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Mecklenburg-Vorpommern

11. Dezember 2017 | 18:15 Uhr

Meereswelt : Socken aus alten Fischernetzen

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Für Meeresbiologen und Umweltschützer sind die Kunststoffnetze, wie sie seit rund 40 Jahren flächendeckend im Einsatz sind, ein nicht zu unterschätzendes Problem.

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erstellt am 10.Sep.2014 | 12:00 Uhr

Über den Sprechfunk dringen die Atemgeräusche von Taucher Jochen Firzlaff (35) an Bord der „Seefuchs“. „Weiter durchholen“, dirigiert der Taucher aus 16 Meter Tiefe über Sprechfunk die Männer an der Winde des Bergungsschiffs.  Quietschend und Meter für Meter ziehen sie das Stahlseil über die Rolle, bis sich am Haken  ein Klumpen Netz zeigt – samt alter Schiffslampe und eines Blinkers eines Dorschanglers.

Im November 1973 sank der Fischkutter „Friedrich Engels“ rund vier Seemeilen vor Sassnitz. „Das Schiff lag in stürmischer See quer zur Welle, war bis zur Oberkante beladen“, berichtet der Unterwasserarchäologe und Mitarbeiter des Deutschen Meeresmuseums, Thomas Förster. Seitdem gilt das Wrack anderen Fischern als Hindernis. Mindestens vier Schleppnetze haben sich  an dem Kutter verfangen.

Für Meeresbiologen und Umweltschützer sind die Kunststoffnetze, wie sie seit rund 40 Jahren flächendeckend im Einsatz sind, ein nicht zu unterschätzendes Problem. Die Umweltorganisation der Vereinten Nationen UNEP geht davon aus, dass rund ein Zehntel der jährlich in die Meere gelangenden Abfälle aus herrenloser Fischereiausrüstung besteht. „Die Netze bestehen aus Kunststoff, verrotten nicht, sondern dröseln sich auf und setzen kleine Mikropartikel, Weichmacher oder Flammschutzmittel frei, die in das Meer gelangen“, sagt Florian Hoffmann vom WWF-Ostseebüro in Stralsund. Diese Stoffe gelangten in die Nahrungskette und letztlich auch auf die Teller. Zudem verfangen sich Fische oder Meeressäuger in den Netzen. Gemeinsam haben WWF, Meeresmuseum und der Verein „Archaeomare“ nun ein Pilotprojekt gestartet, um Kunststoffnetze aus der Ostsee zu bergen.

Allein um Rügen haben die Forscher des Meeresmuseums und Mitarbeiter des WWF im vergangenen Jahr 28 Wracks identifiziert, an denen Kunststoffnetze hängen. Das Bundesamt für Seeschifffahrt hat rund 100 mit Netzen belegte Schiffswracks in den Schifffahrtsstraßen der deutschen Ostsee markiert. WWF und Meeresmuseum gehen von weit höheren Zahlen aus. 

Mit Messern, Sägen und Zangen gehen die Taucher gegen die spinnennetzartig verknoteten Netze vor. In den vergangenen vier Tagen haben sie so nur an zwei Wracks vor Rügen rund eine Tonne Netze aus dem Wasser geholt. Sind die Netze geborgen, sollen die Kunststoffe analysiert werden. Ziel sei es, die alten Netze ortsnah zu recyceln und aus ihnen Gebrauchsgegenstände zu produzieren, sagt Hoffmann. „In Chile entstehen aus ihnen Skateboards, aus alten Nordseenetzen werden Socken produziert.“ Martina Rathke

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