Sie fährt und fährt und fährt...

Matthias Godthardt kennt sich aus mit Fahrtreppen. Foto: M.Nowitzki
1 von 1
Matthias Godthardt kennt sich aus mit Fahrtreppen. Foto: M.Nowitzki

svz.de von
16. Januar 2013, 11:03 Uhr

Ein Förderband für Menschen? Raufstellen, mitfahren, absteigen. Wie Kartons auf dem Fließband? Der feine New Yorker rümpfte damals, am 16. Januar 1893, die Nase und ging lieber weiter zu Fuß. Dieses neumodische Zeugs immer!

Doch als die erste Rolltreppe der Welt vor 120 Jahren im Cortland-Street-Bahnhof in New York losfuhr, revolutionierte sie mal eben die Transportmöglichkeiten.

Auch Matthias Godthardt fährt gerne Rolltreppe. Sehr gerne sogar. Nur muss der 48-Jährige leider fast immer zu Fuß gehen. Denn seit 30 Jahren repariert und wartet der Monteur Rolltreppen und Fahrstühle. Sie sei das sicherste Verkehrsmittel, sagt er. Kein Flugzeug, keine Bahn, kein Auto transportiert so viele Menschen so sicher von A nach B, oder wie die Fahrtreppe von oben nach unten oder unten nach oben. Je nachdem.

Vor 120 Jahren war es auch noch nicht ganz so entspannt, Fahrtreppen zu nutzen. "Damals waren die Antriebe noch viel größer und die Stufen schwerer", sagt Christian Steinigk, Serviceleiter vom Unternehmen Schindler. Bei der Jungfernfahrt in New York rumpelte die Treppe eher und machte ordentlich Krach dabei.

Rolltreppen heißen eigentlich Fahrtreppen. Rolltreppe ist ein geschützter Begriff genauso wie Fön. Den darf auch nur ein Unternehmen auf seine Verpackungskartons drucken. Fehlen der Treppe die Stufen, wird daraus ein Fahrsteig. Der findet sich häufig in Supermärkten, wo die Kunden mit Einkaufswagen unterwegs sind.

Das Unternehmen Schindler hat unter anderem die Fahrtreppen im Schweriner Schlossparkcenter und der Marienplatzgalerie gebaut und zählt heute nach eigener Aussage zu den Weltmarktführern. "Am Prinzip hat sich nicht viel geändert", sagt Steinigk. Seit 120 Jahren sind die Stufen an einer Kette befestigt, die durch einen Motor angetrieben wird. Kein Warten, kein Anstehen. Einen halben Meter pro Sekunde macht die Treppe im Schlossparkcenter.

Viermal im Jahr überprüft Godthardt eine Fahrtreppe. Einmal im Jahr wird sie zusätzlich von unabhängigen Experten unter die Lupe genommen. Die Monteure bauen zwei Stufen ab, um zum Inneren der Treppe vorzudringen. Im Winter sammelt sich hier viel Splitt oder Altöl muss entfernt werden. Manchmal finden die Techniker auch Geld. Die Münzen sind zwar ein bisschen zerschrammt, aber egal. Godthardt überprüft die Steuerelemente, Sicherheitseinrichtungen und den Motor, ob keine Stufen wackeln oder beschädigt sind und die Stufenketten unter Spannung sind.

Seit 1981 ist Matthias Godt hardt Instandhaltungsmechaniker für Fahrtreppen und Fahrstühle. Rund um Schwerin, in Ludwigslust und Grabow ist er unterwegs. Wenn er die Fahrtreppe ausschaltet, meckern die Leute oft, sagt er. Es ist so schön bequem, ohne eigenes Zutun vorwärts zu kommen.

Aber Godthardt nimmt das gelassen. Muss halt sein. "Die Sicherheitsanforderungen sind gestiegen", erzählt er. Bei ganz neuen Fahrtreppen werden schon die Handläufe überwacht. Fahren sie schneller oder langsamer als die Treppe, stoppt alles. Über 20 Sicherheitseinrichtungen gibt es. Gerät zum Beispiel ein Schal in die Kammplatte, wird die Treppe automatisch gestoppt. Die Platte ist sowas wie die Begrüßungsmatte vor vielen Haustüren. Auf sie setzen Besucher den ersten Schritt. Wenn sich hier etwas zwischen den Zacken verfängt, rutscht die Platte ein Stück nach hinten. Dadurch wird ein Sensor aktiviert, und die Treppe bleibt stehen. Das darf aber nicht ruckartig passieren, sagt Godthardt, sonst würden die Menschen, die auf der Treppe stehen, stürzen. Deshalb rollen die Stufen ungefähr 25 Zentimeter nach.

Eigentlich, sagt Serviceleiter Steinigk, kann auf der Fahrtreppe nichts passieren. Eigentlich. Doch im Juni 2012 ereigneten sich auf einer Fahrtreppe gleich zwei schwere Unfälle. In einem Einkaufszentrum in Rostock wurden zwei fünfjährige Jungen eingeklemmt und schwer verletzt. Eines der Kinder verlor einen Teil eines Zehes. Gerade auf Kinder müsse man besonders achten, erklärt Steinigk. "Mir wird schon mulmig, wenn ich Kinder dort spielen sehe." Es sei schließlich ein Verkehrsmittel, in dem schwere Alugussteile verbaut seien. Die Eltern, sagt Steinigk, könne er nicht verstehen. Auch für Tiere kann die Treppe gefährlich werden. Die Vierbeiner können sich Klauen oder Fell einklemmen. Deshalb: Hunde müssen auf den Arm genommen werden.

Matthias Godthardt steigt mit dem Werkzeug in der Hand die Fahrtreppe hinauf. So ist das als Instandhaltungsmechaniker.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen