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Mecklenburg-Vorpommern

24. November 2017 | 01:17 Uhr

So gefährlich ist Badespielzeug

vom

svz.de von
erstellt am 17.Jul.2013 | 09:44 Uhr

Mit einem breiten Lachen strahlt die schwimmende Comicfigur das Kleinkind an – dann versinkt es im Wasser. „Kinder ertrinken lautlos, sie schreien nicht“, sagt Christiane Reckter. Sie holt die Puppe in Kindsgröße vom Boden des Schwimmbeckens und setzt sie abermals in den blauen Schwimmsitz mit dem fröhlichen Comic-Helden. Wieder hält sich der Körper nur einige Sekunden, kippt dann mit dem ganzen Sitz vornüber und geht unter.

Insgesamt 50 solcher Schwimmspielzeuge haben Christiane Reckter und ihre Kollegen vom Tüv Rheinland getestet. Das erschreckende Ergebnis: 20 davon dürften wegen Sicherheitsmängeln so in der Europäischen Union gar nicht verkauft werden. Dabei stammen alle getesteten Artikel von Buden und Souvenirshops an Stränden in Deutschland, Belgien, Griechenland, Italien, den Niederlanden und Spanien.

Schon seit mehreren Jahren führt der Tüv Rheinland seine so genannten „Sommer-Tests“ durch. Die Ergebnisse hätten sich seitdem „von katastrophal über erschreckend bis zu nicht hinnehmbar“ entwickelt, sagt Tüv-Sprecher Hartmut Müller-Gerbes. Zu den entdeckten Mängeln gehören in diesem Jahr unter anderem verschluckbare Kleinteile, mangelhafte Warnhinweise und Schadstoffe im Material. So fanden die Prüfer in mehreren Produkten zu große Mengen an Phtalat-Weichmachern und anderen Stoffen, die möglicherweise Krebs erregen.

Diese Mängel zu beheben, ist laut der Tüv-Experten kein Problem. Die Hersteller des Schwimmspielzeugs könnten sich ohne Probleme den höheren Ansprüchen anpassen, betont Müller-Gerbes. „Wir reden hier nicht von Dingen, die nur mit riesigem technischen Aufwand umsetzbar sind.“ Vielmehr habe der Tüv in den Tests nur die Mindeststandards als Maß angelegt. Allein sechs der getesteten Schwimmsitze für Kleinkinder seien lebensgefährlich, ermittelten die Tester. Die Kinder könnten herausrutschen oder gleich mit dem ganzen Ring kentern. Dabei müsse den Eltern jedoch auch bei den als sicher eingestuften Geräten klar sein: „Diese Geräte sind keine Spielzeuge“, wie Reckter betont. Denn immer wieder würden die Tester feststellen, dass die Aufsichtspflicht der Eltern letztlich nicht überprüfbar sei.

Außerdem gilt: Wer im Urlaub ein Schwimmspielzeug kaufe, solle lieber nicht direkt am Strand zuschlagen. „Gehen Sie lieber eine Straße weiter“, rät TÜV-Experte Rainer Weiskirchen. Dort seien Filialen größerer Handelsketten zu finden. Diese hätten alle ein Qualitätsmanagement-System.
Die Sieger der diesjährigen Testreihe stammen von deutschen Stränden. So haben von acht in Deutschland gekauften Gummitieren nur zwei den Test nicht bestanden. Der Grund: Die Verpackung enthielt einen formal fehlerhaften Warhnhinweis.
Dementsprechend empfiehlt Reckter, das Wasserspielzeug in der Heimat zu kaufen: „Die Marktaufsicht funktioniert in Europa im Grunde nur in Deutschland.“

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