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Mecklenburg-Vorpommern

20. November 2017 | 07:10 Uhr

Güstrow : Skandal beim Pflegedienst

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Schlechte Versorgung, Betrug, Körperverletzung: Die Vorwürfe nach Durchsuchungen in vier Einrichtungen in Güstrow und Krakow am See häufen sich

Freiheitsberaubung, Körperverletzung, Betrug – die Vorwürfe gegen den in Güstrow und Krakow am See tätigen Pflegedienst „Elisa“ sind schwer. Nach zahlreichen Beschwerden von Angehörigen sowie Pflegebedürftigen selbst schritten jetzt der Landkreis und die Staatsanwaltschaft Rostock ein. Vier Standorte der „Elisa“ Pflege und Betreuungsdienst GmbH in Güstrow und Krakow am See (davon einer der Firmensitz), wurden durchsucht (SVZ berichtete). Dabei wurde festgestellt: „Die pflegefachlichen Standards waren ungenügend. 29 Pflegebedürftige wurden angetroffen, die dort untergebracht waren“, informiert Michael Fengler vom Landkreis. Dabei mussten eine Frau und Mann ins Krankenhaus eingewiesen werden, da ihr Gesundheitszustand sehr schlecht gewesen sei. Der Landkreis Rostock prüfe nun Konsequenzen aus den Ergebnissen der Kontrollen.

Gegen den Pflegedienst „Elisa“ wurde bereits im Jahr 2013 ermittelt. Das bestätigte gestern die Staatsanwaltschaft Rostock auf SVZ-Nachfrage. Laut Pressesprecher Harald Nowack habe es sich damals um den Vorwurf der Misshandlung von Schutzbefohlenen gehandelt. „Allerdings hatte sich der Anfangsverdacht nicht erhärtet und die Ermittlungen wurden eingestellt“, so Nowack. Erneut wollte der Landkreis bereits im Februar dieses Jahres einschreiten und die Einrichtungen kontrollieren. Doch es habe rechtliche Probleme gegeben, so Fengler.

Am Donnerstag schlugen der Landkreis als Ordnungsbehörde gemeinsam mit Staatsanwaltschaft und Polizei in einer konzertierten Aktion dann zu. „Es liegen Anzeigen vor und wir prüfen einen Anfangsverdacht“, informiert Nowack. Es würden zwei Anzeigen wegen Freiheitsberaubung, eine wegen Körperverletzung und eine weitere wegen Betrugs gegen die Betreiberin des Pflegedienstes vorliegen. Die Ermittlungen stünden aber erst am Anfang. Bei den Kontrollen, bei denen auch der Medizinische Dienst der Krankenkassen mit vor Ort war, stellte der Landkreis u.a. fest, dass die untersuchten Räumlichkeiten nicht für die Pflege geeignet seien, so Fengler. Mit schmalen Treppen und hohen Stufen sei die Barrierefreiheit teilweise nicht gegeben. Patienten hätten zudem in Durchgangszimmern gelegen. Auch seien Medikamente nicht fachgerecht aufbewahrt worden. Ebenfalls hätten die Kontrolleure nur Hilfskräfte und keine Pflegefachkräfte festgestellt. „Was uns als Landkreis zudem sehr verwundert, ist, dass auch in jüngster Zeit Pflegebedürftige aus Kliniken in MV in diese Einrichtungen gebracht wurden, obwohl seit Oktober 2015 keine Verträge mehr mit Pflegekassen bestehen“, sagt Kreissprecher Fengler. Das alles werde jetzt geprüft.

Laut Fengler sei zudem immer noch nicht klar, ob es sich bei „Eilsa“ um einen ambulanten Pflegedienst oder feste Pflegeeinrichtungen handele. Auch deshalb sei es zu den Durchsuchungen gekommen. „Wir wollen herausfinden, ob möglicherweise rechtswidrig Pflegeheime betrieben werden“, sagt der Kreissprecher.

Jens Griesbach

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