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Mecklenburg-Vorpommern

19. September 2017 | 13:49 Uhr

Mirow : Skelettpuzzle in der Fürstengruft

vom
Aus der Onlineredaktion

Die Sanierung des herzoglichen Grabgeleges in Mirow ist sehr aufwendig, weil viel zerstört und geplündert wurde

Als Zahnmediziner ist Rajko Lippert einiges gewohnt. „Aber als wir die Toten aus den Särgen in der verfallenen Fürstengruft geborgen haben, haben mir die Arme gezittert“, sagte der Vorsitzende des Vereins Kulturgut Mecklenburg-Strelitz gestern in Mirow. Lippert traf sich an der Mecklenburgischen Seenplatte mit Bundes- und Landespolitikern, Experten und Kirchenmitarbeitern, um die laufende Sanierung der Herzoglichen Fürstengruft abzusprechen.

Diese erweist sich als schwieriges Identitätspuzzle, bei dem aber schon einiges ans Licht kam. „Wir haben durch Untersuchungen jetzt weitere Skelette genauer zuordnen können, darunter ist der Begründer der Stadt Neustrelitz, Adolf Friedrich III.“, sagte Lippert. Adolf Friedrich III. (1685-1752) hatte nach dem Brand des Schlosses in Alt-Strelitz ab 1733 Neustrelitz nach dem Vorbild einer italienischen Stadt aufbauen lassen. „Wir versuchen, im Zuge der Sanierung den Bestatteten ihre Würde zurückzugeben“, erläuterte Kunsthistoriker An- dreas Ströbl. Der Lübecker betreibt mit seiner Frau Regina die „Forschungsstelle Gruft“, die für die Restaurierung der Särge und ihre Zuordnung zu den Toten zuständig ist. Mehrere Särge haben sie bereits nach Schwerin zur Restaurierung bringen lassen.

In Mirow haben die Experten alle Hände voll zu tun. Die Gruft gehörte eins zum Großherzogtum Mecklenburg-Strelitz, das von 1701 bis 1918 neben Mecklenburg-Schwerin existierte. Die Gruft liegt an der Johanniterkirche auf der Schlossinsel und zählt zu den bedeutendsten adligen Grabgelegen im Nordosten. Allerdings verfiel die Gruft im Zweiten Weltkrieg, als auch die Kirche zerstört wurde. Bis zum Wiederaufbau 1953 wurden in den Nachkriegswirren Särge geplündert und zerstört oder andere Tote einfach hinzugelegt. „In einem Sarg haben wir Teile von sechs verschiedenen Toten gefunden“, berichtete Lippert.

Laut Archiv gab es 44 Beisetzungen mit 45 Toten – ein Kind wurde mit der Mutter zusammen beigesetzt. 30 Särge wurden in drei Räumen gefunden, von einigen nur Teile. Darin die Skelette und Knochen von etwa 40 Menschen. „Wir konnten bisher 34 Tote identifizieren“, sagte Lippert. So lagen die Eltern von Preußenkönigin Luise (1776-1810) zwar noch in ihrem Sarg, aber von ihrem Vater fehlte zunächst der Schädel. Dieser wurde in einem anderen Sarg entdeckt. Zudem wurden die Überreste von Georg Karl von Hessen-Darmstadt (1754-1830), einem Onkel der Preußenkönigin, und zweier Töchter von Adolf Friedrich III. gefunden.

Noch nicht zugeordnet werden konnte unter anderem der eigentliche Begründer des Herzogtums, Adolf Friedrich II. (1658-1708), durch dessen Erbfolgestreit Mecklenburg geteilt wurde.

Auch Kurioses fanden die Leute um Lippert, die von den amtierenden Mitgliedern des Hauses Mecklenburg-Strelitz unterstützt werden. So wurden Eier gefunden – „als Symbole für die Auferstehung“, wie Regina Ströbl erklärte. Als Sargfüllungen seien damals zerschnittenes Papier oder Hopfen verwendet worden.

Die Kosten für die Sanierung von Gruft, Kirchenmauer und Außenanlagen werden auf 900 000 Euro geschätzt. Davon tragen etwa die Hälfte das Land und die Stadt Mirow, zudem hat der Bund 350 000 Euro zugesagt. Das Gros der Arbeiten soll bis Ende 2017 fertig sein, auch die Straße auf der Insel und der Kirchturm sollen erneuert werden. „Die Gruft soll auch wieder als Familiengrabstätte dienen“, sagte der Neustrelitzer CDU-Landtagsabgeordnete Vincent Kokert. Das hätte die Familie angekündigt.  

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