Aus dem Gerichtssaal : Sittenstrolch in Rostock verurteilt

Der Angeklagte auf dem Weg in den Gerichtssaal
Der Angeklagte auf dem Weg in den Gerichtssaal

Dreieinhalb Jahre Haft nach versuchter Vergewaltigung

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23. Juni 2017, 21:00 Uhr

Wegen versuchter Vergewaltigung hat das Landgericht Rostock einen 65-jährigen Rentner zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren und sechs Monaten verurteilt. Die Richter sahen es gestern als erwiesen an, dass der Angeklagte im vergangenen Novemer eine 71-jährige Frau in einer Grünanlage in Rostock überfallen hat, um sich an ihr zu vergehen. Im Strafmaß berücksichtigte das Gericht auch, dass er ebenfalls im Herbst vergangenen Jahren drei andere Seniorinnen mit unflätigen Sprüchen beleidigte und ein Kind sexuell missbrauchte, indem er „mit pornografischen Reden“ auf sie einzuwirken versuchte. Das Urteil fiel milder als sonst möglich aus, weil eine Gutachterin dem Angeklagten bescheinigt hatte, vermindert schuldfähig zu sein. Er habe eine psychische Störung und sei vermindert intelligent. Die Staatsanwaltwaltschaft hatte vier Jahre Haft beantragt. Der Verteidiger hatte um eine mildere Strafe gebeten.

Der Angeklagte hatte während des Prozesses die Taten bestritten. Allerdings ist er zwölf Mal vorbestraft, in einigen Fällen wegen Sexualdelikten. Der ehemalige Reichsbahner und Landwirtschafts-Gehilfe, der mit seinen Eltern in den 1950er Jahren aus Köln in die DDR kam, wuchs in Kinderheimen und Jugendwerkhöfen auf. Im Alter von 18 Jahren stand er zum ersten Mal vor Gericht. Das bislang letzte Urteil gegen ihn, das das Amtsgericht Pasewalk 2008 fällte, lautete auf drei Jahre Gefängnis wegen Vergewaltigung. Als er aus der Haft kam, zog er nach Rostock.

Auf seinen Rollator gestützt, kam der 65-jährige auch am letzten Tag des Prozesses in den Gerichtssaal. Im vergangenen November war er hingegen noch „gut zu Fuß“ in Rostocker Parks, Grünanlagen und auf Spazierwegen unterwegs. Früher hätte man einen Mann wie ihn wohl als Sittenstrolch bezeichnet. Mehrmals sprach er ältere Frauen an, belegte sie mit Worten wie „Fotze“ oder ähnlichen Ausdrücken. Das Gericht hatte keinen Zweifel, dass dies Beleidigungen waren. Einer Elfjährigen, die er an einer Ampel traf, sagte er, er wolle ihr in den Schritt fassen. Das Mädchen lief weg. Das Gericht wertete dies als sexuellen Kindesmissbrauch. Am schwerwiegendsten jedoch war der Angriff des Angeklagten auf eine 71-Jährige, die mit ihrem Hund unterwegs war. Er versuchte bereits, ihr die Hose auszuziehen, als zwei Passanten auf die Hilferufe der Frau reagierten und ihr zu Hilfe kamen.

Körperlich verletzt hat der Täter keine der Frauen. Aber in ihren Köpfen hat sich seitdem etwas eingenistet. „Früher bin ich blauäugig spazierengegangen. Jetzt drehe ich mich häufiger um“, sagte eine 63-jährige. Eine weitere Zeugin sagte: „Es ist etwas ganz Hässliches, dass man das Erlebte nicht aus dem Kopf herausbekommt.“

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