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Mecklenburg-Vorpommern

24. November 2017 | 19:41 Uhr

Bützow : Soforthilfe kommt nicht an

vom
Aus der Redaktion der Bützower Zeitung

Marcel Berlt und Juliane Gummel haben ihr Zuhause in Bützow verloren. Unterstützung von der Stadt gab es bisher nicht

svz.de von
erstellt am 12.Mai.2015 | 21:00 Uhr

Als Marcel Berlt und Juliane Gummel am Dienstagabend vor einer Woche von einem Ausflug nach Sanitz in ihre Heimatstadt Bützow zurückkehrten, dachten sie zuerst an einen üblen Scherz. Sie wurden von der Polizei gestoppt, versuchten, von dort zu Fuß in die Stadt zu ihrer Wohnung in einem Dachgeschoss zu kommen. Dass sich in ihrer Abwesenheit eine Naturkatastrophe ereignet hat, begriffen sie nur allmählich. Das Trümmerfeld in der Stadt gab einen Ausblick auf das, was die beiden in ihrer Wohnung erwartete. „Wir haben schon von außen gesehen, dass alle Scheiben kaputt waren“, berichtet Berlt, noch immer sichtlich erschüttert von dem Erlebnis.

„Die ganze Etage ist abgesackt“, erzählt er. Der Ort, an dem sie bis vor einer Woche lebten, ist nun einsturzgefährdet. Wände sind teilweise eingestürzt, heilgeblieben ist eigentlich nichts. Und doch hatte das Paar unglaubliches Glück. „Normalerweise sitze ich um die Uhrzeit, als es passierte, am Schreibtisch“, berichtet Berlt. Genau dort brach das Dach ein. „Wir können froh sein, dass wir leben!“

Schon am vergangenen Mittwoch war klar, dass eine Rückkehr in die Wohnung ausgeschlossen ist. Die größte Sorge galt jedoch in der ganzen Aufregung seiner 27-jährigen Freundin und dem ungeborenen Kind. Ein Grund, weshalb die beiden nicht in der Notunterkunft, sondern in einem Hotelzimmer unterkommen wollten.

Sie haben durch den Tornado ihre Wohnung verloren, leben seit Montag in einer neuen Bleibe in Moisall. Auch eine Woche nach dem verheerenden Sturm ist der 34-Jährige fassungslos, aber auch unzufrieden mit der Hilfe, die ihn und seine Freundin erreicht.

„Alles, was wir hier haben, haben wir allein gemacht“, sagt er frustriert. Im Rathaus habe er keine wirkliche Hilfe bekommen, sei an vielen Stellen vertröstet worden. Telefonnummern, die er erhielt, gehörten der Feuerwehr. „Es gibt auch andere Familien, denen es schlechter geht“, zeigt er Verständnis, dass es andere noch härter traf. „Aber ich suche doch nur Hilfe!“

Die Anspannung und der Stress der ersten Tage nach dem Sturm belastete das Paar sehr. „Wir haben das Gefühl, dass die kleinen Leute vergessen werden.“

Voran ging es schließlich, als die beiden den Tipp bekamen, zum Demokratischen Frauenbund (dfb) zu gehen, wo sie auf Antje Wolff, Geschäftsführerin des dfb in Bützow, trafen. „Sie hat uns sofort in den Arm genommen“, erzählt Berlt. Dann seien schließlich die angestauten Emotionen hochgekommen und es flossen reichlich Tränen. Sie bekamen weitere Hilfe, unter anderem eine erste finanzielle Unterstützung.

Über Antje Wolff entstand zudem der Kontakt zu Hausverwalterin Kathrin Finck, die sich sofort darum kümmerte, dem Paar eine neue Bleibe zu organisieren. „Sie ist ein Engel“, sagt Marcel Berlt, „ohne sie hätten wir das nicht geschafft“. Seit Montagabend kann das Paar in Moisall Kisten auspacken. Was aus der Wohnung gerettet werden konnte wurde von Helfern des Katastrophenschutzes verpackt und von einem Umzugsunternehmen verladen.

Jetzt versuchen sie, sich ein neues Heim einzurichten und die Situation zu akzeptieren.

Mit der Versicherung werde es aber noch einiges Hin und Her geben, bevor es eine Einigung gibt, ist er sicher. Aktueller Streitpunkt ist eine Küche, die das Paar in der neuen Wohnung übernahm, nun aber selbst bezahlen muss. Und auch ein Hochfloorteppich, der von Glassplittern übersäht ist, soll nicht ersetzt, sondern gereinigt werden. „Das ist unfassbar“, empört sich Berlt. Die Unterbringung im Hotel jedoch trägt die Versicherung, Auslagen während der ersten Tage jedoch nicht.

Rückblickend sei die Solidarität in Bützow großartig gewesen, die Soforthilfe für Familien, die ihr Obdach verloren haben, funktioniere jedoch nicht. „Wir hatten ein schönes Zuhause – jetzt sind wir finanziell ruiniert.“

 

Alles zum Thema Tornado in Bützow unter: www.svz.de/tornado

 

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