Verkehr : Sind Fahrschüler in MV dümmer?

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43,2 Prozent der Bewerber fallen durch die theoretische Prüfung

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26. Mai 2017, 05:00 Uhr

Sind Fahrschüler in Mecklenburg-Vorpommern dümmer als die in anderen Bundesländern? Fast jeder zweite scheitert inzwischen an der theoretischen Fahrschulprüfung. Von den 29.690 Bewerbern, die im vergangenen Jahr landesweit zur Prüfung antraten, fielen laut Kraftfahrzeugbundesamt (KBA) in Flensburg 43,2 Prozent durch. Nur in Sachsen-Anhalt war die Versagerquote mit 43,5 Prozent noch höher, wie aus der Statistik hervorgeht.

In allen anderen deutschen Bundesländer sind die Prüflinge im Durchschnitt erfolgreicher. In Bayern scheiterten 33,6 Prozent der Fahrschüler und in Schleswig-Holstein schafften nur 29,6 Prozent den theoretischen Test nicht. Die Durchfallerquote bundesweit liegt nach Angaben des KBA bei 34,8 Prozent.

An den Prüfungen liegen die zum Teil gravierenden Unterschiede zwischen den Ländern nicht, meinte der ADAC. Sprecher Hans Duschl in Hamburg: „Die Fragen sind vom Niveau her überall gleich.“ Duschl hält es für möglich, dass die Qualität der Ausbildung und die der Fahrschulen die Unterschiede ausmachen.

Das weist Helmut Bode, Vorsitzender des Fahrlehrer-Verbandes Mecklenburg-Vorpommerns, zurück. „Die Ausbildung ist bei uns nicht schlechter als in anderen Ländern“, sagte er. Die Durchfallerquote sei seit Jahren ein Thema bei den Mitgliederversammlungen des Verbandes. „Wenn wir eine Lösung hätten, dann hätten wir sie längst umgesetzt“, so Bode. Er sieht eine der Ursachen im Bildungssystem: „Mecklenburg-Vorpommern hat auch die höchste Quote an Schulabbrechern, da gibt es sicherlich einen Zusammenhang.“ Den Fahrschülern fehle oft die Ernsthaftigkeit beim Lernen und der Respekt vor Prüfungen.

Dabei ist die Theorieprüfung seit 2014 schwerer geworden. Den Grund sieht Bode in Videosequenzen, die seitdem neben den Fragen eingespielt werden. Mindestens zwei 15 Sekunden lange Szenen aus dem Alltagsverkehr bekommen die Fahrschüler zu sehen. Die Prüflinge müssen aus Sicht eines Fahrers Gefahren erahnen und im Anschluss an den Film Fragen beantworten. Da könne man vorher wenig auswendig lernen, erklären Fahrlehrer.

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