So schmeckt der Sommer

Sobald die Temperaturen steigen, beginnt die Eiszeit: Leichte Sorten sind gefragt, können aber Vanille und Schoko nicht von den Spitzenplätzen verdrängen. Foto: dpa
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Sobald die Temperaturen steigen, beginnt die Eiszeit: Leichte Sorten sind gefragt, können aber Vanille und Schoko nicht von den Spitzenplätzen verdrängen. Foto: dpa

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06. Juli 2012, 09:12 Uhr

Ribnitz-Damgarten | Der kühle Genuss entsteht in einer warmen Halle. Förderbänder rattern unaufhörlich, um den Geschmack des Sommers zu produzieren. Im Sekundentakt portioniert Anlage Nummer zwei gerade die vorgekühlte Eisgrundmasse und schneidet sie in die richtige Form. Auf dem Band erhalten die Rechtecke zur Hälfte einen Waffelmantel. Anschließend werden sie in einem Behälter auf minus 40 Grad nachgefroren und in Schokolade getaucht. Am Ende der Anlage wartet bereits die richtige Verpackung auf das Handelsketten-Eis - dann geht’s ins Tiefkühllager.

Die Produktion bei der Eisbär GmbH in Ribnitz-Damgarten ist vollautomatisiert. Eis am Stiel, Eis mit Waffel, Eis in Dosen, Eis als Rolle - auf sechs Anlagen werden täglich 2,5 Millionen Stück hergestellt. Mitarbeiter wie Eva Laubenstein bedienen die Maschinen und kontrollieren die einzelnen Abläufe. "Wenn mal etwas ins Stocken gerät, helfen wir schnell nach", sagt die Angestellte, während sie einer hängengebliebenen Verpackung einen kleinen Schubs gibt.

Abnehmer in 25 Ländern

Sobald die Außentemperatur über die 20-Grad-Marke klettert, beginnt bei dem mittelständischen Unternehmen aus Mecklenburg-Vorpommern die Eiszeit. In der Hauptsaison verlassen täglich bis zu 25 Lkw à 33 Paletten das Werk. 250 Mitarbeiter sorgen dann dafür, dass über 100 verschiedene Mixturen und bis zu 30 Sorten nach Kundenwünschen weiterentwickelt, hergestellt und etikettiert werden. Auch im Winter läuft der Betrieb im Drei-Schicht-System weiter.

Die Paletten gehen nicht nur an fast alle großen Handelsketten in Deutschland, sondern werden auch weltweit in 25 Länder exportiert, wie Geschäftsführer Horst-Dieter Schröder erzählt. Die Eisbär GmbH zählt damit zu den größten Handelsmarkenproduzenten für Eis in Deutschland.

Wie dieser Sommer schmecken soll, hat Schröder deshalb genau analysiert. "Wellness steht hoch im Kurs", weiß der 63-jährige Familienunternehmer. Vor allem Frauen achteten auf Kalorien- und Fettangaben. Eines der neuesten Produkte aus Ribnitz-Damgarten, das dieser Tage in den Handel kommt, hat daher einen besonders hohen Joghurtanteil.

In den USA sind die so genannten Frozen-Yogurt-Varianten schon seit Jahren der Renner, in Deutschland erst seit kurzem. Die Eisbär GmbH ist nun auf diesen Zug aufgesprungen, um das entsprechende Produkt auf Kundenwunsch in Norddeutschland herzustellen und zu vermarkten. "0,2 Prozent Fettgehalt und 74 Kilokalorien pro 100 ml", zählt Schröders Tochter Manuela Fürtig die Angaben für Kalorienbewusste auf. Die 39-Jährige leitet das Controlling und das Personal in der Firma. Bereits im letzten Jahr hatte das Unternehmen den Trend in der Eisindustrie mit drei Wellness-Sorten bedient, die nun zur Saison 2013 weiterentwickelt werden sollen. Hinzu kommen Eissorten für bestimmte Bevölkerungsgruppen: milchfreies Fruchteis für Menschen mit Laktose-Intoleranz, zuckerfreie Varianten für Diabetiker.

Vanille und Schoko Spitzenreiter

Exotische Kreationen finden sich derzeit vor allem in den deutschen Eisdielen: Die Experimentierfreude reicht von Rhabarbersorbet mit Campari bis zu Weinberg pfirsich mit Lavendel. Die ersten Plätze der beliebtesten Eissorten belegen aber immer noch die Klassiker, wie der Eis Info Service der industriellen Hersteller mit Verweis auf eine aktuelle Studie berichtet. Demnach bleibt Vanilleeis der unangefochtene Spitzenreiter. Platz zwei belegt Schokolade. Erdbeer, jahrelang auf Platz drei, ist nun erstmals von Nuss abgelöst worden.

Weltweit sind Vanille, Schoko und Erdbeer aber immer noch die am häufigsten hergestellten Eissorten, wie Schröder bestätigt. Geschmacklich macht er da selbst keine Ausnahme. "Wenn ich an einer Eisdiele vorbeikomme, bestelle ich meistens Vanille mit Erdbeer oder Himbeer."

Umsatz kontinuierlich gesteigert

Der Unternehmer, der den Betrieb 1994 aufgebaut hat, war zu DDR-Zeiten auf Konditoreis spezialisiert. Das wollte er eigentlich auch nach der Wende herstellen. Durch die Städtepartnerschaft mit Buxtehude in Niedersachsen kam er jedoch mit zwei Brüdern aus der Region ins Gespräch, die Eis industriell produzierten. Der Damgartener erkannte das wirtschaftliche Potenzial und baute gemeinsam mit den Geschäftspartnern aus Westdeutschland ein eigenes Werk in seiner Heimatstadt auf. Eine Produktionsanlage, ein Kühlhaus, 20 Mitarbeiter. "So sollte es eigentlich bis zur Rente bleiben", sagt Schröder und muss schmunzeln. Denn es kam anders. Ganz anders.

Als der Betrieb aus Mecklenburg-Vorpommern im Sommer 1995 einer der großen Handelsketten in Deutschland drei verschiedene Mini-Sorten eines beliebten Stieleises zur Probe anbot, schlug das ein "wie eine Bombe", erinnert sich Schröder. Um die Nachfrage abzudecken, musste er expandieren. "Wenn man einmal nein sagt, ist man sonst weg vom Fenster", weiß der Mittelständler. Im Jahr 2003 kamen außerdem englische Produktpreise für Eisspezialitäten aus Ribnitz-Damgarten hinzu, die den Absatz im In- und Ausland weiter ankurbelten.

"Wir sind 1994 mit einem Jahresumsatz von 2,5 Millionen Euro gestartet und konnten uns kontinuierlich auf nunmehr 40 Millionen Euro steigern", bilanziert Schröder. In zwei Jahren will er die Unternehmensführung an seine Tochter und seinen Schwiegersohn abgeben. Auch für dieses Jahr stimmten die Auftragszahlen, freut sich der Geschäftsführer. Für den Familienbetrieb und seine Mitarbeiter dürfte der Sommer 2012 deshalb vor allem nach einem schmecken: der Fortsetzung einer süßen Erfolgsgeschichte.

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