zur Navigation springen

Verdacht der Korruption : Skandal um Bestechung von LKA-Polizisten

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Eine Berliner Unternehmensberaterin soll Polizisten Hunderttausende Euro für interne Informationen bezahlt haben. Kriminalhauptkommissar verhaftet

von
erstellt am 22.Apr.2016 | 21:00 Uhr

Ein schwerer Korruptionsfall hat das Zentrum der Polizei in Mecklenburg-Vorpommern erschüttert. Ein Beamter des Landeskriminalamtes (LKA) soll über Jahre hinweg für Hunderttausende Euro interne Informationen und Ermittlungsergebnisse an eine Berliner Unternehmensberaterin verkauft haben. Diese gab ihr Wissen ebenfalls gegen Geld weiter, angeblich auch an einen Oligarchen aus der Ukraine, der in den USA auf der Fahndungsliste steht. Allerdings zahlten wohl auch andere Kunden für das brisante Polizei-Wissen. Nach Informationen unserer Zeitung halten es Ermittler für möglich, dass sich dahinter ein Netzwerk verbirgt, deren erste Fäden bereits zu DDR-Zeiten geknüpft wurden.

Merkwürdiges Verhalten des Verdächtigen

Nach Durchsuchungen in Wohnungen und Büros in Ludwigslust, Schwerin, Berlin und Wien nahm die Staatsanwaltschaft Schwerin jetzt den 60-jährigen LKA-Beamten wegen des Verdachts der Bestechlichkeit und der Steuerhinterziehung in Untersuchungshaft. Seine gleichaltrige Ehefrau wurde wegen Beihilfe, die 69-jährige Unternehmensberaterin wegen Bestechung verhaftet. Ein 32-jähriger ehemaliger Polizeibeamter, ebenfalls wegen Bestechlichkeit in Verdacht, kam inzwischen wieder auf freien Fuß.

Der mutmaßlich korrupte Beamte galt im LKA seit Längerem als etwas merkwürdig, heißt es intern. Er habe sich immer wieder einmal für Dinge interessiert, für die er nicht zuständig war. Wie jetzt deutlich wurde, war das offenbar nicht einem dienstlichen Übereifer geschuldet, sondern er versuchte an „verkaufbare“ Informationen heranzukommen. Ende 2015 soll er mit seinem Verhalten endgültig einen Anlass für interne Ermittlungen gegeben haben. Diese gab das LKA inzwischen ans Bundeskriminalamt (BKA) ab. Das BKA soll die Ermittlungen, so war zu hören, anfangs nur zögerlich übernommen haben.

Geschäfte mit ukrainischen Oligarchen?

Nach Informationen des NDR soll der Tatverdächtige über die Mittelsfrau polizeiinternes Wissen an den in den USA verfolgten ukrainischen Geschäftsmann Dmytro Firtasch geliefert haben. Die Schweriner Staatsanwaltschaft wollte den Namen nicht bestätigen.

Sie teilte jedoch mit, dass zu den Nutznießern ein ukrainischer Geschäftsmann gehört, der in Österreich kurzzeitig in Untersuchungshaft saß. Das trifft auf Firtasch zu. Firtasch war wahrscheinlich daran interessiert, was die USA-Behörden über ihn wussten.

Wie er dann über die Unternehmensberaterin den Schweriner LKA-Beamten einschaltete, ist nicht bekannt. Der LKA-Beamte soll damals dann gegenüber den USA-Sicherheitsbehörden vorgetäuscht haben, für Firtasch-Ermittlungen zuständig zu sein, um an das Wissen der US-Kollegen zu kommen.

Firtasch wurde damals nicht an die USA ausgeliefert. Er kam gegen eine sehr hohe Kaution wieder frei. Aber er hatte offenbar immer noch genug Geld übrig, um den Informationsbeschaffer zu bezahlen. Dessen Lohn soll konspirativ in bar an einem See in Brandenburg übergeben worden sein.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen