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Schulabbrecher : Sind die Anforderungen zu hoch?

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

In kaum einem anderen Land verlässt ein so großer Anteil der Jugendlichen die Schule ohne Berufsreife wie in Mecklenburg-Vorpommern

Ein immer weiter wachsender Teil der Schüler in Mecklenburg-Vorpommern macht Abitur – zugleich ist der hohe Anteil von Schulabgängern ohne anerkannten Abschluss im vergangenen Jahr erstmals seit Langem nicht weiter gesunken. Das geht aus der Bilanz für das Schuljahr 2014/15 hervor, die Bildungsminister Mathias Brodkorb (SPD) gestern in Schwerin vorstellte.

Während mit 37,1 Prozent die höchste Abiturienten-Quote in der Geschichte des Landes erreicht wurde, stagnierte die Zahl der sogenannten Schulabbrecher bei 8,4 Prozent. 2008 hatte die Abbrecher-Quote mit 15,8 Prozent ihren Höchstwert erreicht und war seither kontinuierlich gesunken. Die Halbierung auf unter acht Prozent bis zum Jahr 2020 hatte die SPD-geführte Landesregierung zu einem ihrer wichtigsten Ziele in der Bildungspolitik erklärt.

Zuletzt hatte vor allem die flächendeckende Einführung eines freiwilligen zehnten Schuljahrs an den Förderschulen die Situation verbessert. Dieses ermöglicht den Schülern das Erreichen der Berufsreife. Ohne diese zusätzliche Maßnahme bekommen sie nur einen Förderschulabschluss, der nicht zum nahtlosen Wechsel in eine Berufsausbildung berechtigt. Brodkorb verwies darauf, dass fünf bis sechs Prozent der Schulabgänger ohne Berufsreife den Abschluss später an der Volkshochschule oder der Berufsschule nachholen.

Der Minister sprach von einem erfolgreichen Schuljahr. Er glaube nicht, dass der Anteil der Schulabgänger ohne Berufsreife noch deutlich gesenkt werden kann, es sei denn, das Anforderungsniveau werde verringert. „Eine Reduzierung des Niveaus kommt für mich aber nicht infrage“, stellte er klar.

Brodkorb verwies in dem Zusammenhang auf eine Untersuchung aus dem Jahr 2012, bei der die Mathematik-Leistungen der Neuntklässler in Mecklenburg-Vorpommern die zweitbesten bundesweit waren. Nur 2,8 Prozent erreichten demnach den Mindeststandard für den Hauptschulabschluss nicht. In den meisten westdeutschen Bundesländern scheiterten laut Studie teilweise erheblich mehr Schüler am Mathe-Mindeststandard als letztlich ohne Abschluss die Schule verließen. Brodkorb äußerte die Vermutung, dass dort möglicherweise die Leistungsanforderungen geringer gehalten sind.

Angesichts des Rekordanteils von Abiturienten an den Schulabgängern 2015 warnte der Minister vor einem „Akademisierungswahn“. Wenn immer mehr Jugendliche das Abitur erwerben und anschließend studieren wollen, stünden immer weniger junge Menschen für eine Berufsausbildung zur Verfügung, sagte er. Das könne den wirtschaftlichen Erfolg gefährden. An den Hochschulen wiederum liege die Abbrecherquote auf hohem Niveau. Im vergangenen Schuljahr legten 38,6 Prozent der Schulabgänger die Mittlere Reife ab, 12,7 Prozent erreichten die Berufsreife.

Die CDU äußerte generelle Bedenken gegen die Entwicklung, dass immer mehr Schüler an die Hochschulen streben. „Junge Menschen müssen früher für die Frage sensibilisiert werden, ob die akademische Ausbildung tatsächlich der einzige Weg ist, um ehrgeizige Karriereziele zu erreichen. Nach meiner Auffassung bietet auch die berufliche Ausbildung hier im Land hervorragende Chancen, um nach der Schule durchzustarten“, betonte der CDU-Abgeordnete Torsten Renz und forderte stärkere finanzielle Anreize auch vom Land.  

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