Lohnsteuerprogramme setzen Gesetzesänderung nicht korrekt um : Softwarefehler belastet Steuerzahler

steguer112.jpg
1 von 2

Es hätte so schön sein können: Für das Steuerjahr 2010 können Versicherunsgbeiträge in weitaus größerem Umfang als bisher steuerlich geltend gemacht werden. Doch nun gab es eine beunruhigende Entdeckung.

von
16. Februar 2011, 10:37 Uhr

Schwerin | Es hätte so schön sein können: Für das Steuerjahr 2010 können Kranken- und Pflegeversicherunsgbeiträge in weitaus größerem Umfang als bisher steuerlich geltend gemacht werden. Der Erstattungsbetrag könnte dadurch also, falls sich ansonsten an steuerrelevanten Daten nichts geändert hat, höher ausfallen. Doch der Lohn- und Einkommensteuer Hilfe-Ring Deutschland (LHRD) hat nun beim Erstellen der Einkommensteuererklärungen für seine Mitglieder eine beunruhigende Entdeckung gemacht: Die meisten Arbeitgeber-Lohnprogramme berücksichtigen die entsprechenden Änderungen des "Bürgerentlastungsgesetzes Krankenversicherung" nicht korrekt. Die Folge sind unzutreffende Lohnsteuerbescheinigungen.

"Da wir in unseren Beratungsstellen einen Mitgliederstamm schon über viele Jahre betreuen, stechen solche Fehler relativ schnell ins Auge", so der LHRD-Regionalverantwortliche Bernd Ammon. Schließlich kenne man die Eckdaten des Steuerzahlers und wisse, wenn sich durch Gesetzesänderungen der mögliche Erstattungsbeitrag erhöhen müsste. Von dem Bescheinigungsfehler betroffen sind laut LHRD alle Steuerzahler, die freiwillig gesetzlich oder privat krankenversichert sind - "also jeder, der mehr als 45 000 Euro brutto im Jahr verdient", so Ammon.

Die bisher in einer Summe in der Lohnsteuerbescheinigung ausgewiesenen Sozialversicherungsbeiträge müssen nun einzeln aufgeführt werden. Diese neuen Eintragungen erscheinen in der Lohnsteuerbescheinigung des Arbeitgebers in den Zeilen 25 bis 28. Aktuell, so der LHRD, werden in den Zeilen 25 und 26 nur die vom Arbeitnehmer geleisteten Anteile aufgeführt - tatsächlich müssen aber Arbeitnehmer- und Arbeitgeberanteil aufgelistet werden. Ob man selbst von dem Fehler betroffen ist, erkennt man laut LHRD-Sprecherin Jutta Spiller daran, dass in Zeile 24 ein Eintrag vorgenommen wurde. In derartigen Fällen geht der Verein von einer fehlenden Steuerminderung von durchschnittlich 1000 Euro pro Steuerzahler für 2010 aus.

Im Finanzministerium Mecklenburg-Vorpommern ist das Problem bekannt, bestätigt Sprecher Stephan Bliemel auf Anfrage dieser Zeitung. Schätzungen, wie viele Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer im Land betroffen sein könnten, lägen allerdings noch nicht vor.

Ursache für den Fehler ist Bliemel zufolge offenbar ein Missverständnis zwischen dem Bundesfinanzministerium und den Softwareherstellern. "Derzeit erfolgt eine Abstimmung zwischen Bund und Ländern, inwiefern die Softwarehersteller zur Korrektur der fehlerhaften Lohnsteuerbescheinigungen verpflichtet werden können", so der Ministeriumssprecher. "Falls es zu einer Korrektur kommen sollte, müssten die Arbeitgeber neue Bescheinigungen verschicken. " Sollte dies nicht möglich sein, lägen auf Bundesebene bereits praktikable Lösungsvorschläge vor, wie in den Finanzämtern weiter verfahren werden kann. Sobald eine Entscheidung gefallen sei, erhielten die Finanzämter Hinweise zur Bearbeitung der betroffenen Fälle. "In jedem Fall wird es eine bundeseinheitliche Verfahrensweise geben", versichert Bliemel.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen