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Frustrierte Anwohner wegen Straßenlärm : Siggelkower blitzen mit „Schikane" ab

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Die Rudolf-Breitscheid-Straße führt als Teil der Kreisstraße 22 mitten durch das Dorf. Dem Lkw-Verkehr halten die Kopfsteine Stand, doch der Unterbau gibt nach. Hinzu kommt eine enorme Lärmbelastung.

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erstellt am 18.Dez.2011 | 07:06 Uhr

Siggelkow | In der ganz offiziell als schönstes Dorf des Landkreises ausgezeichneten Gemeinde hängt der Dorfsegen schief und das schon seit Jahren. "Wir sind immer wieder vertröstet worden und getan hat sich bis heute nichts", macht Andrea Tschirpke-Lauzait ihrem Ärger Luft. "Wir wohnen noch nicht einmal direkt an der Straße und bekommen dennoch den Straßenlärm hautnah zu spüren", so die Siggelkowerin. Die Rudolf-Breitscheid-Straße, Ursache für die Missstimmung, führt als Teil der Kreisstraße 22 mitten durch das Dorf. Knapp die Hälfte der Ortsdurchfahrt - rund 460 Meter - ziert Kopfsteinpflaster wie seit Jahrhunderten. Und da liegt das Problem. "Die Straße war einst für Pferdefuhrwerke gebaut worden und hat damals ihren Zweck erfüllt. Dem heutigen Lkw-Verkehr halten die Kopfsteine zwar Stand, doch der Unterbau gibt seit Jahren nach. Hinzu kommt eine enorme Lärmbelastung", gibt Berndhard Alberth zu bedenken. In nur einer Woche wurden hier im Juli 2011 laut einer von Amts wegen verfügten Verkehrszählung 6444 Fahrzeuge erfasst. Das entspricht einer Tagesmenge von mehr als 800 Autos aller Größenordnungen. Bei über der Hälfte der Fahrzeuge handelte es sich um Laster mit einer Länge von mehr als 13 Metern. Und viele Kraftfahrer sind hier viel schneller als erlaubt unterwegs. 30 km/h sind vorgegeben. Im Messzeitraum waren mehr als 81 Prozent zu schnell. Der Spitzenreiter donnerte mit 101 km/h über das Pflaster. "Bei uns fallen die Gläser aus den Schränken", beklagt Jochen Triebsees die Situation. "Es leiden nicht nur die Menschen, sondern auch die Gebäude nehmen Schaden. Risse sind nicht zu übersehen und machen uns zunehmend Sorgen", fügt Bernhard Alberth hinzu.

Bürgermeisterin Angelika Lübcke ist sich mit ihren Mitbürgern einig: "Es muss endlich etwas passieren. Wir werden seit Jahren vertröstet und Zusagen wurden nicht eingehalten." Die Siggelkower, die sich für ein schönes Dorf persönlich stark eingesetzt und viele Wege sogar in Eigenleistung in Schuss gebracht haben, fühlen sich alleine gelassen. "Der frühere Landrat hat uns schon vor zehn Jahren versprochen, dass die Straße saniert wird. Aber den Worten folgten keine Taten", sagt das Gemeindeoberhaupt. Auch die Leitende Verwaltungsbeamtin Gudrun Stein vom Amt Eldenburg-Lübz, die kürzlich vor Ort war, konnte den Siggelkowern keine konkrete Hoffnung machen. Ein Verweis auf die ausstehende Sanierung der L 09 von Meyenburg nach Parchim lassen die Siggelkower nicht mehr gelten. Auch dieses Projekt wurde immer wieder in die Warteschlange geschoben.

"Als Sofortmaßnahme könnten Blumenkübel oder andere Schikanen die Straße für große Laster unattraktiv machen und die Raser ausbremsen", schlägt Andrea Tschirpke-Lauzait vor und bekommt Unterstützung. Auch die Gemeinde würde dies als Zwischenlösung favorisieren, bekommt dafür vom zuständigen Landkreis aber seit langem kein grünes Licht. Ganz im Gegenteil: "Da es sich bei der K 22 um eine klassifizierte Straße handelt, sind entsprechend § 32 StVO die von den Bürgern vorgeschlagenen Schikanen nicht zulässig", teilt Günter Matschoß als stellvertretender Landrat mit.

Die Siggelkower, die womöglich auf ein "Wunder in der Weihnachtszeit" gehofft haben, werden enttäuscht sein. Da dürfte es nur ein kleiner Trost sein, dass während der bevorstehenden Festtage viele Laster eine Zwangspause einlegen müssen und auch in der Rudolf-Breitscheid-Straße für wenige Stunden etwas mehr Ruhe einkehren wird.

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