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Breitbandausbau : So langsam ist das Internet in MV

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Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Private und Geschäftskunden klagen über schlechte Breitbandversorgung im Land. Abhilfe könnte eine Förderung des Bundes schaffen. Ohne sie ist ein Ausbau unwahrscheinlich.

svz.de von
erstellt am 23.Feb.2016 | 06:00 Uhr

Unser Leser Wolfgang Linke hat ein Problem. Er braucht dringend Internet, um trotz seines Handicaps – er ist 100 Prozent erwerbsunfähig – am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen. Um mit Ärzten zu kommunizieren oder auch Überweisungen zu tätigen. Nur macht man es dem Drenkower nicht leicht. Auf den im Internet verfügbaren Breitband-Versorgungskarten klafft in der Region rund um Parchim ein großes Loch. Statt mit der vom Bund angestrebten Mindestgeschwindigkeit von 50 Megabit pro Sekunde kann Wolfgang Linke mit gerade einmal 6 Mbit/s surfen – und das zu hohen Preisen, wie er feststellen musste. „Ich bin gezwungen, die sehr teuren Angebote der Telekom mit teilweise sehr schlechtem Empfang zu nutzen.“ Für das Internet via Funk zahle er monatlich 43,95 Euro brutto. Vergleichbare Angebote für VDSL (ab 50 Mbit/s) gäbe es bereits ab 19,99 Euro – in Dechow aber nicht verfügbar.

Während Leser Linke das Internet „nur“ für private Zwecke benötigt, hat Claus Ruhe Madsen ganz andere Probleme. Er ist Geschäftsführer des Möbelhauses Wikinger und nutzt das Internet gewerblich für fünf Standorte. Für seinen Anschluss von der Telekom muss auch er tief in die Tasche greifen. Über 500 Euro zahlt er monatlich – bei einer Geschwindigkeit von gerade einmal 10 Mbit/s. Und das mitten im Rostocker Gewerbegebiet. „Es ist fast unmöglich, so zu arbeiten“, sagt Madsen, der zugleich Präsident der IHK Rostock ist. Seine Mitarbeiter müssten öfter mit privaten Handys arbeiten, weil das Netz zusammenbreche.

Besonders der ländliche Raum ist aber gegen Rostock eine wahre Internetwüste, wie die Versorgungskarte zeigt. Das weiß man auch in den Ministerien. Große Baustellen sind die Landkreise Rostock und Ludwigslust-Parchim. Dort surfen nur 19,3 bzw. 31,1 Prozent der Haushalte mit 50 Mbit/s. Die große Mehrheit muss sich mit geringerer Geschwindigkeit begnügen.

Fehlender Wettbewerb bremst den Ausbau. „Da die Aufgabe der Versorgung privatisiert wurde und das Interesse am ländlichen Raum kaum vorhanden ist, müssen wir auf staatliche Programme setzen“, erklärt Regierungssprecher Andreas Timm auf unsere Anfrage. Eine weitere Ursache für den schlechten Ausbau sei die Struktur des Landes, erklärt Steffen Wehner, Pressesprecher des Energieministeriums. „Es herrscht ein Refinanzierungsdefizit, da wenige Menschen auf großer Fläche verteilt sind. Für einen Ausbau müsste viel investiert werden, obwohl es dort nur wenige potenzielle Kunden gibt.“

Das bestätigt auch Georg von Wagner, Pressesprecher der Deutschen Telekom. „Es ist vor allem ein finanzielles Problem. Denn einen Kilometer Kabel in den Boden zu bekommen kostet zwischen 40 000 und 80 000 Euro – und dann ist tatsächlich nur das Kabel im Boden“, erklärt er. Für die wenigen Haushalte, die so weit verteilt sind, würde sich dieser Aufwand nicht rechnen. Daher hat die Telekom „einen eigenfinanzierten Ausbau zurzeit nicht vorgesehen“, so von Wagner.

Die Zuständigkeit bei allen Bereichen der Kommunikation liege aber beim Bund, sagt Steffen Wehner. Daher wurde dort das 3,2 Milliarden schwere Förderprogramm auf den Weg gebracht. Mit ihm soll bis 2018 die Versorgung der ländlichen Gebiete flächendeckend gewährleistet werden.

Um Gelder aus dem Fördertopf bemüht sich MV derzeit mit 24 Projekten. Unter den auszubauenden Regionen findet sich auch Parchim mit dem Örtchen Drenkow. Besonders stark mit Projektanträgen vertreten ist außerdem die Region Vorpommern-Rügen.

Das eine flächendeckende Versorgung bis 2018 umgesetzt werden kann, bezweifelt man im Energieministerium. „Aber in einem Zeithorizont von fünf Jahren sollten deutlich weitere Bereiche mit Breitbandversorgung angebunden sein“, prognostiziert Sprecher Wehner. Sollten die Projektanträge jedoch unerwartet scheitern, sieht der Pressesprecher schwarz für einen weiteren Ausbau. „Ohne Finanzierung ist die Wahrscheinlichkeit dafür mehr als gering.“

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