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Bäderregelung sorgt in Dömitz für Ärger und Segen : Sonntags klingelt die Ladenkasse

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Altbewahrtes contra Marketing. Dieses Kräftemessen sei seit Sonntag wieder in Dömitz zu spüren, meint Martin Larsen. Er ist einer von fünf Gewerbetreibenden, die im Dömitzer Kaufhaus an Sonntagen geöffnet haben.

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erstellt am 06.Apr.2011 | 08:25 Uhr

Dömitz | Altbewahrtes contra Marketing. Dieses Kräftemessen sei seit vergangenem Sonntag wieder in Dömitz zu spüren, meint Martin Larsen, Geschäftsmann in Dömitz und bis vor kurzem Vorsitzender des Vereins "Leben und Kultur" (Luk) in der Festungsstadt. Er ist einer von fünf Gewerbetreibenden, die im Dömitzer Kaufhaus an gewöhnlichen Sonntagen geöffnet haben. Das erlaubt die so genannte Bäderregelung auch in diesem Jahr wieder bis zum 31. Oktober für Betriebe außerhalb des Hotel- und Gastronomiegewerbes.

Die ist bares Geld wert für die Geschäftsleute im Kaufhaus. Larsen: "Am vergangenen Sonntag habe ich so viel eingenommen, wie sonst über einen gesamten Monat verteilt."

Das hat Gründe, wie Larsen weiß: "Im vergangenen Jahr haben täglich zwischen 4000 und 8000 Touristen jeweils an Sonnabenden und Sonntagen die Stadt Dömitz aufgesucht. Das sind Ströme, die noch weitaus mehr Ladenkassen von Dömitzer Geschäftsleuten klingeln lassen könnten. Dömitz lebt vom Tourismus, weil die allermeisten Touristen als Tagesausflügler an Wochenenden zu uns kommen. Das ist unsere potenzielle Kundschaft, ohne die wir hier im Kaufhaus nicht überleben können. Anderseits, so denke ich, versinkt die Innenstadt ohne das Kaufhaus wieder in einem unliebsamen Dornröschenschlaf."

Um diese Erlaubnis für den gewerblichen Verkauf an Sonntagen, außer an fest geschriebenen Feiertagen, habe die Stadt Dömitz lange gekämpft, gab Bürgermeisterin Renate Vollbrecht gern Auskunft auf Anfrage der SVZ. "Ich freue mich über das Zustandekommen. Die Bäderregelung hilft, die Attraktivität der Stadt zu steigern."

Das allerdings sehen nicht alle Einwohner der Stadt so, wissen die Gewerbetreibenden aus dem Kaufhaus aus bitterer Erfahrung. Es habe Anzeigen gehagelt, weil sie die Öffnungs- und Schließzeiten nicht eingehalten hätten, erinnert sich auch Karina Wagner, die in der ersten Etage ein Modegeschäft betreibt. Sie zürnt über solche Anzeigen, weil sie seinerzeit den Mut aufbrachte, auf das wage Zukunftsprojekt im Herzen Dömitz´ zu setzen: "Ich zahle meine Steuern wie jeder Selbstständige in der Stadt. Jeder schaut auf den Euro, um zu überleben. Selbst in der Kirche geht der Klingelbeutel um. Wenn es dann in meiner Ladenkasse an Sonntagen besonders oft klingelt, dann bedeutet dies geschäftliche Zukunft, auch wenn immer wieder Anfeindungen zu spüren sind."

Auch Heinz von Kiedrowski, der Hüte und mehr im Kaufhaus anbietet, achtet strikt darauf, was die Uhr geschlagen hat. Kopfschütteln löst es bei ihm aus, dass man sich in der heutigen Zeit noch darüber aufregen könne, das Geschäfte in touristisch exponierter Lage sonntags geöffnet haben. "Selbst der Aldi am Floßgraben nutzt diese Chance", zuckt der Kaufmann die Schulter.

Alle anderen Geschäfte der Innenstadt bis zum Floßgraben lassen sonntags die Ladentüren zu. Auch das hat Gründe, wie Floristin Veronika Grüschow meint: "Es lohnt sich nicht, meinen Blumenladen sonntags zu öffnen. Es rechnet sich einfach nicht." Lutz und Ruth Lange möchten gemeinsam den einzigen Tag in der Woche, nämlich den Sonntag, genießen. Außerdem fehle es der Innenstadt an Attraktivität, um mit Angeboten aus der Bäckerei auch sonntags lohnenswert zu punkten.

Ein auf tragenden Säulen stehendes Stadtmarketing müsse her, um die Stadt Dömitz im Ganzen als das Anlaufziel in den Köpfen von Touristen zu verankern, meint Martin Larsen. Das bedeute aber ein Mitmachen möglichst vieler Gewerbetreibender. Bislang sei er mit seinen Anfragen als Luk-Vorsitzender in der Dömitzer Geschäftswelt jedoch meist auf taube Ohren gestoßen.

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