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Was 12- bis 25-Jährigen wichtig ist : So tickt Deutschlands Jugend

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

18 Stunden in der Woche im Netz, offen für Zuwanderer, keine Lust auf Überstunden

von
erstellt am 13.Okt.2015 | 21:00 Uhr

Selbstbezogen, desinteressiert und pragmatisch – das war das Bild, das Shell-Studien in der Vergangenheit von Deutschlands Jugendlichen zeichneten. Doch das Bild hat sich gewandelt. „Die junge Generation befindet sich im Aufbruch“, fasst Mathias Albert von der Uni Bielefeld die Ergebnisse der Studie zusammen, die gestern vorgestellt wurde. Von wegen Null-Bock-Generation: Die Forscher charakterisieren die Jugend von heute als engagiert, interessiert, zuversichtlich, wertebewusst und zunehmend politisiert. Die Studie zeichnet – auf Basis von 2558 Befragten zwischen 12 und 25 Jahren – ein umfassendes Bild der ersten Generation, die komplett im vereinten Deutschland und im Internet-Zeitalter aufwuchs. Die wichtigsten Resultate:

Der Optimismus

61 Prozent schauen zuversichtlich in ihre Zukunft – ein deutlicher Anstieg gegenüber 2010. Der Optimismus bei Jugendlichen aus sozial schwachen Schichten fällt deutlich geringer aus. Erstmals seit den 90er-Jahren sieht eine Mehrheit der Jugendlichen – 52 Prozent – auch die Zukunft der deutschen Gesellschaft als Ganzes optimistisch. Die Forscher sehen einen Grund in der günstigen wirtschaftlichen Entwicklung der letzten Jahre.

Der Beruf

Ein sicherer Job ist fast allen (95 Prozent) wichtig. Karriere ist aber eher zweitrangig: Weniger als die Hälfte hält Überstunden für nötig, um „etwas zu werden“. Dagegen finden 91 Prozent, dass Familie und Kinder neben dem Beruf nicht zu kurz kommen dürfen.

Politisches Interesse

2002 bezeichneten sich noch 30 Prozent der Jugendlichen als politisch interessiert. Heute sind es 41 Prozent. Besonders die Terrorangst, die mögliche Kriegsgefahr und die Umweltverschmutzung gehören zu den größten Ängsten mit Blick auf politische Themen. Vom wachsenden Politikinteresse könnten die Parteien aber nicht profitieren. Das Engagement sieht heute anders aus: Die Jugendlichen setzen vor allem auf politisch begründete Waren-Boykotts oder Petitionen, vornehmlich online.

Die Flüchtlingskrise

Die Jugendlichen von heute sehen Deutschland mehrheitlich als Einwanderungsland. 2006 waren noch 58 der 12- bis 25-jährigen dafür, die Zuwanderung zu verringern. Aktuell sind nur noch 37 Prozent dieser Meinung. 29 Prozent fürchten sich vor Zuwanderung. Allerdings: 48 Prozent und damit deutlich mehr haben Angst vor Ausländerfeindlichkeit.

Das Wertebewusstsein

„Werte sind wieder in“, sagt Gudrun Quenzel, Mitautorin der Studie, gestern im Gespräch mit unserer Redaktion. Freundschaft, Verlässlichkeit in der Partnerschaft, ein gutes Familienleben, Unabhängigkeit, Fleiß, Recht und Ordnung stehen bei den Jugendlichen am höchsten im Kurs.

Die virtuelle Welt

99 Prozent der Jugendlichen sind drin. Zugang zum Internet, sei es über Smartphone, Tablet oder PC, sind zur Normalität im Alltag geworden. Die Befragten verbringen wöchentlich 18,4 Stunden im Netz. 2006 waren es deutlich weniger als zehn Stunden. Bemerkenswert: Viele Jugendliche beurteilen ihre Aktivitäten bei Facebook & Co. skeptisch. Mehr als vier Fünftel glauben, dass Konzerne mit den Nutzerdaten viel Geld verdienen.

Der Kinderwunsch

Der Kinderwunsch ist zurückgegangen: 64 Prozent wollen Kinder, 2010 waren es noch 69 Prozent. Möglicher Grund: die Sorge um die Vereinbarkeit von Arbeit und Privatleben. Fast drei Viertel würde die eigenen Kinder aber so erziehen wie sie selbst erzogen wurden. Mehr als 90 Prozent der Befragten haben ein gutes Verhältnis zu ihren Eltern.
 


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