchgeführten Organspenden im internationalen Vergleich im hinteren Drittel. Auch in Mecklenburg-Vorpommern ist die Spendenbereitschaft spürbar zurückgegangen, Crusius zufolge von einst – wie in Spanien – 35 auf heute nur noch 15 Organspender je eine Million Einwohner. Da pro Spende durchschnittlich drei bis vier Organe entnommen würden, seien die Auswirkungen gravierend: Früher starben in Deutschland täglich drei Patienten, die auf der Warteliste für ein Spenderorgan standen, heute seien es schon beinahe fünf.

Hier für eine Trendwende zu sorgen, hat sich die gestern in Rostock gegründete Initiative Transplantationsmedizin Mecklenburg-Vorpommern (ITM-V) auf die Fahnen geschrieben. Ihr gehören die beiden Universitätskliniken des Landes, das Rostocker Südstadtklinikum, das Neubrandenburger Dietrich-Bonhoeffer-Klinikum, die Ärztekammer, die AOK-Nordost und mehrere engagierte Einzelmitglieder an.

„Wir müssen wieder Vertrauen bei den Bürgern schaffen und die Motivation der Mitarbeiter in den Krankenhäusern des Landes verbessern“, nennt der Vorsitzende der ITM-V, Dr. Frank-Peter Nitschke, zwei wichtige Ziele der Initiative. Dabei gelte es, Transparenz zu schaffen und Vorurteile abzubauen. „Ich weiß, dass man sich erzählt, dass bei Verunglückten, die einen Organspenderausweis bei sich tragen, die lebenserhaltenden Maschinen schneller abgeschaltet werden“, so Nitschke. „Aber das stimmt nicht!“ Jede ärztliche Behandlung hätte zum Ziel, das Leben des Patienten zu erhalten. Nur wenn das nicht möglich sei und der Hirntod eintrete, stelle sich die Frage einer Organspende. Nach Angaben der Deutschen Stiftung Organtransplantation käme es nur bei einem Prozent aller in deutschen Krankenhäusern versterbenden Patienten zum Hirntod.

„Der Hirntod mus von zwei Ärzten unabhängig voneinander festgestellt werden“, erklärt Prof. Dr. Frank Feyerherd, Transplantationsbeauftragter der Universitätsmedizin Greifswald, der betont, dass auch deshalb niemand fürchten müsse, dass zu früh eine Organentnahme erfolgt. Ängste ernst zu nehmen und Angehörigen ehrliche Antworten auf ihre Fragen zu geben, sei sehr wichtig, betont der Greifswalder Mediziner, der hier einen weiteren Ansatz für die Arbeit der Initiative sieht. Zwar gebe es an allen Kliniken des Landes Transplantationsbeauftragte. Doch gerade an kleinen Krankenhäusern ohne Neurochirurgie, wo es nur ein- oder zweimal im Jahr einen potenziellen Organspender gibt, seien diese häufig überfordert, wenn sie mit Angehörigen sprechen müssten.

Die ITM-V will die Transplantationsbeauftragten nun besser vernetzen und auch darüber hinaus Mediziner und Pflegepersonal besser im Umgang mit dem Thema Organspende schulen. Darüber hinaus ist geplant, pensionierte Ärzte als Transplantationsbotschafter in Schulen zu entsenden. „Organspende soll laut Bildungsministerium im Biologie- oder Ethikunterricht thematisiert werden, noch ist davon aber nichts zu spüren“, so Ärztekammerpräsident Crusius. Seiner Meinung nach sei Organspende „ein Thema, das an jeden Abendbrottisch gehört. Wenn die Kinder fragen: ,Mami, Papi, warum habt ihr keinen Organspendeausweis?‘, dann haben wir schon viel erreicht.“

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