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Homo-Ehe in Schwerin : Sieben auf einen Streich

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Freitag heirateten im Schweriner Rathaus sieben gleichgeschlechtliche Paare. Wir waren zu Besuch bei einer Trauung

svz.de von
erstellt am 27.Okt.2017 | 20:55 Uhr

Das sperrige und umständliche Deutsch eines Beamten nimmt auch an besonderen Tagen keine Rücksicht. Herzlich begrüßen wolle die Standesbeamtin Regine Gudat ihre beiden Gäste „zur Umwandlung der eingetragenen gleichgeschlechtlichen Lebenspartnerschaft in eine Ehe.“ Vor ihr sitzen Nadine und Michele Maitz, die Hände ineinander verschlungen, und lächeln. Auf Wolke Nummer sieben klingt irgendwie alles schön.

Als Bundeskanzlerin Angela Merkel im Juni überraschend signalisierte, im Bundestag über die Ehe für alle entscheiden lassen zu wollen, war bei Nadine und Michele Maitz alles längst geplant. Ihre Hochzeit am 25. August in Schwerin nach dreieinhalb Jahren Beziehung, die große Feier mit der Familie und den Freunden. Ein schöner Tag sei es gewesen, sagen sie im Rückblick. Doch es war eben „nur“ die gleichgeschlechtliche Lebenspartnerschaft. Deshalb ist an diesem Freitag für sie alles so besonders, obwohl doch vieles gleich ist: das Procedere im Standesamt, die Standesbeamtin selbst. Lange hätten sie dafür gekämpft, sagt Nadine Maiz, und endlich seien sie vor dem Recht gleich.

Dass sie zwei Hochzeiten innerhalb von zwei Monaten feiern, hat auch mit der Stadt Schwerin zu tun. Oberbürgermeister Rico Badenschier (SPD) und die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt, Dorin Lucht, hatten gestern Paare geladen, ihre gleichgeschlechtliche Lebenspartnerschaft in eine Ehe umzuwandeln. Dafür mussten sie nichts bezahlen. Sieben sagten zu und trauten sich. 17 weitere haben bereits Termine. Das sei ein Zeichen der Stadt Schwerin, sagte Dorin Lucht. „Wenn sich zwei Menschen lieben, ist es egal, ob sie gleichgeschlechtlich sind oder nicht.“

Zur Musik von der Gruppe „Schandmaul“ betreten Nadine und Michele Maitz den alten Ratssaal. „Komm her und lausche meiner Stimme, ich habe dir was zu erklär’n, hörst du das Herz in meiner Brust, pass auf, ich habe dich gern...“ Die Standesbeamtin ist angespannter als sonst. Kurz vor der Zeremonie hatte sie erzählt, die beiden seien für sie das erste gleichgeschlechtliche Paar, das sie nach der Gesetzesänderung traute. Alles bräuchte seine Zeit. In der Verwaltung beispielsweise, berichtet sie, müsse trotz gleichen Geschlechts noch immer eine Frau und ein Mann zugeteilt werden.

Sie gibt Nadine und Michele Maitz ein Gedicht mit auf den Weg. „Ich möchte dich lieben, ohne dich einzuengen, dich wertschätzen, ohne dich zu bewerten, dich ernst nehmen, ohne dich auf etwas festzulegen...“. Dann die entscheidenden Worte. „Hiermit erkläre ich sie zu Ehefrauen.“ Nadine und Michele Maitz tauschen die Ringe und küssen sich. „Man kann das nicht in Worte fassen“, sagt Nadine kurz danach. „Es fühlt sich anders an.“ Und ihre Ehefrau bringt auf der Suche nach passenden Ausdrücken nur hervor: „Erleichterung.“

Gekommen ist zu ihrer Feier niemand. Intim sollte dieser besondere Moment sein, die große Party wurde doch schon im August gefeiert. Am Nachmittag wollten sie nochmal zurück ins Rathaus kommen, zu einem von der Stadt organisierten Empfang. Bei Kaffee und Kuchen ins Gespräch kommen. Das Thema: die Ehe für alle, für die sie sich so lange einsetzten.

Und danach, wenn der ganze Trubel für sie vorbei ist, gehen sie noch in Ruhe etwas essen. Diesen besonderen Tag feiern. Nur zu zweit.

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