Nordwestmecklenburg : So wird der neue Nahverkehr

Jörg Lettau: „Viele Leute, gerade auch ältere Menschen, die noch etwas skeptisch sind, werden dem neuen ÖPNV etwas abgewinnen können.“
Jörg Lettau: „Viele Leute, gerade auch ältere Menschen, die noch etwas skeptisch sind, werden dem neuen ÖPNV etwas abgewinnen können.“ Fotos: holger glaner

Nahbus-Geschäftsführer Jörg Lettau erklärt, was für Fahrgäste künftig neu und wichtig ist.

svz.de von
17. November 2015, 20:00 Uhr

Der Countdown läuft: Am 1. Januar startet der neue Öffentliche Personennahverkehr in Nordwestmecklenburg. SVZ-Redakteur Holger Glaner traf sich mit Jörg Lettau zum Interview. Im Fokus: Bürgerfragen an den Geschäftsführer der mit der Durchführung des ÖPNV beauftragten Nahbus Nordwestmecklenburg GmbH.

Woher bekommen die Fahrgäste ab Januar kommenden Jahres ihre Fahrscheine?
Jörg Lettau: Diese können per Barzahlung direkt im Bus erworben werben. Das gilt für Einzel-, Wochen- und Monatskarten.

Wie kommen Interessenten an Abo-Monatskarten?
Diese müssen bei der Nahbus Nordwestmecklenburg GmbH schriftlich beantragt werden und werden den Kunden nach Zahlungseingang auf dem Postweg zugestellt. Die Antragstellung wird erstmals voraussichtlich im Dezember möglich sein. Die Einführung der Abo-Monatskarte schaffen wir aber erst ab Februar.

Wird es Kombitickets für den ÖPNV in anderen Städten geben?

Für den Schweriner Nahverkehr ist so etwas geplant. Jetzt ist es so, dass Tickets für Nordwestmecklenburg und Schwerin quasi aufeinanderfolgend genutzt werden. Künftig soll es ein gemeinsames Kombiticket mit einem Rabatt von zehn Prozent auf den Gesamtfahrpreis geben.

Können Rentner mit einem besonderen Tarif auf Reisen gehen?
Hier haben wir noch um etwas Geduld gebeten. Politisch hat man sich im Kreistag darauf geeinigt, einen solchen Tarif frühestens zum 1. Januar 2017 einzuführen.

Welche Strecken werden mit dem neuen ÖPNV bedient?
Zwölf Hauptlinien werden die größeren Städte und Ortschaften miteinander verbinden. Diese werden durch ein nachfrageorientiertes Ergänzungsnetz komplettiert.

Wie funktioniert das eigentlich mit den Anrufbussen, die Fahrgäste aus entlegenen Ortschaften an eine Haltestelle der Hauptlinien bringen sollen?
Ganz einfach: Fahrgäste rufen uns unter der kostenlosen Telefonnummer 0800-6346287 an und nennen unserem Disponenten den Abfahrts- und den Zielort, die Anzahl der Fahrgäste sowie zu transportierende Gegenstände wie Kinderwagen oder Rollstühle. Der Disponent nennt den Fahrgästen dann die Abholzeit und die Abfahrtshaltestelle. Mögliche Änderungen der Abfahrtszeit werden je nach Wunsch telefonisch, per SMS oder E-Mail mitgeteilt. Für diesen Service wird lediglich eine Servicegebühr in Höhe von einem Euro fällig.

Fahren die Busse von den Hauptstrecken die entlegenen Dörfer auch direkt an?
Nein, dazu haben wir ja die Anrufbusse.

In welchem Zeitraum ist die Einsatzleitstelle besetzt, über die diese Anrufbusse bestellt werden können?
Zum Start des neuen ÖPNV werden sie voraussichtlich täglich von 4.30 bis 21 Uhr besetzt sein. Das kann sich nach einer Eingewöhnungsphase und ersten Erfahrungen dann in der Folge aber durchaus noch ändern.

Wie ist es um die Barrierefreiheit für Schwerbehinderte bestellt?
Die können wir nicht in allen Fahrzeugen garantieren. Aber auf den Hauptlinien werden wir vorrangig Niederflurfahrzeuge einsetzen. Eine Bedarfsanmeldung 24 Stunden vor Fahrtantritt über die 0800-6346287 ist hier empfehlenswert.

Wann fahren morgens die ersten Busse?
Ab zirka 5 Uhr rollen die Busse. Ziel war es, dass Fahrgäste nach Wismar und Schwerin bis 7 Uhr ihr Fahrtziel erreicht haben, um pünktlich ihre Arbeitsstelle zu erreichen.

Und wie gelangen die Fahrgäste von kulturellen Veranstaltungen wieder zurück nach Hause, die erst nach dem letzten Bus zu Ende sind?
Darauf ist das System derzeit leider noch nicht ausgerichtet. Aber wir wollen im Laufe des Jahres damit beginnen, bei speziellen kulturellen Veranstaltungen wie den Schlossfestspielen in Schwerin oder dem Piraten Open Air in Grevesmühlen mit speziellen Fahrplanerweiterungen zu reagieren. Dazu benötigen wir aber auch die Unterstützung der Kommunen, die uns über solche Veranstaltungen informieren.

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