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Orkan in MV : So wütete Xavier in den Regionen

vom

Die Bilanz des ersten Herbststurms in MV

svz.de von
erstellt am 05.Okt.2017 | 21:00 Uhr

Sturmtief „Xavier“ hat in Mecklenburg-Vorpommern ein Menschenleben gefordert. Am Donnerstagnachmittag kippten an der Bundesstraße 191 in Neu-Karstädt bei Ludwigslust durch starke Windböen Bäume um. Nach Angaben der Rettungskräfte landete einer dieser Bäume oder ein Ast auf dem Fahrerhaus eines Lastwagens. Der Fahrer, zu dessen Identität die Polizei zunächst keine Angaben machen konnte, habe bei dem Unfall  tödliche Kopfverletzungen erlitten, sagte ein Polizeisprecher. Die Bundesstraße war voll gesperrt.

 Das Sturmtief  fegte mit den Windstärken 9  bis 11 über den Nordosten. Nach Angaben des Wetterdienstes „Meteomedia“ auf der Insel Hiddensee wurden die Spitzenwerte in Lübz mit Windgeschwindigkeiten von 111 Kilometer pro Stunde erreicht. Durch das ungewöhnlich schnelle Auffrischen habe der Sturm große Schäden verursacht. Ergänzend sei dann noch ein „Windsprung“ hinzugekommen, bei dem die Windrichtung schnell von Süd-West auf Nord gedreht habe. In Goldberg und Schwerin wurden bislang Spitzen von 93 Kilometer pro Stunde gemessen, sagte Wetterexperte Stefan Kreibohm.

 

Der erste Herbststurm dieses Jahres ließ vor allem in den Kreisen Ludwigslust-Parchim und Westmecklenburg sowie in Schwerin unzählige Bäume umknicken und fegte Ziegel von den Dächern. Wie die zuständigen Polizeisprecher sagten, wurden zahlreiche Straßen unpassierbar.

Betroffen waren auch die viel befahrenen Bundesstraßen B 321 zwischen Crivitz und Schwerin, B 5 zwischen Grabow und Boizenburg sowie B 105 zwischen Dassow und Wismar. Polizei und Feuerwehr seien im Dauereinsatz, kämen zum Teil aber selbst nur schwer zu den Einsatzorten, hieß es.

Für kurze Zeit war  der komplette Zugverkehr in MV lahmgelegt – so wie im ganzen Norden.  Nachdem zuvor nur der westliche Teil des Landes mit den Strecken von Hamburg nach Schwerin und von Lübeck nach Bad Kleinen eingestellt wurde, wurde gegen 17 Uhr auch der Verkehr auf den Regionalverkehrslinien in anderen Landesteilen beendet, wie ein Bahnsprecher sagte. Davon betroffen sei auch der Fernverkehr. An mehreren Orten stünden Züge, die nicht weiterfahren konnten. So standen am Bahnhof in Boizenburg ein IC und zwischen Hagenow-Land und Pritzier ein Eurocity.  Die befürchtete schlimme Nacht aber blieb aus. Der Deutsche Wetterdienst hatte bereits am Abend die Unwetterwarnung aufgehoben. So hat der Sturm in den Regionen gewütet:

 

<p>Tödlicher Sturm in Westmecklenburg:  Nahe Neu-Karstädt wurde ein Lkw-Fahrer von einem herabstützenden Ast in seinem Führerhaus erschlagen.</p>

Tödlicher Sturm in Westmecklenburg:  Nahe Neu-Karstädt wurde ein Lkw-Fahrer von einem herabstützenden Ast in seinem Führerhaus erschlagen.

Foto: Ralf Drefin
 

Ludwigslust: Sturm tötet Lkw-Fahrer

Der Sturm war kurz, aber extrem heftig. In der Ludwigsluster Region hinterließ er nicht nur Verwüstungen, sondern forderte auch ein Todesopfer. Auf der B 191 bei Karstädt wurde ein 51-jähriger Lkw-Fahrer  in seinem Führerhaus von einem rund 50 Zentimeter starken Ast erschlagen. Allein auf diesem Streckenabschnitt waren mindestens sechs Bäume umgestürzt.

An anderen Straßen rund um Ludwigslust sah es nicht anders aus. Mehrere Bäume blockierten die B 5 in Richtung Boizenburg, die L 072 Richtung Schwerin und die B 191 in Richtung Neustadt-Glewe. Dort wichen Pkw-Fahrer sogar auf den neben der Fahrbahn verlaufenden Radweg aus. Auch auf der Straße zwischen Hornkaten und Göhlen ging nichts mehr. Zwei umgestürzte Bäume blockierten die Fahrbahn, Einsatzkräfte der Feuerwehr mussten diese von der Straße räumen. Den Autofahrern blieb nichts Anderes übrig, als geduldig zu warten, weil auch die Alternativstrecken dicht waren. Und so sei es auch im Schülerverkehr zu erheblichen Verspätungen gekommen, wie Kreissprecher Andreas Bonin mitteilte.

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<p>Besonders hefig wütete Sturmtief Xavier in Schlagsdorf. Dort wurde das Turnhallen-Dach stark beschädigt. </p>

Besonders hefig wütete Sturmtief Xavier in Schlagsdorf. Dort wurde das Turnhallen-Dach stark beschädigt.

Foto: Michael Schmidt

Gadebusch: Turnhallen-Dach zerfetzt
 

Besonders schlimm wütete „Xavier“ in Schlagsdorf. Dort zerfetzte das Sturmtief etwa 40 Prozent des Turnhallen-Daches. Nach Angaben von Wehrführer Stefan Becker wurde die Halle daraufhin gesperrt und das Technische Hilfswerk aus Gadebusch angefordert. Noch in den gestrigen Abendstunden begannen die Einsatzkräfte mit der Notsicherung des Daches. Die Schadenshöhe ist noch unklar.

Zwischen Stresdorf und Buchholz blockierten zwei  umgestürzte Bäume die Fahrbahn. Feuerwehrleute aus Gadebusch sowie Mitarbeiter der Köchelstorfer Agrargenossenschaft sorgten schließlich wieder für freie Fahrt.

Sturmtief „Xavier“ sorgte auch in Gadebuscher Unternehmen für Probleme. Mehrfach fiel dort der Strom aus. Nach Angaben der Wemag AG sorgte der Sturm mit Orkanböen zeitweilig für einen flächendeckenden Stromausfall im Gebiet der Wemag. Etwa 35 000 Kunden waren zwischenzeitlich von der Stromversorgung abgeschnitten. Die Störungen erstreckten sich über die Bereiche Westmecklenburg, Prignitz und Amt Neuhaus.

Auch die Kreisstraßenmeisterei Nordwestmecklenburg hatte wegen des Sturmtiefs „Xavier“ alle voll Hände zu tun. So waren Linden auf die Kreisstraße zwischen Utecht und Thandorf gestürzt. Gesperrt war die B 208 bei Dechow. „Xavier“ hatte dort gleich fünf jahrzehntealte Alleebäume zu Fall gebracht. 

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<p>Ratlose Reisende des EC aus Prag, der auf freier Strecke vor Pritzier liegenblieb. Die 219 Reisenden mussten gestern Abend mit großem Aufwand evakuiert werden.</p>

Ratlose Reisende des EC aus Prag, der auf freier Strecke vor Pritzier liegenblieb. Die 219 Reisenden mussten gestern Abend mit großem Aufwand evakuiert werden.

Foto: mayk
 

Hagenow: Chaos und kein Strom

Sturm „Xavier“ hinterließ auf seiner Verwüstungstour nicht nur entwurzelte Bäume, heruntergefallene Dachziegel und versperrte Straßen, sondern auch für Dauerstress für die Einsatzkräfte: Schon während am Nachmittag die  Sturmfront  durch die Region fegte, glühten bei Feuerwehren, Polizei  und Rettungskräften die Telefonleitungen heiß. Alle acht Wagen raus zum Einsatz, hieß es beispielsweise bei der Feuerwehr in Hagenow. Hintergrund waren umgeknickte Bäume, die in der Region auf die Straßen gestürzt waren.

Wie die Wemag Netz GmbH mitteilte, kam es ab dem frühen Nachmittag zu Versorgungsunterbrechungen im Großteil des Netzgebietes. Etwa 35 000 Kunden seien von  Stromausfällen betroffen, hieß es vom Unternehmen.

Auch Bahnreisende saßen vielerorts fest. So erging es 219 Reisenden eines EC aus Prag, der kurz vor dem Bahnhof Pritzier auf freier Strecke stehen bleiben musste. Gut einen Kilometer vor dem Bahnhof waren mehrere Bäume auf das Gleis gekippt, hatten einen Betonmast gefällt und die Oberleitung heruntergerissen. Schnell stand fest, das wird Stunden dauern.

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<p>Kein Durchkommen mehr in der Bergstraße in Perleberg.</p>

Kein Durchkommen mehr in der Bergstraße in Perleberg.

Foto: Dori


Prignitz: Reihenweise stürzen die  Bäume um  

In Wittenberge müssen der Friedhof, der Stadtpark und der Clara-Zetkin-Park gesperrt werden. Lebensgefahr! Die Orkanböen, die am Nachmittag über die Prignitz toben, haben Jahrzehnte alte Bäume entwurzelt. Eine Robinie stürzt auf  Gehweg und Fahrbahn in der Perleberger Straße, begräbt einen Pkw unter sich. Die Fahrerin habe riesiges Glück gehabt, sagen die Feuerwehrleute, die den Baum von der Straße räumen.

Im Gehrenweg ist ein mächtiger Ahornbaum quer über die Fahrbahn gestürzt. Tino Winterfeld und Kevin Bechmann, die als Kaninchenzüchter gerade auf dem Weg zu ihrer Anlage sind, holen kurz entschlossen  ihre Motorsäge aus dem Auto, räumen die Straße. „Die Jungs von der Feuerwehr haben sowieso schon so viel zu tun.“

Bis zum frühen Abend müssen die Wittenberger Feuerwehrleute über 50 Mal ausrücken, um Straßen zu räumen,  so  auf der B 189 zwischen den Abfahrten Kaufland und WEZ. Auch der Stadtbetriebshof ist mit  Teams unterwegs, räumt Straßen und Wege. Der Friedhof soll heute  auf jeden Fall noch gesperrt bleiben. Großen Schaden richtet ein Baum in Bentwisch an. Er stürzt auf ein Haus.

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