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Sommerschließzeiten : Sind Kita-Ferien bald der Regelfall?

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Personalmangel zwingt immer mehr Einrichtungen zu Sommerschließzeiten. Eltern haben Anspruch auf Ersatzbetreuung

svz.de von
erstellt am 13.Jan.2017 | 21:00 Uhr

Ferien müssen sein, für große ebenso wie für kleine Leute. Das ist unbestritten. Als jedoch kurz vor Weihnachten alle Rostocker DRK-Kitas den Eltern mitteilten, dass sie ab 2017 Sommerschließzeiten in den Ferien einführen würden, schlugen die Wellen der Empörung hoch. Denn die meisten Mütter und Väter hatten zu diesem Zeitpunkt ihre Urlaubsplanung bereits abgegeben. Und einige unterstellten zudem, dass die Einführung von „Kita-Ferien“ eine Beitragserhöhung durch die Hintertür sei.

Der Geschäftsführer der DRK Rostocker Kinder- und Jugendhilfe gGmbH, Jürgen Richter, nennt dagegen handfeste Gründe für die Sommerferien, die nach seinen Aussagen in 90 Prozent der Kitas in der Hansestadt sowieso schon gang und gäbe sind: „Der Fachkräftemangel und die Verschärfung der Arbeitsmarktsituation zum Jahresende machten die Einführung von Schließzeiten auch für uns notwendig, um auch in 2017 einen durchgehenden Betrieb außerhalb dieser zu gewährleisten.“ Der hohe Betreuungsschlüssel, krankheitsbedingte Ausfälle sowie reguläre Urlaubsvertretungen forderten und belasteten die Mitarbeiter permanent. Durch die Schließzeiten bekämen sie die Möglichkeit, sich drei Wochen am Stück zu erholen. Zudem könnten in dieser Zeit in den Einrichtungen Bau und Renovierungsarbeiten sowie Grundreinigungen durchgeführt werden.

Die Rostocker DRK-Kitas sind kein Einzelfall. Auch andere Einrichtungen im Land, beispielsweise die Kindertagesstätte „Petermännchen“ in Pinnow bei Schwerin, führen in diesem Sommer erstmals Ferienschließzeiten ein. „Ich glaube, dass das noch weiter zunehmen wird“, meint Isabelle Kaiser vom Paritätischen Wohlfahrtsverband. Die Personalnot würde die Einrichtungen dazu zwingen. Es erleichtere die interne Organisation, wenn Kita-Ferien eingeführt und damit der Urlaub, aber zum Beispiel auch Weiterbildungen der Beschäftigten langfristig geplant werden könnten. Ein weiterer Aspekt spiele zwar nicht so eine große Rolle, sei aber auch nicht zu vernachlässigen: „Es gibt einige – wenn auch nicht viele – Eltern, die ihre Kinder 365 Tage im Jahr in der Einrichtung lassen“, weiß Isabelle Kaiser. Dem Kindeswohl sei das nicht zuträglich, „auch Kinder haben einen Urlaubsanspruch“, betont sie. Sei die Kita zu, erlebten auch diese Kinder einen Tapetenwechsel.

Im Sozialministerium ist bekannt, dass es im Land eine Reihe von Kitas gibt, die in den Sommerferien schließen. Das Land habe allerdings keine Einflussmöglichkeiten darauf, betont Ministeriumssprecher Alexander Kujat. „Diese liegt in der Trägerhoheit der Einrichtungen.“

Sozialministerin Stefanie Drese (SPD) appelliert in diesem Zusammenhang aber: „Wenn Träger planen, Schließzeiten einzuführen, wäre es wünschenswert, die Eltern frühzeitig und transparent zu informieren und sie nicht vor vollendete Tatsachen zu stellen. Familien brauchen Planungssicherheit.“ Zudem sollten sich die Verantwortlichen vor Ort mit den Eltern zusammensetzen und gemeinsam Lösungen finden für Kinder, deren Eltern keine Betreuung während der Schließzeiten gewährleisten können.

Im Übrigen verweist die Ministerin darauf, dass der Sicherstellungsauftrag für die Kinderbetreuung dem örtlichen Träger der öffentlichen Jugendhilfe obliegt. Das betont auch Isabelle Kaiser vom Paritätischen Wohlfahrtsverband. „Nach dem Kifög (Kindertagesförderungsgesetz – die Redaktion) in Mecklenburg-Vorpommern haben Eltern einen Platzanspruch – und zwar unbegrenzt“, erläutert sie die Rechtslage. Die Jugendämter der Landkreise bzw. kreisfreien Städte müssten daher für den Fall der Schließung einer Einrichtung Ersatz schaffen – „wenn die Eltern entsprechenden Bedarf anmelden“. Das könnte der Fall sein, wenn ihr Arbeitgeber zu anderen Zeiten Betriebsferien hätte als die Kita, aber beispielsweise auch, wenn Eltern im Sommer überhaupt keinen Urlaub bekommen würden.

Auch einige der Rostocker DRK-Kitas haben mittlerweile mit einer Bedarfsanalyse für die Betreuung während der Schließzeiten begonnen. „Wir rechnen damit, diesen Prozess Ende Februar abschließen zu können. Darauf aufbauend planen wir dann, wo und in welcher Form Notgruppen eingerichtet werden“, so Geschäftsführer Jürgen Richter.

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