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Mecklenburg-Vorpommern

11. Dezember 2017 | 20:09 Uhr

Sommersaison - große Unbekannte

vom

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erstellt am 16.Mai.2010 | 06:46 Uhr

Rostock/Schwerin | Aschewolke, Euro-Krise, Sparzwänge - der heimische Sommer-Tourismus könnte in diesem Jahr von einer stärkeren Zurückhaltung der Deutschen bei Auslandsreisen profitieren. Zwei Wochen vor dem Pfingstgeschäft, das als wichtige Schätzgröße für die Hauptsaison gilt, hält sich die Branche im Nordosten mit Prognosen aber noch bedeckt. Bisher könne nur spekuliert werden, ob auch Mecklenburg-Vorpommern mögliche Rückgänge bei Mittelmeer-Zielen auffangen könne, ergab eine Umfrage der Nachrichtenagentur dpa. Immer mehr Urlauber würden sich spontan entscheiden. Der aktuelle Stand der Vorbuchungen mache jedoch Hoffnung auf eine gute Auslastung. "Es könnte durchaus sein, dass uns Vulkan und Griechenland weiter beschäftigen", sagte Tobias Woitendorf vom Landes-Tourismusverband. Wenn sich längerfristig planende Urlauber gegen jedwede Art von Flug- Stress wappnen wollen, werde der Reiseverkehr zu innerdeutschen Zielen wachsen. "Zugleich gibt es den Trend, dass mehr Leute nach ihrem Bauchgefühl entscheiden", schränkte Woitendorf ein. Verlässliche Vorhersagen zu den Chancen von Ostsee und Seenplatte als "Ausweich-Destinationen" ließen sich frühestens Ende Mai treffen. "Die Tendenz, in Deutschland Urlaub zu machen, steigt jedenfalls." Vom Deutschen Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) hieß es, ein Ausblick auf den Sommer sei gegenwärtig sehr gewagt. "Was wir schon merken, ist aber, dass die Menschen kurzfristig buchen. Die festen Zusagen werden weniger", meinte Landes-Geschäftsführer Uwe Barsewitz. Entferntere Orte gälten im Kalkül vieler Reisender zunehmend als unsicher. "Die Vorsichtigen fragen sich: Wollen wir diesmal wirklich nach Spanien oder Griechenland? Die Leute warten einfach länger ab." Ein Lackmus-Test stehe - vor allem wegen der zuletzt dürftigen Wetterlage - am langen Pfingstwochenende bevor. In den einzelnen Regionen des Landes gaben sich die Touristiker ebenfalls abwartend. "Die Buchungen kommen oft extrem kurzfristig und wetterabhängig", sagte Irina Kitzing vom Verband Mecklenburgischer Ostseebäder. "Weiter würde ich mich nicht aus dem Fenster lehnen - auch was die griechische Lage betrifft." In Schwerin wies Verbands- Marketingleiter Norbert Vormelker auf die fehlenden Effekte der Bundesgartenschau hin. "Wir waren ziemlich verwöhnt." Erfreulich sei aber, dass viele Bus-Unternehmen trotzdem angefragt hätten - in Einzelfällen sogar stärker als im BUGA-Jahr 2009. Westmecklenburg bleibe ein klassisches Ziel für Tages-Ausflügler. Der Chef des Tourismusverbands Fischland-Darß-Zingst, Fried Krüger, hofft auf ein Umschwenken vieler Gäste auf den deutschen Inlandstourismus - obgleich man sich zurzeit noch auf "Kaffeesatz- Leserei" beschränken müsse: "Im ersten Quartal haben wir wegen des schlechten Wetters ein bisschen Federn lassen müssen. Doch für den Sommer sind wir guten Mutes." Weiter östlich wirkten sich weder die Tumulte in Athen noch der Asche spuckende Eyjafjalla merklich auf das Geschäft aus. Nach dem Stillstand auf den Flughäfen habe es nur vereinzelt Anfragen nach Spontan-Buchungen gegeben, sagte Jeannette Brussig von der Rügener Tourismuszentrale. "Es ist nicht die Masse, deshalb wird sich das nicht in der Statistik widerspiegeln." Auch in der Kurverwaltung des größten Ostseebades der Insel, Binz, führte die labile Lage im Ausland bisher zu keinem Buchungsboom. Ein ähnliches Bild zeichnete sich auf der Insel Usedom ab. Allerdings seien die Nachfrage nach Katalogen und die Online-Zugriffe gestiegen, hieß es aus der Usedomer Tourismus GmbH. In der Mecklenburgischen Seenplatte war der Vorbuchungsstand Anfang Mai vielversprechend. "Wir haben die berechtigte Hoffnung, dass das Minus, das über die Krise kommt, so ausgeglichen werden könnte", sagte Andrea Nagel vom regionalen Tourismusverband. "Das ist aber auch sehr wetterabhängig." Weniger Sorgen um den passenden Mix aus Sonnenschein und kühleren Tagen macht sich die AIDA-Reederei, deren Schiffe ganzjährig auf den Weltmeeren unterwegs sind. Mit der aktuellen Buchungssituation sei man "sehr zufrieden". Einen Hinweis in eigener Sache wollten sich die Rostocker freilich nicht verkneifen: "Für Kurzentschlossene gibt es immer noch die Möglichkeit, einige freie Kabinen zu bekommen."

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