Debatte in MV : Sicherer radeln mit Helm?

Wer mit Helm fährt, ist besser vor Kopfverletzungen geschützt.
Wer mit Helm fährt, ist besser vor Kopfverletzungen geschützt.

Eine allgemeine Helmpflicht wird öffentlich diskutiert / Die Mehrheit unserer Leser ist gegen ein solches Gesetz

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14. August 2015, 08:00 Uhr

Schwere Verkehrsunfälle mit Radfahrern ohne Helm: Am Dienstagabend stürzte in Wismar ein 58-jähriger Fahrradfahrer. Bei dem Sturz zog er sich tödliche Kopfverletzungen zu. Der Verunglückte trug keinen Helm. Ebenfalls am Dienstagabend verletzte sich eine 77-jährige Radfahrerin in Schwaan schwer. Ein 60-jähriger alkoholisierter Autofahrer übersah die Radfahrerin. Vielleicht hätte ein Helm den Unfall gemildert. Im vergangenen Jahr starben in MV 13 Radfahrer, 163 verletzten sich schwer.

Mecklenburg-Vorpommern diskutiert über die Helmpflicht. Innenminister Lorenz Caffier (CDU) forderte in unserer Zeitung für alle Radfahrer: „Die Schutzwirkung eines Fahrradhelms ist unbestritten, sein Tragen erhöht die Chance, einen Unfall ohne Kopfverletzung zu überstehen.“ Im Vorjahr wurden in MV 1516 Radunfälle mit Personenschaden verzeichnet. 240 der Radler ( 16 Prozent) waren Kinder und Jugendliche bis 15 Jahre. In Brandenburg wurden 2014 insgesamt 2649 Radunfälle mit Personenschaden registriert. 22 Radler kamen hier im Vorjahr bei einem Unfall ums Leben. Diese Zahlen werfen die Frage auf, wie man Radfahren sicherer machen kann.

Fakt ist: Wer beim Radeln einen Helm trägt, ist besser vor Kopfverletzungen geschützt. Laut einer Statistik der Hannelore Kohl Stiftung lassen sich 80 Prozent der schweren Hirnverletzungen mit Helmen verhindern. So plädieren auch Polizisten und Unfallchirurgen immer für das Radeln „oben mit“. In der Politik wird seit Jahren eine allgemeine Helmpflicht – also ein Gesetz, das zum Tragen eines Fahrradhelms verpflichtet – diskutiert. Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) spricht sich indes gegen ein solches Gesetz aus. Der Verband befürchtet nämlich, dass es sich kontraproduktiv auswirken könnte. „Wird das Tragen eines Helms zum Zwang, dann benutzen weniger Menschen das Rad. Das belegen zum Beispiel Zahlen aus Australien, wo eine Helmpflicht 1991 eingeführt wurde“, erklärt Martin Elshoff vom Landesverband MV die Haltung des ADFC. Aber: „Fahrradfahrer werden in großer Zahl besser wahrgenommen“, sagt er. Je mehr Menschen Rad fahren, desto geringer ist das individuelle Verletzungs- und Todesrisiko – das belegen auch Studien.

„Man kann das auch schön an einem Beispiel zeigen: Wenn mehr Kinder mit dem Rad zur Schule fahren, dann sinkt die Zahl der ,Mamataxis‘“, führt Elshoff weiter aus. Dadurch würde sich die Verkehrslage vor Schulen entspannen. Große Radlergruppen würden eher gesehen werden. Gleichzeitig würden weniger Elternautos die Gefahr von Unfällen beim Ausparken vor Schulen reduzieren. Um Unklarheiten zu vermeiden: Gegen das Tragen eines Helms ist der ADFC nicht. Nur sollte das auf freiwilliger Basis geschehen, bekräftigt Martin Elshoff.

Auch das Bundesverkehrsministerium lehnt ein derartiges Gesetz ab. „Weder das Bundesministerium noch Landesbehörden – jedenfalls ist uns keine bekannt – fordern die Helmpflicht. Sie ist auch nicht Gegenstand des Nationalen Radverkehrsplans. Die Gründe sind die mangelnde Akzeptanz, und dass sie sich kaum durchsetzen ließe“, lässt Steffen Wehner aus dem Verkehrsministerium MV verlauten. Doch auch hier befürwortet man generell die Schutzbedeckung: „Nichts desto trotz werben wir für das Tragen eines Fahrradhelms. Denn er ist der effektivste Schutz im Falle eines Unfalls. Statistiken zeigen, dass Helmträger häufig glimpflicher bei Unfällen mit Verletzungen davon kommen“, so der Ministeriumssprecher.

Doch was denken unsere Leser zum Thema? Bei einer Umfrage auf unserer Homepage konnten sie ihre Meinung kundtun. Insgesamt nahmen 994 Interessierte teil. Knapp 18 Prozent der Befragten gaben an, immer einen Helm zu tragen. Im Gegensatz dazu radeln 63 Prozent immer „oben ohne“. Die Mehrheit (rund 70 Prozent) sprach sich gegen eine allgemeine Helmpflicht in Deutschland aus. Davon waren 38 Prozent generell gegen ein solches Gesetz; fast 32 Prozent würden es zumindest für Kinder und Jugendliche bis 15 Jahren gutheißen. Immerhin knapp 30 Prozent der Teilnehmer würden es befürworten, wenn das Tragen eines Fahrradhelms für alle gesetzlich verankert würde.

Sollte es in Deutschland eine allgemeine Helmpflicht geben?

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Auch auf unserer Facebook-Seite wurde das Thema kontrovers diskutiert. „Das kann doch wohl noch jeder für sich selbst entscheiden!“, schreibt etwa Martina Dücker. Auch Anne Jesse ist gegen die Helmpflicht und kommentiert: „Damit Autofahrer noch eine Ausrede mehr haben, keine Rücksicht auf Radfahrer zu nehmen? Damit Versicherungen zukünftig nicht mehr zahlen müssen, ob man nun am Kopf oder woanders verletzt ist?“ Im Forum gibt es aber auch Befürworter. „Ich bin dafür, dass jeder Fahrradfahrer ein Helm tragen muss. Auch bei einem Sturz von einem Fahrrad kann es sehr schwere Kopfverletzungen geben, die es mit dem Tragen des Helmes nicht gegeben hätte!“, schreibt zum Beispiel Margrit Reimann. Auch Claudia Aliya El Aaraik unterstützt die Idee: „Sicher Helmpflicht! Für Kinder ja und für die Eltern nein? Schon mal was von Vorbildern gehört?“

Tragen Sie beim Radfahren einen Helm?

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Für eine andere Lösung in der Sicherheitsdebatte plädiert Martin Elshoff vom ADFC: „Es muss vor allem in Städten getrennte und breitere Radwege geben.“ Das Verkehrsministerium unterstützt indes ein Projekt, durch das insbesondere das Radeln außerorts sicherer werden kann: Sogenannte „Schutzstreifen“ helfen dort, wo keine Radwege gebaut werden können. Der Schutzstreifen ist deutlich markiert, sodass Autofahrer sehen, welchen Mindesabstand sie beim Überholen zu einem Radfahrer einhalten müssen.

Letztlich kann laut Martin Elshoff Radeln nur sicherer werden, wenn sich die gesamte Infrastruktur für Fahrradfahrer verbessert: „Solange Radfahren in den Köpfen von Politikern und Planern nur eine Randerscheinung ist, bleibt es gefährlich!“

* Umfrage unter unseren Lesern

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