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Kritik an der Größe der Erzeugerbetriebe : Sind Bio-Eier "en masse" wirklich bio?

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Fast jedes vierte Bio-Ei in Deutschland wird in Mecklenburg-Vorpommern gelegt. Aber nicht jedes Ei stammt von einer Henne in einem kleinen romantischen Hühnerhof. "Bio" ist längst groß geworden. Zu groß?

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erstellt am 02.Apr.2012 | 07:39 Uhr

Schwerin | Fast jedes vierte Bio-Ei in Deutschland wird in Mecklenburg-Vorpommern gelegt. Aber nicht jedes Ei stammt von einer Henne in einem kleinen romantischen Hühnerhof. "Bio" ist längst groß geworden. Zu groß, wie die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) meint. Allein der Erzeugerzusammenschluss Fürstenhof - ein Ort zwischen Dargun und Gnoien südöstlich von Rostock - bringt 15 Prozent der deutschen Bio-Eier auf den Markt, wie Geschäftsführer Friedrich Behrens berichtet. Die Nachfrage nach Bio-Eiern könne momentan nicht gedeckt werden. Der Grund aus seiner Sicht: Es dauert zu lange, bis Stallneubauten genehmigt werden.

Hört man Behrens zu, ist Fürstenhof eine Erfolgsgeschichte. 2002 fanden sich Geflügelhalter zusammen, die eine Bio-Kreislaufwirtschaft anstrebten, "nur größer und rationeller als üblich". Produziert werden sollte in kleinen Farmen, deren Eier an Ort und Stelle verpackt und direkt an die Handelsketten vermarktet werden. Die Überlegung: Der Handel will alles aus einer Hand - große Partien, Transparenz und kurze Wege. Zum Erzeugerzusammenschluss gehören heute 14 Betriebe in Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg, jährlich kommen ein bis zwei hinzu. Das Wachstum liegt zwischen 10 und 40 Prozent pro Jahr, sagt Behrens. Mehr als 300 000 Hennen werden gehalten - in Bodenhaltung mit Wintergarten und Auslauf. "Eier, die bis 13 Uhr gelegt werden, sind um 15 Uhr verpackt und in der Nacht in den Zentrallagern von Rewe oder Edeka", berichtet Behrens. Außerdem betreibt das Unternehmen an der Bundesstraße 110 bei Fürstenhof einen Hofladen.

Gezielt nach Fürstenhof-Eiern suchen können die Kunden in Supermärkten nicht. Die Firma verzichtet auf eine eigene Marke. "Wir wollen nicht eine Million Euro im Jahr für Werbung ausgeben", begründet Behrens die Entscheidung. "Deshalb sind wir Spezialist für Handelsmarken geworden."

Für die AbL ist die Art der Tierhaltung bei Fürstenhof nicht mehr "Bio". 3000 Hennen pro Stall mit Auslauf, wie in den Fürstenhof- Farmen, hält AbL-Sprecher Eckehard Niemann für gerade noch vertretbar. Aber - und das ist für ihn der Knackpunkt - die Tiere könnten nicht mehr mit Futter von eigenen Flächen versorgt werden. Gerade Eiweißfutter müsse zugekauft werden. Lebensmittelskandale im Bio-Bereich seien bisher mehrfach wegen der Futtermittel entstanden, erinnert Niemann.

Behrens gibt zu, dass nicht alles selbst produziert werden kann und aus Bio-Betrieben in Norddeutschland zugekauft werde, zum Teil auch aus Litauen, Österreich und Bayern. Aber er bekenne sich dazu, dass Tier und Fläche zusammengehören. Derzeit kämen 140 Hennen auf einen Hektar. Mit Krankheiten habe das Unternehmen keine Probleme, Antibiotika seien noch nicht nötig gewesen. "Unsere ältesten Hühner sind knapp zwei Jahre alt", betont Behrens.

Niemann von der AbL wendet ein: "Wir wehren uns dagegen, dass einige wenige große Konzerne bestimmen, wo es in der Bio-Haltung langgeht." Dagegen argumentiert Behrens, dass die Nachfrage nach Bio-Waren mit "Klein-Klein" nicht mehr befriedigt werden könne. Derzeit sei jedes elfte Ei in Deutschland ein Bio-Ei, bald werde es jedes zehnte sein. Etwa 17 Milliarden Eier würden in Deutschland im Jahr konsumiert.

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