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Sohn gesteht Totschlag mit dem Fleischklopfer

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erstellt am 10.Jan.2012 | 10:03 Uhr

Rostock | Unter den Augen seines Stiefvaters hat er mit einem Fleischklopfer auf den Kopf seiner Mutter eingeschlagen, dann mehrmals mit einem Messer auf ihren leblosen Körper eingestochen. So schildert der 21-Jährige Sohn der gestern tot in Evershagen aufgefundenen Frau die Nacht zum Sonntag. Vorausgegangen sei ein Streit zwischen den betrunkenen Familienmitgliedern.

"Nach der Tat hat er sich einen Kaffee gekocht und sich neben der Leiche schlafen gelegt", sagt Oberstaatsanwalt Andreas Gärtner. Mittlerweile sitzt der 21-Jährige in Untersuchungshaft. "Es besteht der dringende Verdacht auf Totschlag", sagt Gärtner. Im Falle einer Verurteilung erwarten den Sohn voraussichtlich zwischen fünf und 15 Jahre Haft.

Der 49-jährige Lebensgefährte der Toten hingegen befindet sich wieder auf freiem Fuß. "Er soll zugegen gewesen sein, aber nicht eingegriffen haben - ob wegen seines Alkoholpegels oder seiner körperlichen Unterlegenheit ist nicht klar", so der Oberstaatsanwalt. Am frühen Sonntagnachmittag hatten der Mann und sein Stiefsohn noch immer 2,9 beziehungsweise mehr als 1 Promille Alkohol im Blut. Der Lebensgefährte ist darüber hinaus gehbehindert.

Erst sieben Stunden nach der Tat entdeckten Polizisten die tote 44-Jährige in der Ein-Zimmer-Wohnung in der Carl-von-Linne-Straße 5a. Sie hatten einen Hinweis von den Nachbarn bekommen, bei denen der Lebensgefährten am Morgen Hilfe suchend geklingelt hatte.

Die Nachbarn können das ganze Ausmaß noch gar nicht fassen: "Das ist krass", sagt Grit Kempcke. Es sei ein komisches Gefühl, nur ein paar Türen vom Tatort entfernt zu wohnen. "Die sind nicht durch Lärm aufgefallen, sondern weil sie angetrunken im Hausflur sitzen und Leute dichtquatschen", sagt ihr Sohn Kevin. Einmal habe der Lebensgefährte der Toten ihn und einen Kumpel gebeten, einkaufen zu gehen: "Da standen vier, fünf Flaschen Korn auf dem Zettel."

Im Haus selbst zeugten gestern nur noch Reste des Polizeisiegels an der Wohnungstür von der grausamen Tat. Das sah am Vortag noch ganz anders aus, erzählt Kevin Kempcke. Er sei vom Lärm der Polizeiautos und Krankenwagen aufgewacht und dann neugierig in den Flur gegangen: "Da liefen lauter Leute in weißen Overalls rum, mit Blut am Knie und Handschuhen an." Die Tür sei mit Klebeband abgesperrt gewesen. Den mutmaßlichen Totschläger kennt er nur vom Sehen. Zugetraut hätte er ihm so eine Tat aber nicht.

Auch Anwohner Wolfgang Ebel sagt: "So etwas habe ich hier nicht erwartet." Er wohnt schon seit 30 Jahren in der Straße und hält sie eigentlich für eine ruhige Ecke.


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