Landwirtschaft in MV : Sorge vor drohender Milchkrise

Milchkühe auf einer Weide. Dieses Bild ist selten geworden.
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Milchkühe auf einer Weide. Dieses Bild ist selten geworden.

Grüne thematisieren Entwicklung der Milchpreise im Kreis Ludwigslust-Parchim – Bundesverband Deutscher Milchviehhalter in den Ausschuss eingeladen

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05. November 2014, 07:45 Uhr

Bündnis 90/Die Grünen und die grüne Kreistagsfraktion haben den Bundesverbands Deutscher Milchviehhalter (BDM) in den Ausschuss ländlicher Raum und Landwirtschaft am 25. November eingeladen. Anlass ist die Liberalisierung des Milchmarktes im kommenden Jahr und die damit verbundene Gefahr einer erneuten Milchkrise mit zu niedrigen Milchpreisen und des dramatisch steigenden Wachstumsdrucks auf die Milchviehhalter. Gerade für die kleineren Milchviehbetriebe, die jetzt schon am Limit wirtschaften, könnte das das Aus bedeuten, befürchten Bündnis 90/Die Grünen, heißt es in einer Mitteilung. Zum 1. April 2015 wird die Milchquote abgeschafft, der europäische Milchmarkt wird also liberalisiert.

Maik Kindler, Vorsitzender des Ausschuss ländlicher Raum und Landwirtschaft im Kreistag Ludwigslust-Parchim von Bündnis 90/Die Grünen, erläutert: „Das ist eine reine Verdrängungssache. Die kleinen Betriebe müssten schließen, die großen müssen weiter wachsen. Der Milchpreis droht bei der Liberalisierung des Marktes auf Weltmarktniveau abzusinken. Viele Betriebe könnten dann nicht mehr kostendeckend wirtschaften und müssten die Milchviehhaltung aufgeben.“

Er weist auf die Bedeutung der Milchviehhaltung hin: „Die Milchviehhaltung ist eines der wichtigsten Standbeine der Landwirtschaft in Deutschland. 40 Prozent der landwirtschaftlichen Wertschöpfung kommen aus der Milch. Doch in den letzten zehn Jahren haben wir ein Drittel der Milchviehbetriebe in Deutschland verloren.“

Die Kuh auf der Weide sei das Bild, das die Menschen haben, wenn sie an Landwirtschaft denken. Doch leider gebe es kaum noch Kühe auf der Weide. Mit zunehmenden Bestandsgrößen werde es für die Milchviehhalter immer unwahrscheinlicher, die Tiere auf die Weide zu lassen, da die Weidehaltung kostenintensiver und mit den riesigen Beständen aus logistischen Gründen auch immer schwieriger wird. Nachhaltig und tiergerecht wirtschaftende Milchviehbetriebe brauchen heute 45 bis 50 Cent pro Liter, um ihre Kosten zu decken.

„Wir brauchen deshalb auf allen Ebenen mehr Einsatz für die Honorierung von regionaler Erzeugung mit mehr Tierwohl und Erhalt einer vielfältigen Agrarlandschaft. Es kann doch nicht sein, dass hinter den Bildern von grasenden Kühen auf den Milchtüten in Wirklichkeit auf einseitige Hochleistung gezüchtete und oft mit Gensoja ernährte Tiere stehen, die niemals auf der Weide waren und kaum älter als vier bis fünf Jahre werden“, so Kindler. „Die Verbraucherinnen und Verbraucher wollen Qualitätsmilch aus regionaler, bäuerlicher Erzeugung, am besten Biomilch“, ist seine Überzeugung.. „Es geht darum, den Landwirten Möglichkeiten durch entsprechend geänderte Rahmenbedingungen und Anreizprogramme zu eröffnen. Denn auch die Landwirte wollen, wie die Verbraucher, die attraktive Kulturlandschaft erhalten und eine artgerechte Tierhaltung. Es gilt gemeinsam Lösungen zu finden.“

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