Rettungsschwimmer in MV : „Sie kennen die Gefahren nicht“

Den Strand und die Ostsee fest im Blick – freiwillige Retter des DRK
Den Strand und die Ostsee fest im Blick – freiwillige Retter des DRK

2800 ehrenamtliche Rettungsschwimmer sorgen für Sicherheit der Badegäste

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21. Juni 2017, 05:00 Uhr

Die Strandurlauber sehen nur die Wellen und das Meer. „Aber sie kennen die Gefahren nicht“, sagte Anne Rostig. Die 26-Jährige sieht die Ostsee mit anderen Augen: Unter den Wellen können sich gefährliche Strömungen bilden, die selbst gute Schwimmer mitreißen können. Im Meeresboden gibt es ausgespülte Löcher. Tritt ein Kind hinein, ist es plötzlich verschwunden. An den Buhnen kann sich ein kräftiger Untersog bilden und Badegäste gegen die Wellenbrecher drücken. Und immer wieder gibt es Badeurlauber, die sich überschätzen. „Sie schwimmen zu weit raus und schaffen es aus eigener Kraft nicht mehr zurück ans Land“, weiß Rostig.

Die junge Frau aus Sachsen ist eine von 2800 ehrenamtliche Rettungsschwimmern, die von Mitte Mai bis Mitte September in Mecklenburg-Vorpommern an 43 Küstenorten und knapp 60 Binnenseen für die Sicherheit der Badegäste sorgen werden. Für den Dienst auf den Wachtürmen opfern die Ehrenamtlichen einen Teil ihres Urlaubs oder ihre Freizeit. „Wir möchten etwas Gutes tun“, sagt Rostig, die hauptberuflich in einer Apotheke arbeitet.

In dieser Saison wird Anne Rostig von der Wasserwacht des Deutschen Roten Kreuzes in Zingst als Wachleiterin eingesetzt und einen knapp 6,5 Kilometer langen Strandabschnitt betreuen. Die rund 1300 ehrenamtlichen Retter der Wasserwacht kümmern sich auch um die Badegäste in vielbesuchten Ferienorten wie Heiligendamm, Warnemünde und den Kaiserbädern auf Usedom und um die Seen im Binnenland. Die zweite Wasserrettungsorgansiation im Land, die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) stellt 1500 Rettungsschwimmer für die Badesaison in MV ab, überwiegend in den Ostseebädern. Mit dem Aufgebot fühlen sich beide Organisationen gut für die Hauptsaison gerüstet.

Speziell im Sommer werden die Freiwilligen vom DRK und DLRG nahezu täglich als Helfer in der Not gefragt sein. Die DRK-Rettungschwimmer bewahrten im Sommer des Vorjahres 131 Badegäste vor dem Ertrinken. In 174 Fällen sorgten sie nach akuten Erkrankungen wie Herzinfarkt oder Schlaganfall dafür, dass Strandbesucher schnell ärztliche Hilfe erhielten. Die Kollegen vom DLRG befreiten 48 Personen aus gefährlichen Situationen. „Sieben Urlaubern wurde sprichwörtlich in letzter Minute das Leben gerettet“, teilt DLRG-Sprecher Thorsten Erdmann mit.

Hauptursachen für Badeunfälle sind nach Einschätzung von Rettungsschwimmerin Rostig Leichtsinn und Selbstüberschätzung. „Es gibt immer wieder Schwierigkeiten mit unbelehrbaren Urlaubern“, sagt die 26-Jährige. Strandbesucher würden die Hinweise und Warnungen der Helfer ignorieren und sich so leichtfertig Gefahren aussetzen, etwa wenn sie trotz Sturmwarnung und starkem Wellengang ins Wasser gingen.

Für die Rettungsorganisationen ist die Absicherung der Strände jedes Jahr eine Herausforderung. „Es fehlen junge Leute, die Dienst machen“, sagt Thomas Powasserat von der Wasserwacht. Wer Geld verdienen will, sei beim DRK falsch. Neben freier Logis gebe es lediglich eine Aufwandsentschädigung von etwa 30 Euro am Tag. In einigen Ferienorten böten Hotels auch kostenloses Frühstück.

Rund 75 Prozent der Rettungsschwimmer kommen mittlerweile aus anderen Bundesländern. Ohne die Helfer von außerhalb „könnten wir den Dienst gar nicht leisten“, sagt Powasserat. Wasserwächterin Rostig aus Sachsen unterstützt die Kollegen in MV bereits seit zehn Jahren. „Bei uns gibt es nur Talsperren und Freibäder. Ich wollte mal etwas anderes kennenlernen“, sagt sie. Bislang hat sie für den Rettungsschwimmer-Job immer auf zwei Wochen ihres Urlaubs verzichtet. In dieser Saison wird sie den Strand hauptamtlich bewachen. Dafür hat sie eine dreimonatige Berufspause eingelegt. „Es lohnt sich“, ist sie überzeugt.

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