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154.900 Fehltage im Jahr: Gewerkschaft schlägt Alarm : So krank sind Polizisten

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Trotz guter Bilanzen bei der Kriminalitätsbekämpfung und sinkenden Verkehrsunfallzahlen - die Polizei wird zum Sorgenkind in MV: Immer häufiger fallen Polizeibeamte im Dienst aus, weil sie krankgeschrieben sind.

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erstellt am 18.Apr.2013 | 07:16 Uhr

Schwerin | Trotz guter Bilanzen bei der Kriminalitätsbekämpfung und sinkenden Verkehrsunfallzahlen - die Polizei wird zum Sorgenkind in Mecklenburg-Vorpommern: Immer häufiger fallen Polizeibeamte im Dienst aus, weil sie krankgeschrieben sind. Nach Information der Gewerkschaft der Polizei (GdP) kamen im vergangenen Jahr bei den etwa 5000 Polizisten im Land mehr als 154 900 Krankentage zusammen - das sind 31 Tage pro Beamter. Zum Vergleich: Im Jahre 2000 war jeder Polizist durchschnittlich nur 22,5 Tage krank.

"Die Situation ist alarmierend, täglich fallen 424 Beamte durch Krankheit aus", sagte Michael Silkeit, scheidender GdP-Landesvorsitzender. Die meisten Ausfälle würden durch Krankheiten des Skelett-Muskel-Systems wie etwa Rückenleiden entstehen. Der höchste Anstieg sei allerdings bei psychischen Erkrankungen wie Burnout-Syndrom, Depressionen oder psychosomatischen Störungen zu beobachten. "In diesem Bereich hat sich die Zahl der Erkrankungen in wenigen Jahren verdoppelt", sagte Silkeit. Ebenfalls gestiegen ist die Zahl der Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Ursache für die Entwicklung ist das steigende Durchschnittsalter der Polizei, das in vielen Diensteinheiten bereits über 50 Jahre liegt. "Mit zunehmendem Alter steigt die Wahrscheinlichkeit von Krankheiten", so der GdP-Vorsitzende.

Außerdem sinkt die Zahl der Beamten seit Jahren durch Stellenabbau. Gleichzeitig stiegen die Anforderungen an die Polizei durch Terrorgefahr, aufwendige Ermittlungen im Bereich der Internetkriminalität und Gewalt in Fußballstadien.

Um die Situation zu entschärfen, will die GdP Innenminister Lorenz Caffier (CDU) ein Attraktivitätsprogramm mit Lösungsvorschlägen unterbreiten. Auch Peter Ritter, innenpolitischer Sprecher der Linken im Landtag forderte eine konsequente Überprüfung der Belastung in der Polizei und eine bessere Nachwuchsföderung.

Dazu sagte Innenminister Caffier gegenüber unserer Redaktion: "Wir haben reagiert und seit 2012 ein breit angelegtes betriebliches Gesundheitsmanagement in der Landespolizei". Er sei überzeugt, dass damit in den nächsten Jahren der Krankenstand positiv beeinflusst werde.

Die GdP wählte gestern auf ihrer Delegiertenkonferenz den Anklamer Christian Schumacher zum neuen Landesvorsitzenden. Der 37-Jährige folgt Michael Silkeit im Amt, der nach 22 Jahren als Vorsitzender nicht mehr kandidierte und Ehrenvorsitzender des Landesverbandes wurde.

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