Mecklenburg-Vorpommern : Solarparks machen sich breit

Solarpark. Foto: dpa
Solarpark. Foto: dpa

Immer mehr Kommunen verdienen ihr Geld mit Solarparks, die sie auf ehemals von Land- oder Forstwirtschaft genutzten Flächen bauen lassen. Doch gegen den Flächenverlust regt sich Widerstand.

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07. September 2012, 04:55 Uhr

Gnoien | Gnoiens Bürgermeister Hans Georg Schörner hat den Acker am Stadtrand gern für den Bau eines Solarparks zur Verfügung gestellt. Die Fläche sei nach der Wende als Gewerbegebiet erschlossen worden, dafür sei jedoch nie ein Investor gefunden worden, sagt Schörner. Letztlich habe man das Feld wieder von einem Bauern bewirtschaften lassen. Jetzt mache die einstige Ackerfläche die Kommune um jährlich 20 000 Euro reicher, sagt Schörner. Immer mehr Kommunen verdienen Geld mit Solarparks, die sie auf ehemals von Land- oder Forstwirtschaft genutzten Flächen bauen lassen. Doch gegen den Flächenverlust regt sich Widerstand.

Für den Vizechef des Landesamts für Landwirtschaft, Lebensmittelsicherheit und Fischerei in Rostock, Joachim Vietinghoff, ist die Nutzung von landwirtschaftlichen Flächen für Solaranlagen "ein Verbrechen". Dem Land gingen täglich sieben Hektar landwirtschaftlicher Nutzfläche durch Baumaßnahmen verloren, wenn auch nicht nur durch Solarparks. "Seit der Wende wurden mehr als 50 000 Hektar Ackerland bebaut", sagt Vietinghoff.

Sigmar Kapitola von der Sybac-Solar GmbH, die mit mehreren Niederlassungen in ganz Deutschland zu den größten Solarparkbauern im Land gehört und auch in Gnoien investiert hatte, hält dagegen. Niemandem sei eine Fläche weggenommen worden. "Im Gegenteil. Wir haben eine seit fast 20 Jahren ungenutzte Fläche endlich einer sinnvollen Nutzung zugeführt", sagt er. Erst im April hatte Sybac-Solar in Kritzkow im Landkreis Rostock eine Anlage in Betrieb genommen. Genutzt wurde dafür ein etwa 70 Meter breiter Streifen entlang der Autobahn. Etwa 13 Millionen Euro wurden in den Kritzkower Park investiert. Der erzeugte Strom, der ausreicht, um 40 000 Haushalte zu versorgen. Gern hätte Kapitola seinen zwölf Hektar großen Park noch größer gebaut. Doch Flächen außerhalb des 70-Meter-Streifens entlang der Autobahn seien tabu.

Die Entscheidung des Bundeslandwirtschaftsministeriums, Acker entlang von Autobahnen und Bundesstraßen für eine Bebauung freizugeben, kann der Vorsitzende des Agrarausschusses im Landtag, Fritz Tack (Linke), bis heute nicht nachvollziehen. "Das muss umgehend zurückgenommen werden", sagt er. Diese Forderung wird von Agrarminister Till Backhaus (SPD) und dem Präsidenten des Landesbauernverbandes, Rainer Tietböhl, unterstützt.

Kapitola dagegen sagt: "Die Bundesregierung hat den Ausstieg aus der Atomenergie beschlossen. Jetzt müssen wir uns nach neuen Energiequellen umsehen." Er sucht intensiv nach weiteren Bauplätzen. Nach Gnoien und Kritzkow wurde er aktuell im Landkreis Nordvorpommern-Greifswald fündig.

Auch die ständig neu gefassten Förderrichtlinien für Solarenergie bremsen das Unternehmen nicht. Den auf Vorschlag eines Vermittlungsausschusses zustande gekommenen Kompromiss zur Solarstromförderung halte er für akzeptabel, sagt Kapitola.

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