Abgeordnetenwatch : Sie fragen, Abgeordnete antworten

Eine Plattform für Dialog und bürgernahe Politik soll die Website abgeordnetenwatch.de werden. Bisher ist sie in der Hälfte aller Bundesländer verfügbar.
Eine Plattform für Dialog und bürgernahe Politik soll die Website abgeordnetenwatch.de werden. Bisher ist sie in der Hälfte aller Bundesländer verfügbar.

Das Internet macht es möglich: Wähler können allen Direktkandidaten direkt Fragen stellen. Nutzung des Portals bisher eher verhalten

von
25. August 2016, 21:00 Uhr

So nah konnten Wähler ihren Abgeordneten wohl noch nie kommen. Das Portal abgeordnetenwatch.de ermöglicht es, allen Direktkandidaten die brennendsten Fragen zu stellen. Fernab wohl Wahlständen oder Parteizentralen, dem Internet sei Dank.

Im Formular geben Nutzer einfach ihre Postleitzahl oder das Thema ein, das sie interessiert. Mit einem Klick bekommen sie dann Zugriff auf alle Politiker in ihrem Wahlkreis. Doch damit nicht genug. Neben ganz persönlichen Fragen sind auch die Positionen der Politiker zu relevanten Themen wie dem Vorschlag, die Kita-Kosten abzuschaffen, dem Kampf gegen die Finanzkrise oder der richtigen Gesellschafts- und Familienpolitik auf der Plattform zu finden – wie auch einen Überblick über die parlamentarischen Aktivitäten der Kandidaten. Nutzer können aber auch ganz einfach eigene Fragen hinzufügen.

Gedacht ist die Website als direkter Draht zwischen Bürgern und Abgeordneten. Darum sind auch alle Kandidaten der 36 Wahlkreise in MV mit einem individuellen Profil vertreten – allerdings bisher ohne ausführliche Informationen und Profilbild.

In Sachen Interaktion hapert es auf der Plattform noch. Ob wegen mangelndem Interesse oder Unwissenheit über das Angebot ist unklar. Erst 23 Fragen wurden an die Abgeordneten in Schwerin gestellt – in der Hauptstadt Berlin sind es schon über 250. Vielleicht liegt das Desinteresse aber auch auf Seiten der Politik. Denn von den 23 Anliegen wurden gerade einmal sieben beantwortet. Besonders gefragt ist dabei Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD), an den vier Bürger Fragen gerichtet haben. Beispielsweise geht es um die Verbesserung des Schienenverkehrs, die fehlende Gerechtigkeit in Sachen Rente oder die Verbesserung der Arbeitsbedingungen für Erzieher in Kitas. Reagiert hat der Ministerpräsident bisher nicht. Mit besserem Beispiel gingen Silke Gajek und Johannes Saalfeld von den Grünen, CDU-Kandidatin Ann Christin von Allwörden, Philipp Lübbert von den Freien Wählern, Patrick Dahlemann von der SPD und die AfD-Kandidaten Christoph Grimm und Christel Weißig voran. Egal, ob es dabei „nur“ um die Einführung eines für alle empfangbaren Schlager-Radiosenders oder den Umweltschutz ging.

Das Portal bietet inzwischen auch einen Kandidatencheck an, bei dem Wähler die Standpunkte der Politiker zu Themen der Landespolitik vergleichen können. Viele Antworten haben die Politiker allerdings auch dort bisher nicht bereitgestellt.

Das Angebot des Abgeordnetenwatches entstand 2004 im Kontext einer Hamburger Bürgerschaftswahl und wurde seitdem ausgeweitet.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen