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Mecklenburg-Vorpommern

17. November 2017 | 22:22 Uhr

Metropolregion Hamburg : So groß wie Belgien

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Die Metropolregion Hamburg wird mit einem Festakt um Schwerin und den Altkreis Parchim erweitert

svz.de von
erstellt am 27.Feb.2017 | 20:45 Uhr

Wenn die Metropolregion Hamburg in immer größere Dimensionen wächst, lässt sich das bisweilen auch am Fuhrpark ablesen. Dutzende Dienstwagen parkten heute vor dem Hamburger Rathaus, ihre Nummernschilder zeigten an, dass die Repräsentanten aus allen Himmelsrichtungen zusammengekommen waren: Schwerin, Kiel, Hannover, Hamburg sowie aus den Kreisen und Städten im erweiterten Umkreis der Metropole.

Das imposante Aufgebot galt dem Festakt zur Erweiterung der Metropolregion ab 1. März. Im Großen Festsaal des Rathauses besiegelten vier Regierungschefs und die anderen Partner den Beitritt der Landeshauptstadt Schwerin und des Altkreises Parchim sowie – erstmals – von zehn Handels- und Handwerkskammern, des UVNord und des DGB Nord. Die Verantwortlichen unterzeichneten dazu geänderte Staatsverträge und Kooperationsvereinbarungen.

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„Gemeinsam wollen wir die stärkste Wirtschaftsregion in Nordeuropa werden!“, steckte Hamburgs Erster Bürgermeister und Gastgeber Olaf Scholz (SPD) gut gelaunt ein hohes Ziel. Ohnehin war die Feierstunde geprägt von Harmonie, mit Shantys, norddeutschem Humor und bunten Bildern zu den Schönheiten der Region. Probleme blieben außen vor, etwa die hakelige Suche nach Ausgleichsgebieten für die Elbvertiefung zwischen Hamburg und Niedersachsen. Das wohl auch, weil die Podiumsteilnehmer der Diskussionsrunde allesamt das SPD-Parteibuch besitzen. Wie Scholz waren auch die Ministerpräsidenten Torsten Albig (Schleswig-Holstein), Stephan Weil (Niedersachsen) und Erwin Sellering (Mecklenburg-Vorpommern) voll des Lobes für die Zusammenarbeit im Norden. „Mir fällt ernsthaft kein Thema ein, bei dem wir vier nicht auf einer Linie liegen“, sagte Weil. Albig erkannte einen grundlegenden Wandel in der Einstellung. „Früher haben wir uns nicht das Schwarze unter dem Nagel gegönnt. Jetzt wachsen und feiern wir gemeinsam.“ Anders als häufig kritisiert sieht Albig auch das Konsensprinzip nicht als Manko – im Gegenteil. Die Beteiligten seien gezwungen, gründlich nach Gemeinsamkeiten zu suchen. Sellering bezeichnete den Beitritt von Schwerin und Parchim als „ganz wichtigen Schritt für Mecklenburg-Vorpommern“. Der Schweriner Regierungschef erinnerte daran, dass sein Bundesland schon kurz nach der Wiedervereinigung alte Bande zu Hamburg reaktiviert und auch deshalb den Aufschwung geschafft habe. Ziel sei nun ein Verkehrsverbund, um das Pendeln von und nach Hamburg zu erleichtern. Schwerins Oberbürgermeister Rico Badenschier erhofft sich „viele Entwicklungschancen für Schwerin“ (siehe unten).

Die eigentliche Zäsur in der Geschichte der Metropolregion ist das Hinzukommen der Wirtschaft. „Durch die vertrauensvolle Kooperation von Wirtschaft, Politik und Verwaltung in der Metropolregion verbessern wir die Rahmenbedingungen und bauen gemeinsam bürokratische Hindernisse ab“, meinte Hans Thon, Präsident der Industrie- und Handelskammer Schwerin (IHK): Von der Zusammenarbeit profitierten Unternehmen, Fachkräfte und Gäste in der Region gleichermaßen. DGB-Nord-Chef Uwe Polkaehn verwies auf die mehr als zwei Millionen Beschäftigten. Für sie wollten die Gewerkschaften „beste Arbeits- und Lebensbedingungen“ schaffen helfen.

Die Metropolregion umfasst nun 17 Landkreise, drei kreisfreie Städte sowie Hamburg. Die Fläche wächst auf etwa die Größe Belgiens, 5,3 Millionen Menschen dürfen sich als Bürger der Metropolregion fühlen, ungefähr die Einwohnerzahl Norwegens. Das BIP summiert sich auf 196 Milliarden Euro jährlich.

Rico Badenschier bei der feierlichen Unterzeichnung
Rico Badenschier bei der feierlichen Unterzeichnung
 

Schwerin bringt das „Schloss Hamburgs“ ein

Von übermorgen an gehören die Landeshauptstadt Schwerin und der Altkreis Parchim offiziell mit zur Metropolregion Hamburg. Dazu wurde im Hamburger Rathaus heute ein neuer Kooperationsvertrag geschlossen. Über fast 210 Kilometer erstreckt sich dann der norddeutsche Verbund von Ost nach West und fast 210 Kilometer von Nord nach Süd.

„Ich werde eine aktive Einbindung in die Metropolregion Hamburg vorantreiben“, sagte Schwerins Oberbürgermeister Rico Badenschier. „Aus der Mitgliedschaft ergeben sich viele Entwicklungschancen für Schwerin. Wirtschaftsansiedlungen, die zentrale Vermarktung von Gewerbeflächen: Wir sind jetzt gleichberechtigt mit dabei. Es wird auch einen touristischen Effekt geben, wenn wir als das ,Schloss Hamburgs‘ wahrgenommen werden. Die Nähe zur Hansestadt wird vielen Menschen durch die Metropolregion erst richtig bewusst.“ Doch nicht nur in der Größe wächst der Verbund. Zehn Kammern, der Unternehmerverband Nord und der Deutsche Gewerkschaftsbund kommen ebenfalls in der Metropolregion hinzu. „Die Nähe zu Hamburg ist für die Unternehmen in Westmecklenburg ein entscheidender Standortfaktor“, sagt Hans Thon, Präsident der IHK Schwerin. „Wir freuen uns auf die enge Zusammenarbeit mit den Partnern in der Metropolregion.“

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