Sommer-Reisesaison beginnt ohne Flughafen

Durchgestrichen bleibt  das Flughafen-Symbol auf einem Autobahn-Wegweiser in Berlin. Die Eröffnung des Hauptstadtflughafens  wird völlig überraschend um mindestens zwei Monate verschoben.  Foto: dpa
Durchgestrichen bleibt das Flughafen-Symbol auf einem Autobahn-Wegweiser in Berlin. Die Eröffnung des Hauptstadtflughafens wird völlig überraschend um mindestens zwei Monate verschoben. Foto: dpa

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08. Mai 2012, 07:47 Uhr

Schönefeld | Je länger dieser Klaus Wowereit (SPD) gestern redete, umso mehr musste man den Eindruck gewinnen, der Mann lässt nichts unversucht, um seinem zweifelhaften Ruf gerecht zu werden. Gut, die vorgesehene Party müsse er leider absagen, aber die After-Party werde dafür irgendwann nachgeholt, lautete die Botschaft des Regierenden Bürgermeisters von Berlin, der als Aufsichtsratsvorsitzender der Flughafengesellschaft seinen Teil an Verantwortung trägt für das Desaster, das gestern verkündet wurde. Brandenburgs Ministerpräsidenten Matthias Platzeck (SPD) war es förmlich anzumerken, dass ihm der unverfrorene Optimismus seines Berliner Amtskollegen immer unheimlicher wurde.

Beide Politiker überließen die Bitte um Entschuldigung für die ganze Angelegenheit ansonsten dem Flughafenchef Rainer Schwarz. Auch zur Höhe des entstandenen Schadens und der damit verbundenen zusätzlichen Belastung für die Landeshaushalte gab es von Seiten der Regierungschefs noch nicht einmal vage Andeutungen. Platzeck weiß allerdings zu genau, dass Brandenburg gleich doppelt draufzahlen wird. Denn mit dem Weiterbetrieb von Tegel über viele Wochen hinweg kommt es auch erst sehr verspätet zu den wirtschaftlichen wie fiskalischen Effekten, den Brandenburg sich ab Juni versprach. Denn nicht nur die Taxifahrer werden auf die Einkünfte aus der Hauptreisesaison verzichten müssen.

Die Verschiebung der Eröffnung des Hauptstadtflughafens beschert dem größten Kunden Air Berlin unkalkulierbare Mehrkosten. Mit großer Enttäuschung reagierte der Vorstandschef der finanziell ohnehin angeschlagenen Gesellschaft, Hartmut Mehdorn, am Dienstag auf die Verschiebung. "Wir müssen mit dieser Umplanung neu umgehen, was eine große Herausforderung bedeutet", sagte er. Air Berlin habe alle Infrastrukturmaßnahmen und alle Flugpläne auf den 3. Juni dieses Jahres am neuen Flughafen Berlin Brandenburg ausgerichtet.

Alle Beteiligten hätten nun "gewaltige logistische Probleme, die außerdem erhebliche noch nicht kalkulierbare Mehrkosten verursachen werden". Das neue Air-Berlin-Drehkreuz sei exakt auf die Bedingungen am neuen Airport zugeschnitten und in Tegel nicht ohne weiteres durchführbar. Mehdorn versprach, die Kunden "schnell zu informieren", wie es weitergehen solle. Die Lufthansa hat nach eigenen Angaben für den neuen Flughafen ihr größtes Expansionsprogramm in der Unternehmensgeschichte an einem Standort vorgesehen. So nahm sie einige neue Destinationen ab Berlin in ihr Flugprogramm auf, die jetzt ab Tegel angeflogen werden sollen. Die zusätzlichen Flüge in Tegel und Schönefeld zu realisieren, sei keine leichte Aufgabe, sagte der Leiter der Deutschen Flugsicherung Berlin, Hans Niebergall.

Selbst wenn die Brandschutzanlagen im Sommer von den Prüfern abgenommen werden sollten, steckt noch genug Zündstoff in der Baustelle. Gerüchte besagen, dass Kabelkanäle in den Außenanlagen wegen mangelhafter Trockenlegung der umgebenden Wiesen überflutungsgefährdet seien. Ende April wieder Klagen gegen die Eröffnung eingereicht.

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