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Mecklenburg-Vorpommern

19. November 2017 | 06:12 Uhr

So sieht ein Lebensretter aus

vom

svz.de von
erstellt am 16.Mär.2012 | 08:51 Uhr

Düpow | Blaumann und ölverschmierte Hände. Das ist der Alltag von Andreas Ostrowski - einem Lebensretter. Er hört das nicht gern. Hat lange überlegt, ob er überhaupt seinen Namen preisgibt, schließlich wollte er nur helfen. An dreas Ostrowski hat Stammzellen gespendet und damit einer 46-jährigen sterbenskranken Frau aus den Niederlanden ein zweites Leben geschenkt.

Das es dazu kam, hat mit unserer Aktion Leon im vergangenen Jahr zu tun. Der Perleberger Junge war selbst schwer krank, nur eine Knochenmarkspende konnte ihm helfen. Unsere Zeitung rief mit Unterstützung der Deutsche Knochenmarkspenderdatei (DKMS) im Februar 2011 zu einem Aktionstag auf. 349 Menschen ließen sich als potenzielle Stammzellspender in die Spenderdatei aufnehmen, um dem damals siebenjährigen Leon und anderen Patienten zu helfen. Unter ihnen auch Andreas Ostrowski aus Düpow.

"Ich bin damals mit einigen Kameraden von der freiwilligen Feuerwehr zu der Aktion gefahren. Wir hatten im Prignitzer von Leons Schicksal gehört und wollten helfen", sagt der KfZ-Mechaniker. Nur wenige Monate später erfuhr er, dass er in die engere Auswahl für einen Patienten komme. "Das hat mich überrascht und ging so schnell, obwohl die Wahrscheinlichkeit ja sehr gering ist." Es sei ein seltsames Gefühl gewesen, zu erfahren, einem anderen Menschen das Leben retten zu können.

Andreas Ostrowski informierte sich, was jetzt auf ihn als Spender zukommen würde. Er zauderte, sagte dann aber zu. Eine Blutuntersuchung ergab, dass er doch nicht der geeignete Spender sei. Kurze Zeit später erhielt Ostrowski erneut Nachricht von der DKMS. Diesmal passte es: Seine Gewebemerkmale stimmten nahezu hundertprozentig mit denen einer Patientin überein, die dringend auf eine Stammzellspende angewiesen war.

Nach einer umfassenden Voruntersuchung bekam er ein Medikament mit, welches er sich über ein paar Tage unter die Haut spritzten musste. Dieser körpereigene hormonähnliche Stoff stimuliert die Produktion der Stammzellen. Diese können dann über ein spezielles Verfahren aus dem Blut gesammelt werden. "Meine Frau hat mir die ersten beiden Spritzen verabreicht, sie ist Krankenschwester. Die restlichen habe ich mir selbst gegeben. Es fiel mir leichter als gedacht. " Nebenwirkungen traten wir angekündigt auf, Grippesymptome. Unangenehm, aber nicht wirklich schlimm. Die Stammzellspende selbst sei dann gut verlaufen: "Das Anstrengendste daran war, vier Stunden lang nicht aufstehen zu dürfen", so Ostrowski.

Kurz darauf erfuhr der Düpower, dass seine Spende nicht vergeblich war. Der Frau in den Niederlanden geht es gut. "Das zu wissen, ist ein schönes Gefühl", sagt Andreas Ostrowski. Er würde nicht zögern und erneut spenden. Das sei auch der Grund, warum er an die Öffentlichkeit geht. Nicht seine Person sei wichtig, sondern die Botschaft: Es ist wichtig, sich als Spender registrieren zu lassen.

Auch für Leon konnte ein Spender gefunden werden, der Junge ist seit dem Herbst wieder zu Hause. Die DKMS hatte den Aktionstag unserer Zeitung in Perleberg als sehr erfolgreich bewertet. Das Beispiel von Andreas Ostrowski zeige, dass wirklich jeder der 349 potenziellen Spender irgendwo auf der Welt einen genetischen Zwilling haben könnte und gegebenenfalls dessen Leben retten kann. Alle 45 Minuten erkrankt allein in Deutschland ein Mensch an Leukämie, darunter zahlreiche Kinder und Jugendliche. Für viele von ihnen ist die Übertragung gesunder Stammzellen die einzige Überlebenschance. Bereits mehr als 2,6 Millionen Menschen haben sich bei der DKMS registrieren lassen. Damit ist sie die weltweit größte Datei.


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