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Theaterreform in MV : "So gesehen sind wir relativ weit"

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In Vorpommern ist die Fusion der Theater noch auf dem Weg. In Mecklenburg ist ein „Letter of Intent“ zwischen dem Land und der Stadt Schwerin schon unterzeichnet. Rostock will eigenständig bleiben. Was sagt der Minister?

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erstellt am 26.Apr.2013 | 08:32 Uhr

Schwerin | Die Theaterreform holpert: Eigentlich sollte die Beraterfirma Metrum nach der Entscheidung der Landesregierung für jeweils ein Staatstheater pro Landesteil eine Fusion der Bühnen in Mecklenburg einerseits und in Vorpommern andererseits durchkalkulieren. Aber: Das Beharren der Rostocker Kommunalpolitiker, die Variante eines eigenständigen Volkstheaters prüfen zu lassen, hat die Gespräche zwischen Schwerin, dem Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur und Rostock platzen lassen. Nun entwirft Metrum das "Staatstheater Mecklenburg" nur mit dem Schweriner Theater. Ist Rostock aus dem Spiel? Was ist mit den mehrfachen Warnungen des Ministers, Rostock ans Theatergeld zu gehen, wenn es nicht mitzieht? Und was bedeutet der Rostocker Sonderweg für die gesamte Reform? Philip Schroe der hat darüber mit Kultusminister Mathias Brodkorb (SPD) gesprochen.

Herr Minister, die Fusion der Theater Rostock und Schwerin ist vorerst gescheitert - am Rande der Rostocker Entscheidung hieß es, das Kultusministerium sei nun doch bereit, ein eigenständiges Volkstheater Rostock mitzutragen. Ist das so?

Wir haben gesagt, wir respektieren und akzeptieren eine solche Entscheidung, weil es ja auch anders gar nicht geht. Die Hansestadt Rostock hat das Recht, zu entscheiden, was sie für richtig hält.

Bisher haben Sie immer betont: Kooperiert Rostock nicht, dann wird es mit einem Theaterneubau und der weiteren Theaterfinanzierung schwierig.

Es wird ja auch schwierig. Im Grundsatz haben wir als Koalition einen Beschluss gefasst, und der gilt. Darin steht, dass das Land seine Zusagen an die Bereitschaft der Theaterträger bindet, sich in insgesamt koordiniertes Konzept einzubringen. Ich will jetzt aber nicht völlig ausschließen, dass ein Eigenständigkeitskonzept von Rostock sich in eine Landesstruktur einfügen kann. Aber vor allem ist es nötig, dass Rostock nun schnell ein geschlossenes Konzept vorlegt: Was heißt Eigenständigkeit? Wie viele Sparten? Wie viel Geld? Welche Kooperationsangebote? Erst im Lichte so eines Vorschlages wird man abschließend bewerten können, wie es weitergeht. Und das entscheide ich nicht allein, sondern das entscheidet die Koalition.

Das heißt, das Tischtuch ist nicht zerschnitten?

Ich finde, das hat in Politik nichts zu suchen, dass man emotionale Befindlichkeiten von Personen in den Vordergrund stellt. Ich bedauere zwar, dass es unter allen Theaterträgern nur mit Rostock nicht gelungen ist, konstruktive Gespräche zu führen. Aber die entscheidende Frage ist, was die Zuschauer und die Bürger in Rostock langfristig für ein Theater haben werden. Deshalb habe ich immer gesagt: Wir schlagen Türen niemals zu. Wir sind jederzeit bereit, Gespräche zu führen. Ich weiß bloß nicht, ob es in Rostock gelingen wird, in relativ kurzer Zeit ein solches Konzept zu beschließen. Denn der OB hat uns erklärt, für ihn komme nur die Eigenständigkeit eines Zwei-Sparten-Theaters in Frage. Und Herr Methling möchte ja die Zuschüsse von 18 auf 12 Millionen kürzen. Ich glaube, dass sich der Oberbürgermeister in Wahrheit deshalb für eine Eigenständigkeit positioniert, weil er sich die Option erhält, sein Kürzungsziel durchzusetzen. Ich hielte solche Eingriffe kulturpolitisch für verheerend. Aber in Rostock gibt es verschiedene Gruppierungen, die unter Eigenständigkeit etwas völlig anderes verstehen - nämlich ein Vier-Sparten-Theater. Die teilen gar nicht die Position des OB. Die Frage ist: Wie finden all diese Gruppen einen Minimalkonsens? Es ist für mich nicht absehbar, ob das überhaupt gelingen kann.

Gerade hat Rostock einen neuen Intendanten verpflichtet, die Zeitpläne dürften da nicht deckungsgleich mit denen des Landes sein.

Wir dürfen aber nicht noch mehr Zeit verlieren. Die Theater in Schwerin und Rostock stehen ständig vor der Insolvenz, sie hangeln sich von Jahr zu Jahr. In Rostock wird seit 20 Jahren über das Theater diskutiert, wir reden jetzt seit einem Dreivierteljahr über die Metrum-Studie. Irgendwann muss man sich doch eine Meinung bilden. Es war ausreichend Zeit.

In Rostock hieß es: Das Land kann sagen, was es will, das Geld für das Theater kann man nicht so einfach kürzen. Nun soll im Gespräch sein, aus den 35,8 Millionen Euro Theaterförderung per FAG 24,9 Millionen Euro herauszulösen und wieder in den Etat des Kultusministeriums einzugliedern?

Das will ich im Detail gar nicht kommentieren, aber dass all das, was wir bei der Theaterreform von Anfang an beabsichtigen, rechtlich nicht in der derzeitigen FAG-Finanzierung funktionieren kann, ist doch klar. In der Tat wird es eine Veränderung des FAG-Mechanismus geben müssen.

Dann hätten Sie natürlich eine Schraube in der Hand, mit der Sie über pekuniäre Wege Entscheidungen zumindest beschleunigen könnten

Es ist ganz einfach: In den 35,8 Millionen Euro FAG-Mittel für die Theater stecken 24,9 Millionen Euro ehemalige Landesmittel drin. Wenn das Land erwägt, in die Trägerschaft der Theater hineinzugehen, dann muss es auch Geld mitbringen. Selbstverständlich werden das die 24,9 Mio. Euro sein.

Wenn nun die Variante Staatstheater Mecklenburg nur mit dem Schweriner Theater geprüft wird - kommt diese Bühne dann ganz ungeschoren davon?

Es wird an allen Standorten so sein, dass die Strukturen neu aufgestellt werden müssen, da ist Schwerin keine Ausnahme.

Man könnte ja denken: Schwerin hat gut gepokert und den Streit in Rostock einkalkuliert.

Schwerin hat sich in dem Prozess sehr konstruktiv verhalten und natürlich ist das für Schwerin nicht von Nachteil, das ist doch klar. Insofern war das Verhalten von Schwerin, wie ich finde, inhaltlich überzeugend und auch politisch geschickt. Nur: Kann man das Schwerin vorwerfen?

Thema Landestheater Parchim: Es mit Schwerin zusammenzubringen, hat nie funktioniert. Warum soll das nun auf einmal wieder versucht werden?

Wenn wir eine Theaterreform machen, müssen sich auch die Einspartenhäuser einfügen. Für Parchim gibt es zwei Optionen: Man schließt sich mit Schwerin zusammen oder versucht es weiter mit Rostock. Das wird am Ende aber der Träger entscheiden müssen und auch das Theater selbst.

Was würden Sie sich denn wünschen? Parchim könnte ja auch eine Art zentraler Produktionsort für Kinder- und Jugendtheater sein

Das ist es ja auch. Das Theater macht an vielen Orten in MV Kinder- und Jugendtheater, auch in Schulen. Ich kann mir gut vorstellen, dass Parchim so eine Rolle als landesweit agierende Bühne für Kinder- und Jugendtheater weiter spielt.

Der Gegensatz zwischen Rostock und Schwerin ist mal wieder der Knackpunkt der Theaterreform, oder?

Ich finde es bedauerlich, dass es diese Berührungsängste zwischen den Städten und manchen ihrer Repräsentanten gibt. Vielleicht hat es damit zu tun, dass es immer noch nachwirkt, dass Rostock nicht Landeshauptstadt geworden ist. Für mich ist der wesentliche Unterschied aber, dass es in Schwerin, anders als in Rostock, über Parteien hinweg die Bereitschaft gibt, einen kulturpolitischen Grundkonsens zu formulieren. Und das liegt auch daran, dass das Schweriner Theater einen starken Intendanten hat und in die Debatte durch weitreichende Vorschläge meinungsbildend eingreift. So gesehen sind wir relativ weit. Im Osten gelingt es ja auch, einen generellen Konsens zu organisieren.

Aber durch Rostocks Verweigerung bliebe es in Mecklenburg bei zwei großen Standorten. Kann man da von den Theatern in Vorpommern noch verlangen, sich weiteren Fusionsprozessen zu unterziehen?

Was heißt verlangen? Rostocks Entscheidung hat ja Konsequenzen. Die Eigenständigkeit wird Mehrkosten verursachen, allein schon im Leitungsbereich. Insofern kann ich nachvollziehen, dass in Rostock Vertreter des Leitungsbereiches gegen eine Fusion argumentieren, weil sie vielleicht befürchten, dass der eine oder andere in einem neuen Gesamttheater keine Verantwortung mehr trüge. Aber durch solche Mehrkosten werden die Struktureingriffe im Westen unnötigerweise stärker sein müssen als von uns geplant.

Die Bühnen in Vorpommern wissen aber genau, dass Fusionsprozesse es ermöglichen können, die Auswirkungen der Strukturveränderungen auf die Zuschauer und die Standorte möglichst zu minimieren. Ich sehe deshalb für die Theater im Osten kein rationales Argument, aus dem Prozess auszusteigen. Und eines ist völlig klar: Es wird nicht in Frage kommen, dass der östliche Teil etwaige Mehrkosten bezahlt, die durch Entscheidungen im Westen zustande kommen - oder umgekehrt. Auf diesen Grundsatz hat sich die Koalition bereits vor Wochen verbindlich verständigt.

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