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Postkartenaktion gegen AfD : Sind wir denn hier im Kindergarten?

vom
Aus der Onlineredaktion

Mit einer ebenso witzigen wie provokativen Postkartenaktion setzt sich der Landesfrauenrat mit dem Wahlprogramm der AfD auseinander

svz.de von
erstellt am 02.Sep.2016 | 05:00 Uhr

Sie sind ein witziges Mitbringsel und treffen mit ihren pointiert zugespitzten Botschaften den Nerv vieler Menschen: Gratis-Postkarten, die in diversen Restaurants und öffentlichen Einrichtungen präsentiert werden. In Mecklenburg-Vorpommern finden sich in den letzten Wochen auch politische Botschaften auf den CityCards-Aufstellern – die man allerdings erst auf den zweiten Blick, nämlich bei dem auf die Rückseite der Karte, erkennt. Dort werden Forderungen aus dem AfD-Wahlprogramm kritisch hinterfragt – durch den Landesfrauenrat, der mit seinen 45 Mitgliedsverbänden und -organisationen hinter der Postkartenaktion steht.

„Da musst du durch.“, heißt es zum Beispiel auf der Vorderseite einer der Karten. Auf der Rückseite wird erklärt, die AfD wolle „…Ehe und Familie im ursprünglichen Sinne erhalten und gefördert wissen.“ – „Heißt das, Scheidung ist nicht drin? Dafür ein Schrecken ohne Ende?“, fragt der Landesfrauenrat.

Dessen Geschäftsführerin Claudia Kajatin erzählt nicht ohne Stolz, dass die Kampagne nicht etwa von einer PR-Agentur, sondern von Mitgliedern des Frauenrats selbst gestaltet worden ist. Insgesamt 25 000 Karten mit sechs verschiedenen Thesen oder Fragestellungen seien produziert worden, wöchentlich seien jeweils zwei neue Motive über die CityCards-Aufsteller verteilt worden.

„Es bringt nichts, die AfD zu schneiden, wir wollen uns inhaltlich mit ihr auseinandersetzen“, betont Claudia Kajatin, „und natürlich jeden, der unsere Karten liest, dazu anregen, das auch zu tun.“ Wer zum Beispiel auf den AfD-Plakaten lese „Kindergarten kostenfrei“, der solle doch einfach einmal im Landeswahlprogramm nachlesen. Da stehe nämlich, dass die staatlichen Zahlungen für Kita-Plätze über landesweit einheitliche Gebührenpauschalen erfolgen sollen, die den Grundbedarf der Träger decken. „Darüber hinausgehende Angebote müssen die Kitas selbst erwirtschaften“, heißt es wörtlich weiter. Auf der Karte „Sind wir denn hier im Kindergarten?“ fragt der Landesfrauenrat deshalb: „Heißt das, Kinderfirmen holen Geld rein? Eltern müssen ehrenamtlich arbeiten? Erzieher/innen verdienen noch weniger?“

Die Forderung nach Abschaffung der GEZ wird mit der Frage gekontert, ob die nächste Fußball-WM etwa nur noch im Bezahlfernsehen übertragen werden soll. Und wenn es, wie die AfD verlangt, keine Gender Studies – also geschlechterspezifische Forschung – geben würde, wüsste man auch nicht, dass Frauen und Männer bei Herzinfarkten unterschiedliche Symptome zeigen, heißt es auf einer weiteren Karte.

Die Resonanz sei „phänomenal“, erzählt Claudia Kajatin, „die Karten gehen weg wie warmes Brot“. Auf Facebook sei die Aktion geteilt und gelikt worden, wie noch keine andere, und auch direkt in der Landesgeschäftsstelle hätte es viele Rückmeldungen gegeben. „Natürlich konnten wir nicht jeden überzeugen“, erzählt die Landesgeschäftsführerin. Und die Karte mit dem Aufdruck „Rammeln wie die Karnickel“ habe manchen auch regelrecht vor den Kopf gestoßen. „Aber die Frage, ob Kinderlose oder Eltern mit einem Kind künftig ausgegrenzt werden, wenn die AfD die Rückkehr zu einer positiven Bevölkerungsentwicklung als eine Hauptaufgabe propagiert, hat doch ihre Berechtigung“, meint Claudia Kajatin.

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