Bildung in MV : Sind Deutschlehrer Mangelware?

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Linken-Politikerin: Qualifizierung für Unterricht von Flüchtlingskindern ist unattraktiv / Bildungsminister: Vorhandene Lehrer reichen derzeit aus

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06. Januar 2016, 08:00 Uhr

Neues Jahr, altes Spiel: Simone Oldenburg, Lehrerin und Landtagsabgeordnete der Linken, kritisiert die Arbeit des Bildungsministeriums, und dessen Hausherr Mathias Brodkorb (SPD) weist dies entschieden zurück. Diesmal geht es um den Unterricht von Kindern nichtdeutscher Herkunftssprache. Brodkorb hatte im November angekündigt, dass in Mecklenburg-Vorpommern 100 zusätzliche Stellen für Lehrkräfte mit dem Fach Deutsch als Zweitsprache (DaZ-Lehrer) bzw. qualifizierte Erzieherinnen und Erzieher zur Verfügung gestellt würden. Diese Stellen sollten peu à peu besetzt werden, die Lehrkräfte gegebenenfalls auch erst einmal als „Reserve“ den Unterricht in anderen Fächern an ihren Einsatzschulen absichern.

Simone Oldenburg hat nun in einer Kleinen Anfrage zu klären versucht, wie es um die Besetzung der 100 zusätzlichen Stellen steht. Das Ergebnis: Erst 36 sind vergeben. „In MV mangelt es an Lehrkräften, die über eine Lehrbefähigung für ,Deutsch als Zweitsprache‘ verfügen“, nennt die Linken-Politikerin als Grund.

Das zweifelt man auch im Bildungsministerium nicht an. Zumal alle Bundesländer zurzeit im Wettbewerb um DaZ-Lehrkräfte stehen, so Ministeriumssprecher Henning Lipski. Zusätzlich zu den 36 bereits erfolgten Einstellungen liefen in MV zwar derzeit weitere Bewerbungsverfahren, aber „es ist eine echte Herausforderung für uns“, so Lipski.

Simone Oldenburg zufolge ist es für Lehrkräfte nicht attraktiv, neben ihrer Lehrtätigkeit die umfangreiche und zeitaufwändige DaZ-Qualifizierung auf sich zu nehmen. Ihnen winke als Nachweis der Fortbildung nämlich lediglich ein Zertifikat. Seiteneinsteigern dagegen sei es laut Lehrerbildungsgesetz möglich, eine Lehrbefähigung DaZ ohne Qualifizierung, allein durch die Ableistung einer bestimmten Zeit im Schuldienst zu erlangen. Vom Bildungsminister fordert die Linken-Politikerin: „Diese Ungleichbehandlung muss ein Ende haben: Wer sich für DaZ qualifiziert, muss auch die Lehrbefähigung dafür erhalten.“

Brodkorb hält dagegen: Die DaZ-Qualifizierung dauere 75 mal 45 Minuten. „Das kann man wirklich nicht gleichstellen mit fünf, sieben oder zehn Jahren berufspraktischer Bewährung, die Seiteneinsteiger für eine Lehrbefähigung nachweisen müssen“, meint er. Und: Es hätte für Lehrer keinerlei Auswirkungen, wenn sie statt eines Zertifikats eine DaZ-Lehrberechtigung erhielten, „sie bekämen keinen Cent mehr Geld“. Und die Schüler hätten erst rechts nichts davon, deshalb lehne er Oldenburgs Vorschlag ab.

Im Übrigen sehe er momentan auch keinen DaZ-Lehrermangel. Zum Anfrage-Zeitpunkt wurden 400 Kinder nichtdeutscher Herkunftssprache mehr als vor einem Jahr in MV unterrichtet. „Dafür sollten 36 zusätzliche Lehrkräfte ausreichen.“

Simone Oldenburg kritisiert allerdings, dass sogar schon Mitarbeiter des dem Bildungsministerium unterstehenden Instituts für Qualitätsentwicklung an Schulen abgeordnet wurden, die dort Flüchtlingskinder unterrichten. Sie könnten ihre eigentlichen Aufgaben deshalb nicht mehr vollständig erfüllen. „Das ist ein unhaltbarer Zustand, der beendet werden muss“, so Oldenburg. Bildungsminister Brodkorb kontert auch dies. Er sei dankbar für die Bereitschaft der Fachberater des Instituts, mehr zu unterrichten. In der ganzen Landesverwaltung würden Mitarbeiter für die Flüchtlingsbetreuung abgestellt. „In der Tat ist es so, dass deshalb die eine oder andere Aufgabe zurückgestellt wird.“ Die Unterrichts-Absicherung für alle Kinder habe aber Vorrang.

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