Naturpark Sternberger Seenland : Sind die Flusskrebse noch zu retten?

In diesem Teich in Basthorst hält Steffen Teufel heimische Edelkrebse und neuerdings auch  Ostseeschnäpel. Tochter Blanca hilft hin und wieder beim Füttern. Foto: Pätzold
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In diesem Teich in Basthorst hält Steffen Teufel heimische Edelkrebse und neuerdings auch Ostseeschnäpel. Tochter Blanca hilft hin und wieder beim Füttern. Foto: Pätzold

Die Edelkrebse, die es früher in Massen gab, sind aus den Gewässern nahezu gänzlich verschwunden. Naturparkchef Volker Brandt freute sich über die Forschungsarbeit von Studenten der Universität Kiel.

svz.de von
26. Juli 2012, 10:47 Uhr

Sternberg | Kommt noch letzte Rettung für den einheimischen Edelkrebs? Die Tiere, die es früher in Massen gab, sind aus den Gewässern nahezu gänzlich verschwunden.

Volker Brandt, Naturparkchef im Sternberger Seenland, freute sich über die Forschungsarbeit von Studenten der Universität Kiel. Sie stellten am Dienstagnachmittag in Sternberg ein Info-Blatt vor, das sie für Angler erarbeitet haben. Damit sollen die Petrijünger sensibilisiert werden, selbst etwas zur Rettung des streng geschützten Edelkrebses zu unternehmen.

Sowohl im Sternberger See als auch in den Oberen Seen fanden die Studenten keinen Edelkrebs, dafür aber den Kamberkrebs, der ursprünglich aus Amerika stammt. Diese Fremdlinge sind offenbar mit Schuld daran, dass es den Edelkrebs nicht mehr gibt. Denn sie überleben anders als die heimischen Arten den Befall durch bestimmte Pilze.

Theoretisch kann schon ein Angler diese Pilze von befallenen auf andere Gewässer übertragen. Deshalb schlagen die Studenten auch vor, die Angelutensilien austrocknen zu lassen und zu reinigen, bevor man im nächsten Gewässer auf Fischpirsch geht. An dem Info-Blatt für Angler wird weiter gearbeitet, erklärte Brandt. Ziel des Naturparks sei es, dies später zu drucken und an die Angler zu verteilen, damit sie mithelfen im Kampf gegen die Ausrottung der streng geschützten einheimischen Art.

Aber sind damit die Flusskrebse, die derzeit zumindest in Basthorst unter recht abgeschotteten Bedingungen gezüchtet werden, auch in der freien Natur noch zu retten? Bereits Ende des 19. Jahrhunderts wurden die ersten Kamberkrebse in Deutschland ausgesetzt. In den 1960er-Jahren kamen sie ins Sternberger Seenland, wie sich Willfried Frischke erinnert, der damals schon als Fischer in Sternberg tätig war.

Eigentlich waren die Gewässer von den einheimischen Edelkrebsen bevölkert. Nachdem die Fischkrankheit die Bestände weitestgehend dahingerafft hatte, ließ die Binnenfischerei vor einen halben Jahrhundert überall in der Region die Kamberkrebse aussetzen. Und die verbreiteten sich rasant, erläuterte Frischke gestern gegenüber SVZ.

Eine Brigade des VEB Binnenfischerei fuhr von See zu See zum Abfischen mit dem gleichen Netz und schleppte dabei wohl auch den Pilz von einem Gewässer zum anderen, so der Sternberger Fischer. Er erinnert sich an die riesigen jährlichen Fangmengen in Sternberger Gewässern. "60 Hektar brachten zwei Tonnen Krebse." Nur konnten die Fischer seinerzeit die enormen Mengen des amerikanischen Krebses nicht absetzen. Nur im Schwanzteil steckte das Fleisch, das man verwenden konnte.

Noch nach der Wende verkaufte Frischke allerdings eimerweise den Kamberkrebs an Liebhaber. Bis auch die amerikanische Art sich plötzlich von einem Jahr auf das andere rar machte, wie sich der erfahrene Sternberger Fischer erinnert. Das passierte nach einem Jahr in den 1990er-Jahren, als es sehr viel regnete. Damals knickten nicht nur an den Oberen Seen in Sternberg die Bestände ein, sondern überall in Deutschland, so Frischke. Das bedauert er. Denn es lassen sich heute gute Preise für Krebse erzielen.

Die jüngste Studie zu den Edelkrebsen ist nur eines von mehreren Projekten von Studierenden der Uni Kiel, die am Dienstag in Sternberg die Ergebnisse ihrer Forschungen vorstellten und mit Einheimischen diskutierten. 52 Studenten und ihre Dozenten hatten an dem einwöchigen Sommerseminar teilgenommen. Dabei ging es um das Thema Naturschutz in der Kulturlandschaft. Die Projekte der Studenten drehten sich u.a. um Biber, Rotbauchunke und Archäologie.


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